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Kritik an KurzJean Ziegler: "Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet"

Österreich hätte eine "enorme internationale Ausstrahlung". Die Flüchtlingspolitik von Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) kritisierte Ziegler jedoch scharf.

Jean Ziegler
Jean Ziegler © APA/EPA/SVEN HOPPE
 

Der Schweizer Globalisierungskritiker Jean Ziegler hat Österreich als international positives demokratisches Beispiel hervorgehoben. "Österreich ist eine unglaublich lebendige Demokratie", so Ziegler im APA-Gespräch am Dienstag. Das Land sei eigentlich ein "Vielvölkerstaat" und habe als Kleinstaat eine "enorme internationale Ausstrahlung". Sorge bereite ihm aber die österreichische Außenpolitik.

Bei den vergangenen österreichischen Präsidentschaftswahlen habe sich Österreich erhoben und sich auch gegen die von der EU praktizierte "kriminelle Flüchtlingsrückweisung" gestellt. Dennoch müsse das Land außenpolitisch wieder zurück zur Linie des ehemaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer kommen. Dieser habe immer gesagt, was zu sagen war.

Kritik an Flüchtlingspolitik von Kurz

Die Flüchtlingspolitik von Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) kritisierte Ziegler scharf. Kurz sei im Menschenrechtsrat "furchtbar" gewesen und habe ein "Amtsdeutsch", das sicherlich nicht dem österreichischen Geist entspreche. Kurz' Existenz und Weltsicht hätten nichts von "Jugend", sagte Ziegler auch in Bezug auf die von Österreich im Jahr 2016 mitinitiierte Balkankonferenz, die zur Schließung der Balkanroute für Flüchtlinge geführt habe.

Die Europäische Union habe ein kontinentales Globalprodukt von 11.000 Mrd. Euro und sei damit die größte Wirtschaftsmacht, die es je gegeben habe. Dass 520 Millionen Konsumenten und Produzenten eine Million Flüchtlinge nicht integrieren könnten, sei "absurd" und als Argument "nicht akzeptabel". Er sehe zwar die innenpolitischen Gründe für die nationalstaatliche Flüchtlingspolitik, sagte Ziegler, doch sei die Europäische Union im Begriff, das Asylrecht aufzuheben.

"Verbrechen gegen die Menschlichkeit"

Die EU errichte Mauern, Barrieren und Stacheldrahtzäune um Männer, Frauen und Kinder, die vor Folter, Verstümmelung und Tod geflohen seien, daran zu hindern, einen Asylantrag zu stellen. Wenn die Bürokraten in Brüssel auf diese Weise Hunderttausende verfolgte Menschen in Elend und Verzweiflung zurückstoßen würden, zerstörten sie die Grundlagen, auf denen die Europäische Union errichtet worden sei: "Rechtsstaatlichkeit und Solidaritätsgebot", schreibt Ziegler (82) auch in seinem neuesten Buch "Der schmale Grat der Hoffnung" (C. Bertelsmann Verlag). Was die EU derzeit mache sei ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

"Der schmale Grat der Hoffnung"

Jean Ziegler: "Der schmale Grat der Hoffnung", übersetzt von Hainer Kober, C. Bertelsmann, 20,60 Euro, 319 S. ISBN 978-3-570-10328-9

Es sei bei der Aufnahme von Flüchtlingen natürlich Toleranz gefragt und diese müsse auch nicht enden, außer es würden Gesetze verletzt, betonte der Schweizer Globalisierungskritiker weiter. Natürlich teile Ziegler gewisse Menschenbilder in keiner Weise (Stichwort: Kinderheirat, Genitalverstümmelung, Gewalt in der Familie, Wahlrecht, Anm.) doch solange die Gesetze des Gastlandes respektiert würden, sei die "kulturelle Differenz eine Bereicherung". Man müsse das kulturelle Verhalten als "kulturelle Singularität" akzeptieren.

Hitlers Sündenbocktheorie

Migranten als "Sündenböcke" hinzustellen sei zudem nicht neu. Seit Adolf Hitler sei die "Sündenbocktheorie" eine absolute Keule und sehr verführerisch. Als aktuelles Beispiel führte Ziegler hier den französischen Präsidentschaftswahlkampf an.

Die französische Rechtspopulistin und Chefin der rechtsextremen Front National (FN) erkläre dem Mittelstand, dass sich die Situation nur verbessern werde, wenn die Grenzen geschlossen würden. Hitler habe diese "Sündenbocktheorie" bis zum "absolut totalsten Verbrechen" durchgeführt. Damals seien es die Juden gewesen, heute seien es die Flüchtlinge. Auch hier habe Österreich bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen "den Weg gezeigt", konstatierte der Menschenrechtsaktivist. Ziegler sieht darin eine "Quelle der Hoffnung".

Das Identitätsbewusstsein des Menschen müsse wieder durch Analyse und theoretischen Klassenkampf, freigeschaufelt werden. Dann komme automatisch das solidarische, komplementäre Verhalten und nicht mehr der Konkurrenzkampf sowie die Menschenverachtung.

Die 85 reichsten Milliardäre hätten soviel Vermögenswerte wie 4,5 Mrd. der Ärmsten der Menschheit, erinnerte Ziegler abschließend. Deshalb gelte nach wie vor: "Ein Kind das an Hunger stirbt, wird ermordet."

 

Kommentare (13)

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unterhundert
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Die Frage sollte lauten,

Wohin verschwinden die Millionen oder Milliarden der Spendengelder für Afrika? Als Kinder spendeten wir schon in der Schule für die Biafra Kinder. Dies ist auch schon über 50 Jahre her. Seitdem fließen immer mehr an Spenden in diese Regionen. Werden um diese Gelder Waffen für Stammeskriege gekauft, oder bereichern sich div. Machthaber mit Ihren Konten in Frankreich oder sonst wo mit diesen Geldern? Auch div. Konzernen die für die Verwüstung ganzer Landstriche, durch Soya anbau, und somit der Bevölkerung das an sich rare Wasser abgraben, sorgen sollte Einhalt geboten werden.

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Irgendeiner
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Tja,immer noch ein guter Mann,

schade daß er seine Zeit mit einem Basti verplempern muß.

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ugglan
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21.Jahrhundert

--und noch immer nicht das Instrumentarium der Empfängnisverhütung in diesen Ländern angewendet - dann darf man sich nicht wundern und nicht jammern!

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KarlZoech
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@ ugglan: Im Prinzip haben Sie recht. Alllerdings sind in ärmeren Ländern,

wo es keine Pensionsversicherung gibt, Kinder auch Altersvorsorge für die Eltern, das war bei uns in früheren Zeiten ganz genauso.
Und natürlich trägt zur Übervölkerung auch die Rolle der Religionen bei, welche Empfängnisverhütung als negativ sehen.

Letztlich hat aber Jean Ziegler trotzdem recht, denn die Erde gäbe uns genug auch für so viele, der Reichtum dieser Erde ist aber höchst ungerecht verteilt, was Folge eines ungerechten Wirtschaftssystems ist.

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e59541acc96a3c3e39529d77735d334a
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Wenn

die Kinder keine Arbeit haben,wie sollen sie dann für die Altersvorsorge der Eltern sorgen?

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Hohenwanger
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Das Richtige zur richtigen Zeit gesagt

Kurz ein weiterer Unfähiger.
Die Leute glauben, er kann der ÖVP einen Wahlerfolg bringen.
Was haben die Leute mit der FPÖ und mit Haider
sich anschauen können?

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Sepp57
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Mir wird die Ausrichtung

von Kurz auch allmählich suspekt. Der ist ja nur mehr im Zusammenhang mit Asylanten-, Migrantenthemen und Islam zu sehen und zu hören. Hat der nichts anderes zu tun ?
Denkt der wirklich so, wie er spricht ? Oder ist das alles nur Taktik. Hat er den Auftrag, sich sehr weit nach rechts zu begeben, um die FPÖ zu killen ?

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Aussenstehender
3
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Ziegler

Er wird alt, der gute Mann. Der österreichische Vielvölkerstaat war vor einem Jahrhundert am Zerbröseln, und nächstes Jahr dann sind es genau 100 Jahre dass das k.u.k. Kaiserthum vollkommen zu existieren aufgehört hat. Lernans Geschichte, möchte man ihm sagen.
Minister Kurz zu kritisieren, so wie er , Ziegler, es tut, so vom Hohen Ross herab, ist seine persönliche Meinung, aber er selbst könnte gewiss nichts Besseres tun als unser beliebter Aussenminister.

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SoundofThunder
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🤔

Wenn alle Staaten zusammengearbeitet hätten wäre es kein Problem geworden.Und Hitlers Sündenbocktheorie ist auch heute noch weit verbreitet (Weltjudentum,Brunnenvergifter usw.). Und Sündenböcke finden die Rechten auch heute noch überall-Lösungen keine.

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e59541acc96a3c3e39529d77735d334a
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Und

Hitler muss für alles herhalten?Auch in der Neuzeit?
Werde mal munter!

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e59541acc96a3c3e39529d77735d334a
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China

hatte einmal diese 1 Kind Politik,könnte auch in Afrika helfen!

Womit wollt ihr sie ernähren, die viel zu vielen Menschen,
die ihr heranzieht? Mit eurem guten Willen?
Waltraud Puzicha
(Dt. od. Schweiz. Lyrikerin, 1925 – 2014)

Selbst der jetzige Papst warnte,man muss sich nicht wie die Karnickel vermehren!

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Elli123
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Ziegler

soll bei den Wirtschaftsthemen bleiben. In allen anderen Bereichen ist er Laie und gibt auch nur seinen Senf dazu.

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tomtitan
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"...Dass 520 Millionen Konsumenten und Produzenten eine Million Flüchtlinge nicht integrieren könnten, sei "absurd" und als Argument "nicht akzeptabel"..."

genauso "absurd" und "nicht akzeptabel" ist allerdings auch, daß diese last großteils alleine von österreich, deutschland und schweden gestemmt werden soll!

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