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Rudolf Hundstorfer ist tot"Sein typischer Wiener Schmäh wird fehlen"

Der ehemalige Sozialminister und ÖGB-Präsident soll einem Herzinfarkt erlegen sein. Parteikollegen, Bundespräsident und Kanzlerin zeigen sich tief betroffen. Ebenso der österreichische Sport.

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Rudolf Hundstorfer © APA/HERBERT PFARRHOFER
 

Ex-Sozialminister Rudolf Hundstorfer ist gestorben. Das berichtet der "Kurier" unter Berufung auf Gewerkschaftskreise. Der als leutselig und beliebt beschriebene Wiener galt vielen als "Retter" des ÖGB, im Anschluss folgte der "logische" Wechsel ins Sozialministerium. Aktiv blieb Hundstorfer bis zuletzt, etwa als Präsident der Bundes-Sportorganisation.

Der frühere Minister und Bundespräsidentschaftskandidat sei im Ausland einem Herzinfarkt erlegen. Hundstorfer wurde 67 Jahre alt. Hundstorfer war von Dezember 2008 bis Jänner 2016 Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz. 2016 trat er bei der Bundespräsidentenwahl an, scheiterte aber schon im ersten Wahlgang. 

Rudolf Hundstorfer

Rudolf Hundstorfer, geboren am 19. September 1951 in Wien, zum dritten Mal verheiratet, eine Tochter und zwei Stiefkinder, beruflich als Kanzleibediensteter und Verwaltungsbeamter tätig.

Politischer Werdegang: 1967 Jugendvertrauensmann, ab 1976 freigestellter Personalvertreter, Abgeordneter des Wiener Landtags und Gemeinderats von 1990-2007, dabei Vorsitzender des Gemeinderats von 1995-2007, ab 2001 Geschäftsführender Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, 2003 GdG-Vorsitzender, 2006 ÖGB-Präsident, 2008-2016 Sozialminister, 2016 Bundespräsidentschaftskandidat, ab 2016 BSO-Präsident, seit 2018 Präsident der Volkshilfe Wien.

Aus finanzschwachen Verhältnissen arbeitete sich der 1951 geborene Hundstorfer im Wiener Rathaus vom Kanzleimitarbeiter bis zum Chef der Gemeindebediensteten-Gewerkschaft hoch, ohne die in Wien bis heute so gut wie gar nichts geht. Nebenbei wurde er Anfang der 1990-er Jahre Abgeordneter des Wiener Landtags und Gemeinderats, in dem er von 1995 bis 2007 auch den Vorsitz führte.

Die große Karriere kam spät: Als nach dem BAWAG-Debakel niemand so recht an die Spitze des ÖGB wollte, übernahm dort Hundstorfer im Jahr 2006 das Ruder und profilierte sich: Dass der Gewerkschaftsbund seine größte Krise übertauchen konnte, gilt auch als dessen Mit-Verdienst.

Hundstorfer war bis zuletzt als Funktionär aktiv. Erst am Dienstag vergangener Woche absolvierte er seinen letzten öffentlichen Auftritt: In seiner Funktion als Präsident der Volkshilfe Wien eröffnete er eine neue Sozialeinrichtung für obdach- und wohnungslose Menschen in Wien-Donaustadt.

Staatsspitze und Parteifreunde trauern

Der Tod von Hundstorfer ist am Dienstag nicht nur in dessen eigener Partei, der SPÖ, betrauert worden. Würdigende Worte kamen auch von den Sozialpartnern abseits der Gewerkschaft sowie aus allen Parteien. Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich tief betroffen, ebenso Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein.

Van der Bellen würdigte Hundstorfer als Menschen, "mit dem ich jeden Austausch sehr geschätzt habe, auch während unserer gemeinsamen Kandidatur zur Präsidentschaft". Er habe öffentliche Funktionen immer mit höchster Kompetenz und großer sozialer Verantwortung wahrgenommen. "Hundstorfer war ein umgänglicher und heiterer Mensch, der mit allen reden konnte, mit Arbeiterinnen und Arbeitern genauso wie mit Spitzenpolitikerinnen und -politikern", so der Bundespräsident.

"Mit Rudolf Hundstorfer verlieren wir einen großen Sozialdemokraten und wahren Menschenfreund, der unschätzbar Wichtiges zur Verbesserung des Lebens der Menschen geleistet hat", sagten SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda in einem gemeinsamen Statement. Mit ihm verliere die sozialdemokratische Familie "einen wichtigen Mitstreiter und einen Freund, der uns sehr fehlen wird".

"Typischer Wiener Schmäh"

Tief betroffen zeigte sich auch der stellvertretende SPÖ-Klubvorsitzende Jörg Leichtfried, der Hundstorfers Familie und Angehörigen tiefes Beileid aussprach. "Seine Kraft und Stärke, sein typischer Wiener Schmäh, seine Solidarität werden fehlen", meinte er. Auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, Vizebürgermeisterin Birgit Hebein von den Grünen, der SPÖ-Rathausklub und die SPÖ-Landesparteien trauerten. Ebenso die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures.

"Rudi Hundstorfer hat den ÖGB im Jahr 2006, in einer wirklichen schwierigen Zeit, als Präsident übernommen und damit große Verantwortung bewiesen", erinnerte sich ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian an einen Freund, der sich auch nach dessen Zeit als ÖGB-Präsident und Sozialminister immer für das Wohl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eingesetzt habe. Auch ÖGB-Vizepräsident und Christgewerkschafter Norbert Schnedl zeigte sich bestürzt.

"Rudolf Hundstorfer hat sich um unser Land besonders verdient gemacht", schrieb Bierlein in ihrem Statement an die APA. Der verstorbene Sozialminister habe "über Jahrzehnte auf Landes- und Bundesebene in verschiedenen öffentlichen Funktionen den Ausgleich ins Zentrum seiner Tätigkeit gestellt und im Sinne der Sozialpartnerschaft das Miteinander gestärkt". Sozialministerin Brigitte Zarfl ehrte "einen der profiliertesten Sozialpolitiker der Zweiten Republik".

"Ein Gewerkschafter und Politiker mit Herz"

Mit Hundstorfer habe man einen engagierten Sozialpolitiker, der für seine Sachlichkeit und ergebnisorientierte Arbeit geschätzt wurde, verloren, so ÖVP-Klubchef August Wöginger.

Für Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl war Hundstorfer "ein Gewerkschafter und Politiker mit Herz", der stets mit großer Leidenschaft für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gearbeitet habe. Als einstiger ÖGB-Präsident und Sozialminister werde er "überall Spuren hinterlassen, die von seiner Hingabe für eine gerechte Arbeitswelt zeugen".

Als damaliger Sozialminister habe Hundstorfer einen großen Anteil daran, dass Österreich die große Krise von 2008/09 ohne massenhafte Kündigungen überwinden konnte, sagte der damalige Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl zur APA. Dafür sei er ihm auch heute noch "unendlich dankbar". Hundstorfer habe einen wesentlichen Anteil daran, dass Österreich heute besser dastehe als andere Länder.

Auch Hofer und Kickl trauern um "Rudi"

Betroffenheit herrschte bei allen Parteien. "Wir haben Rudolf Hundstorfer bei allen politischen Gegensätzen menschlich und fachlich sehr geschätzt", meinten FPÖ-Obmann Norbert Hofer und der geschäftsführende FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl. "Rudi war ein Sozialdemokrat der alten Schule", würdigte die JETZT-Abgeordnete und frühere Parteikollegin Daniela Holzinger den Verstorbenen. Auch NEOS und Grüne reagierten betroffen.

Dem Vernehmen nach befand sich Hundstorfer gerade auf Urlaub in Kroatien. Er hinterlässt eine Tochter und zwei Stiefkinder.

Kommentare (22)

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erstdenkendannsprechen
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ruhe in frieden

nicht mehr ganz jung - aber trotzdem viel zu jung. mein beileid seiner familie.

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zyni
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Respekt!

Eine sympathische Persönlichkeit.

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calcit
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Er war ein sehr leutseliger Mensch, freundlich und offen...

...ich kann mich erinnern wie er damals als „mein Minister“ im Sozialministerium gleich jeden im Stiegenhaus begrüsste und zu seinen Bediensteten ein sehr kollegiales Verhältnis hatte. Nur eines muss man doch anmerken, heisse Eisen hat er keine angefasst...

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Irgendeiner
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Ich war politisch nicht sein Freund,

aber er war der Vertreter einer Politikergeneration denen man zumeist über Anschauungsgrenzen hinweg Ordentlichkeit, Ehrlichkeit,Aufrichtigkeit und Hausverstand attestieren konnte,ich habe ihn nie gewählt käme aber heute bei der Auswahl in Versuchung,denn der hat die res publica nach vorne gestellt.Und mit ihm verschwindet, wie auf anderen politischen Seiten auch, wieder einer mit Charakter,danke Herr Hundsdorfer und R.I.P.

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AIRAM123
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Ein Politiker, den man mochte

... und der seinen Auftrag verstanden hat. FÜR die Republik und FÜR die Menschen zu arbeiten.

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Hildegard11
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Konsens

Genau um diese Konsensfähigkeit und -willigkeit ginge es heute noch immer.

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lieschenmueller
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Mit 67 wähnt man sich noch nicht darin, dass das Lebenslicht gänzlich runter gebrannt ist

Aber es gehört einem im Grunde nur der Moment, nicht der Tag, nicht einmal die Stunde.

Wenn das Andenken an einen ein anständiges ist, hat man es richtig gemacht. Scheint bei Rudolf Hundstorfer der Fall gewesen zu sein.

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tomtitan
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lieschen, habe selten

einen schöneren Nachruf gelesen- danke!

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H260345H
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Ich hatte das Vergnügen, diesen

charakterlich hervorragenden Menschen kenn zu lernen und mehrfach zu treffen.
Hundstorfer war ein Politiker, wie ihn sich die aufrechten Demokraten wünschen, stets ehrlich, einfach und verständlich in der Sprache, sehr bodenständig, von den allermeisten Österreichern über die Parteigrenzen hinweg geachtet!
Leider gibt es von dieser Sorte heutzutage viel zu wenige, man beachte die oftmals echt miesen Charaktere, vor allem in der politisch rechtsrechten Szene!

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KarlZoech
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@ H260345H: Ich kann mich Ihrer Beschreibung Rudolf Hundstorfers nur anschließen,

so habe ich ihn auch kennengelernt, einmal im beruflichen Umfeld, einige Male als Vereinsfunktionär im Sozialbereich.
Ich werde ihn in guter Erinnerung bewahren.
Seiner Familie mein Mitgefühl.

PS. Man denkt besonders darüber nach, wenn jemand abgeht, der gleich alt ist....

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Rick Deckard
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Ein Sozialminister,

der den Namen noch verdient hat!

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Rick Deckard
17
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Daumen runter :

Fr. Hartinger Klein???

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Rick Deckard
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lauter Beates

..?🙈🤣

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plolin
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R.I.P.

Viel Kraft der Familie

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Geerdeter Steirer
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Ruhe in Frieden !

Warst ein besonders bodenständiger und sozial besonnener Mensch mit Handschlagqualitäten.
Hast nahezu alles was du in die Hand genommen hast mit fachlicher, ideologischer wie realistischer Kompetenz in die Wege geleitet und gemeistert.
Ein Mensch mit Anstand und Empathie, ruhe in Frieden !
Das Beileid gilt auch den Verwandten die sicher ein Herzstück von Mensch verloren haben.

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Genesis
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R.I.P.

Wenigstens blieb ihm das Amt des Bundespräsidenten erspart. So hatte er in seinen letzten Jahren wohl auch noch etwas mehr Zeit für sich.

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Lodengrün
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R.I.P.

Ein großer Menschenfreund. Stellte sich nie in den Mittelpunkt und war Diener der Sache. Danke.

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wahrheitverpflichtet
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ruhe in frieden

ein besonnener ungemein sympatischer mann der wenn er was sagte es fast immer auf den punkt brachte fachlich kompetent kein Politiker der sich als das wichtigste hielt! ruhe in frieden

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Genesis
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Objektiver Politiker

Ja, über alle Parteigrenzen hinweg betrachtet (ich persönlich hab mit der SPÖ nix am Hut) war er wohl ein ehrlicher Mensch und ein "grader Michl". Mit diesen Tugenden ausgestattet hat er sich gerade beim Aufräumen des BAWAG-Saustalls um Österreich verdient gemacht. Vielleicht hat er sich aber die Politik auch zu sehr "zu Herzen" genommen, wie man nun leider sieht.

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Geerdeter Steirer
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(ich persönlich hab mit der SPÖ nix am Hut)...........

allein nur die Äußerung ist hier in diesen Fall wohl komplett uninteressant und daneben interpretiert !
Er war ein objektiver Politiker, ein ehrlicher Mensch, ein "Haudegen" alter Schule mit gesundem Charakter, Verstand und Anstand !!
Er soll ruhen in Frieden im Himmel des nächsten Lebens !!

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Genesis
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Klarstellung

Ich wollte damit nur klarstellen, dass selbst für einen wie mich, der an der aktuellen SPÖ-Bundespartei rein gar Nichts Positives zu erkennen vermag, Minister Hundstorfer ein ehrbarer Mann und Politiker gewesen ist. Ist das so schwer zu verstehen ?

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H260345H
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Hoffentlich IST es SO,

immerhin gereicht dir diese Klarstellung zur EHRE, Genesis!

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