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80 Jahre ''Anschluss''Van der Bellen rief zur Stärkung der Demokratie auf

Mit einem Staatsakt wurde heute dem 80. Jahrestag des "Anschlusses" Österreichs an Nazideutschland gedacht. Bundespräsident Van der Bellen lud zum Staatsakt in die Wiener Hofburg.

'ANSCHLUSS' 1938: GEDENKAKT ZUM 80. JAHRESTAG / VAN DER BELLEN
Bundespräsident Alexander Van der Bellen sprach sich in der Hofburg gegen jegliches Vergessen und für eine Stärkung der Demokratie aus. © APA/HANS PUNZ
 

Mit einem Staatsakt hat das offizielle Österreich am Montag des "Anschlusses" an Nazideutschland vor 80 Jahren gedacht. Bundespräsident Alexander Van der Bellen sprach sich in der Hofburg gegen jegliches Vergessen und für eine Stärkung der Demokratie aus. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) verurteilte vorrangig jeglichen Antisemitismus - "egal ob schon vorhanden oder frisch importiert".

Der 12. März 1938 stelle einen "Kulminationspunkt einer katastrophalen Entwicklung dar", resümierte der Bundespräsident die Ereignisse, die letztlich zum "Anschluss" führten. Der in gewissen Kreisen populären "Opferthese" widersprach Van der Bellen dabei unmissverständlich: "Österreich hat Mitverantwortung für die Gräueltaten des Nationalsozialismus." Der richtige Zeitpunkt, sich der eigenen Geschichte zu stellen sei "gestern, heute und morgen".

Die Rede von Bundespräsident Van der Bellen finden Sie hier:

Rede von Bundespräsident Alexander Van der Bellen

Lehre, die das Staatsoberhaupt aus den Ereignissen zieht, sind etwa, "dass Diskriminierung ein erster Schritt zu Entmenschlichung ist" und "dass Rassismus und Antisemitismus nicht einfach verschwinden, sondern auch heute im Kleinen wie im Großen weiter existieren". Es könne nicht nur darum gehen, Werte einer offenen, demokratischen Gesellschaft nur zu verteidigen, sondern diese vielmehr auszubauen und zu stärken.

Auf seine eigenen Erfahrungen mit Berichten von Holocaust-Überlebenden ging Kurz ein. Für ihn ist der "Anschluss" der "Auftakt zu einem nie da gewesenen verbrechen: der Schoah". Nicht nur für die eigene jüdische Bevölkerung trage Österreich Verantwortung, meinte der Bundeskanzler, denn "die Österreichische Verpflichtung endet nicht an unseren Grenzen". Auch in Israel müssten Juden in Freiheit und Sicherheit leben können.

Die Rede von Kanzler Kurz finden Sie hier:

Rede von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP)

Auch Kurz erwähnte, dass sich Österreich eine Zeit lang gerne als "Opfer" des Nationalsozialismus betrachtet hat, was sicher für jene gelte, die Widerstand geleistet haben. Viele Menschen hätten aber auch das System unterstützt. Kurz: "Jeder Mensch trägt nicht nur Verantwortung dafür, was er tut, sondern vor allem dafür, was er nicht tut." Heute gelte es daher, "gegen jede Art von Intoleranz und Extremismus" anzukämpfen.

Die Gedenkrede beim Festakt in der Hofburg hielt Andre Heller, der sich an das Schicksal seines eigenen Vaters nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erinnerte. Auch er erinnerte daran, dass sich in den vordersten Reihen der Nazis nicht wenige Österreicher befanden, nicht nur Adolf Hitler selbst. Und auch nach Ende des zweiten Weltkriegs habe es "in den Köpfen der Menschen weiter gegärt" und hätten "Splitter und Balken" in der Gesellschaft weiter existiert.

Die eindrückliche Gedenkrede des Künstlers Heller finden Sie im Wortlaut >>hier<< und hier als Video:

 

Gedenkrede von Künstler Andre Heller

Zu dem Staatsakt waren Vertreter der Regierung, des Parlaments und anderen Gremien so gut wie geschlossen erschienen. Unmittelbar danach wurde eine Klanginstallation am Heldenplatz, wo Adolf Hitler drei Tage nach dem Einmarsch den "Anschluss" verkündet hatte, eingeweiht.

 

Kommentare (17)

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mapem
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Hell und dunkel …

Tja, was machma, wenns einst nicht mehr solche Heller gibt – oder sie sprechen lässt? …

Und in letzter Zeit kommt´s mir schon viel zu oft so vor, als zögen welche immer mehr und mehr den Vorhang zu … und man kann immer weniger hinaus blicken – dorthin, wo die Menschlichkeit hell und wärmend strahlt.

Ja, es wird dunkler – aber jeder hat die Möglichkeit … hat´s in der Hand … den Vorhang immer wieder aufzuziehen … jeden Tag.

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"Jeder ist dafür verantwortlich, was er tut, aber auch, was er nicht tut."


Diesen Satz aus der heutigen Rede unseres Bundeskanzlers hat Andre Heller in seiner großartigen (Fest-) Ansprache umgehend beherzigt, indem er sich kein Blatt über die heutigen Anzeichen, dass die Grndfesten der Demokratie jederzeit wieder "weich" werden könnten, vor dem Mund genommen hat.
Diesen Satz könnte auch der Bundeskanzler selbst beherzigen, denn "schweigen" ist keine entschuldbare Option!

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Planck
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Ergänzung:
"Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf." (Erich Kästner)

Da sich (auch Erich Kästner) "jeder Vernunft selbst erwerben muss, sich nur die Dummheit gratis fortpflanzt", hoffen wir einmal, dass es nicht schon wieder zu spät ist ... ^^

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Irgendeiner
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Tja, Zeitgeschichte ist immer interessant,

kennt irgendwer Herschel Feibel Grynszpan? Das war ein junger Mann, ein orthodoxer Jude,dessen Verwandten wurden von Deutschland zwangsdeportiert .Nun, darauf hin hat der einen Anschlag gemacht, in Paris,auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath,ein Botschaftsmitarbeiter hat das mit dem Leben bezahlt.Naja, soweit sind das alte Kamellen, vergangenes Unrecht das vergangenes Unrecht gebar, aber die Sache hat noch einen kleinen Anhang.Denn Grynszpan Tat hat den Nationalsozialisten den Vorwand geliefert mit den Pogromen zu beginnen,weils das was einer tat propagandistisch allen zuordneten,eine jener Denkfiguren für Idioten mit der man kleine Männer einfängt,dieses pars pro toto legitimiert immer so schön alles.Naja,was damals war ist mittlerweile vom Wind der Zeiten verweht,aber diese Argumentationsfigur für Vollidioten ist alive and kicking,hab ich erst jüngst gesehen, von Amtsträgern.Wenn einer mit dem Messer meuchelt und man schließt draus, daßma zu viele Flüchtlinge haben,nicht wahr, Herr Bundeskanzler.

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Cop42
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Wo war Kärntens Landeshauptmann?

LH Kaiser wurde in der Fernsehübertragung leider nicht gesichtet. Ach ja richtig: Er sondiert heute ja mit der FPÖ über eine Regierungsbeteiligung in Kärnten. Ich bin enttäuscht über die Abwesenheit bei dieser denkwürdigen Veranstaltung bzw. der berührenden Rede von André Heller.

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fortschritt
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Wo war der LH?

Es war ihm -und auch mir- wichtiger, in Kärnten dafür zu sorgen, die Ausbreitung populistischen Gedankenguts einzudämmen. Auch dazu dienen Sondierungsgespräche.

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Zeitgenosse
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Auch ich bin

berührt von der Rede von Andre Heller und wenn sie genau hingehört haben so hat er den Populismus eine Ordentliche Watschn verpasst.
Herr Dr. Kaiser war verhindert die aktuellen Koalitionsverhadlungen stattfinden, deshalb sollten sie mit ihrer populistischen Bemerkung zurüchhalten.

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Meinen Sie, der Kärntner Landeshauptmann

hätte Nachhilfe in Geschichte nötig? Seine Aufgabe ist es, das Land zu führen und nicht in Wien bei Gedenkveranstaltungen herumzusitzen, die der Bund und nicht das Land organisiert hat!

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create
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Und immer noch

gibt es Menschen, die sich diese furchtbare Zeit zurückwünschen.
Der Jahrestag fällt zeitlich ja sehr gut, allerdings fürchte ich, wird das Gedenken daran an der grauslichen Ideologie in manchen Köpfen nichts ändern...

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BernddasBrot
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Im gestrigen ORF Gespräch

mit Tarek Leitner und Herrn Portisch wurde nicht einmal peripher erwähnt, dass noch vor dem Einmarsch Flugzeuge in Wien landeten und das Gold der NB nach Berlin brachten. Der verstorbene Univ. Prof. Schausberger meinte dazu , ohne diesem Gold hätte der 2. WK gar nicht finanziert werden können. Hat mich doch etwas verwundert eben dies......

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Zeitgenosse
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Hätten

die Schwarzen Diktatoren Dollfuss Schuschnigg das Gold nicht gehortet und damit die Entwicklung gestoppt, hätte die Armut und Arbeitlosigkeit in Österreich nicht dieses Ausmaß angenommen!
Die Dollfuss Schusschnig Diktatur hat den Weg für Hitler geebnet, der Untergang der ersten Republik hat schon mit Ausschaltung des Parlaments durch den schwarzen Dollfuss begonnen.
Österreichs Menschen waren damals arm und somit anfällig für Verführer, hätte man Hitler so gekannt wie nach 1945 wäre es zu keinen Jubelanschluss gekommen.
Die Anrufe Schusschnigs in der letzten Stunden der ersten Republik in Rom Paris und London waren Jahre zu spät und Mussolini war nicht einmal erreichbar!
Niemand wollte damals Österreich helfen, weil sie alle Angst vor diesem Dämon aus Berlin hatten.
Was folgte waren sieben Jahr Schmerz Verfolgungen und Diktatur, alle haben leiden müssen, auch die jubelnden!
Mein Gedenken gilt heute den vielen jüdischen Österreichern und den vielen jungen Männern und Frauen die ermordet wurden sowie gefallen sind.
Nun sollten wir aufhören Schuldige in der heutigen Zeit zu suchen, nur diese die sich heute noch schuldig machen müssen auf das härteste bestraft werden.

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create
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@Zeitgenosse: Sehe ich genauso!

Die Schuldigen von damals können nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden. Und auch ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass ich in der damaligen Situation nicht gejubelt hätte!? Niemand, der diese Zeit nicht miterlebt hat, kann das. Und auch, als die Ausmaße dieses Wahnsinns zu Tage traten, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, dass ich mich dem nicht gefügt hätte. Mein Gedenken gilt ebenfalls auch all Jenen, die den Mut hatten, gegen dieses verabscheuungswürdige Regime anzukämpfen und dafür ihr Leben ließen.

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Jak39
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Dazu kommt noch

diese gewaltige NS-Propaganda-Lawine.

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BernddasBrot
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Was Sie schreiben ist mir nicht unbekannt.

Die Frage ist für mich , welche Form der Geschichtsbetrachtung hat Priorität. Der Austrofaschismus und der Ständestaat in Ö hat den Sozialstaat demontiert und die Folgen haben Sie beschrieben. Im Vergleich zu heute , sehen wir in Europa schon wieder diese Entwicklung des Szialabbaues und neuerdings auch in Ö. Warren Buffett schrieb vor Jahren , ein Krieg zwischen Reich und Arm kündigt sich an und wer gewinnt , steht auch schon fest....

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Sam125
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Was sie schreiben ist mir nicht unbekannt

Ja da stimme ich ihnen voll und ganz zu! Ich bin das 8. von 10 Kindern der ersten Nachkriegsgeneration und damals Bettelarm! Mein Vater wurde als ganz junger Bursche Einberufen und kam schwer verletzt von der Front nach Hause!
Er hat uns das spielen mit Waffen streg verboten, da er sich dem Krieg nicht entziehen konnte und kämpfen musste! Seine Mutter trug auch schon vor dem Krieg stets eine Waffe, weil so viele Menschen, vor allem aus der Stadt kommend, alles was nicht Niet und Nagelfest war zusammenstahlen, so arm waren sie!! Da gab es nur REICH oder ARM! Ich frag mich daher, warum verurteilen wir noch immer die Menschen dieser Zeit? Passen wir lieber auf, dass dies NIE WIEDER passiert! Leider sind wir momentan mitten im Sozialabbau was mich wiederum sehr beunruhigt!

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create
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@Bernd: Um zu wissen, wer

gewinnt, braucht es keinen Warren Buffett. Und welche Frage stellt sich Ihnen hier konkret? Dass der Sozialabbau schon längst begonnen hat, ist Fakt. Dass die Bevölkerung dem auch noch zujubelt, ist wohl auch Fakt, ansonsten kann ich mir die jüngsten Wahlergebnisse nicht erklären. Solange es Jenen, die unerwünscht sind, schlechter geht als Einem selbst, ist alles in Ordnung. Wenn man ein paar Jahre zurückschaut, waren Obdachlose und Bettler in Ö unerwünscht, wurden als Spiegel der leider nicht vollkommenen Gesellschaft eben nicht gern gesehen. Heute ist es so, dass man sich für Diese einsetzt, denn schließlich wurden uns ja mittlerweile andere "Feindbilder" vor die Nase gesetzt.
Da stellt sich mir nicht die Frage, welche Geschichtsbetrachtung Priorität hat. Da stellt sich mir die Frage, ob sich der Wahnsinn möglicherweise wiederholt!?

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Die Gefahr des Wiederholens ist gegeben,

weil anstelle der Juden nun Flüchtlinge stehen und sehr viele (vgl. Ex-EU-Bauer Anklage wegen Verhetzung), diverse Stammtischklientel und im Internet schon ziemlich hetzerisch (und im Recht zu sein glaubend) daherkommen.

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