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Rechtsextreme ZeitschriftBeißt sich die FPÖ-Spitze an der "Aula" die Zähne aus?

Vizebundesparteichef Norbert Hofer droht den Schreibern der rechtsextremen zeitschrift mit politischem „Karriereende“. Aus Burschenschafterkreisen kommt Widerstand.

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Die FPÖ hat am Samstag in Sachen Distanzierung von der Zeitschrift „Aula“ noch einmal nachgelegt. Vizebundesparteichef und Infrastrukturminister Norbert Hofer ließ nämlich verlauten, dass es eine Art Null-Toleranz gegenüber „Aula“-Autoren geben soll: „Jeder, der dort weiter publiziert, hat die Chance auf eine weitere Karriere in der FPÖ verwirkt“, stellte Hofer klar.

Damit liegt er zwar voll auf Linie des Bundesparteivorstands unter Parteichef Heinz-Christian Strache. Im Milieu der FPÖ-Burschenschafter ist man aber offenbar nicht gewillt, die strengen Vorgaben von oben widerspruchslos zu befolgen. Bereits am letzten Donnerstag hatte etwa der steirische Dritte Landtagspräsident Gerhard Kurzmann – er war bisher ein eifriger „Aula“-Autor – gegenüber der Kleinen Zeitung klargestellt, dass er eine Fortsetzung seiner Autorenschaft in der umstrittenen Zeitschrift plant. Das Schreibverbot der Partei gelte nämlich aus seiner Sicht nicht für jene FPÖ-Politiker, die gleichzeitig auch Mitglied in einem Freiheitlichen Akademikerverband (FAV) sind. „Ich bin seit über 40 Jahren Vorstandsmitglied im FAV. Zwar findet nicht jeder ‚Aula‘-Artikel meine Zustimmung, aber ich nütze jede Gelegenheit, mit meinen Publikationen unterzukommen“, so Kurzmann.

FPÖ-Artikel für Strache "nicht erwünscht", aber kein Ausschluss

Hofer wollte im ersten Moment gegenüber Kurzmann auf hart schalten: „Er wird bei der nächsten Wahl nicht mehr antreten“, wird der Minister in der Zeitung „Österreich“ zitiert. Ganz so einfach ist der Fall des 64-jährigen Ex-Landesrates und Ex-Nationalratsabgeordneten aber nicht. Kurzmann ist nämlich in der FPÖ nicht irgendjemand, sondern zumindest für die steirische Landespartei eine schwer antastbare Ikone: Er trug die Landesgruppe quasi im Alleingang durch die schwierigen Jahre 2005 bis 2010, in denen die FPÖ nicht im steirischen Landtag vertreten war.

Klärende Aussprache geplant

Kurzmann wird zwar vermutlich tatsächlich bei der Landtagswahl 2020 nicht mehr antreten, das öffentliche verbale Foul des Ministers dürfte aber an der Parteibasis nicht gut ankommen. Offenbar wurde die Partei am Samstag am falschen Fuß erwischt, denn sämtliche Spitzenvertreter waren nach dem Hofer-Sager für erläuternde Stellungnahmen nicht mehr erreichbar. In der steirischen Landespartei gab man sich zugeknöpft: „Selbstverständlich liegen wir in Sachen ‚Aula‘ voll auf Linie der Bundespartei“, richtete ein Pressesprecher aus. Die Distanzierung von dem Blatt sei also aufrecht. Ob Kurzmann einlenken und nicht mehr für die „Aula“ schreiben wird, blieb aber offen. Hofers Aussagen wolle man nicht weiter kommentieren.

Informell war zu erfahren, dass es klärende Aussprachen geben soll. Ohnehin muss der bereits begonnene Prozess der organisatorischen Neuaufstellung der Zeitschrift weiter vorangetrieben werden.
Drei der fünf FAV-Landesgruppen, die bisher gemeinsam Eigentümer des Aula-Verlags waren, haben sich bereits aus dem Verlag zurückgezogen. Übrig bleiben der steirische und der Salzburger FAV, die beide auch künftig eine Zeitung im freiheitlichen Akademiker-Milieu herausgeben wollen. Ob die Zeitschrift weiter „Aula“ heißen wird, ist noch ungeklärt – es gibt sowohl Verfechter als auch Gegner der Fortführung des umstrittenen Titels.

Der Obmann des Mehrheitseigentümers FAV Steiermark, der Grazer Gemeinderat Heinrich Sickl, ging zuletzt nach dem „Quotenmohr“-Skandal selbst auf Distanz zu seiner Zeitschrift: „Auch seitens des Eigentümers ist man mit der Zeitschrift unzufrieden. Wir wollen das gesamte Erscheinungsbild der ‚Aula‘ auf inhaltlicher Ebene grundlegend neu konzipieren.“ Als wichtigste Neuerung soll der Redaktion künftig ein inhaltlicher Beirat zur Seite gestellt werden. Dieser soll im Voraus dafür sorgen, dass es keine rechtsradikalen und menschenverachtenden Entgleisungen mehr gibt.

Kommentare (1)

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Lodengrün
0
9
Lesenswert?

Müßig ist die Diskussion

denn die sich aufspielenden Chefs unterscheiden sich von den Bösen in keinster Weise. Lesen wir doch das FPÖ Parteiprogramm und fragen wir Herrn Hofer was er vom „Konstrukt“ Österreich hält. Sickl braucht überhaupt keine Meldung abgeben, er gehört wie Kickl, Eustacchio usw. zu den Identitären und was die vertreten erfahre man bei Wkipedia

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