Sie wollten immer schon einmal sehen, was Andreas Babler im Vorfeld der Nationalratswahl mit seinem Team besprochen hat, wie er seltsam für Plakatfotos posiert, wie er sich nach Debatten mit FPÖ-Chef Herbert Kickl feiert oder wie ihn seine Frau darauf aufmerksam macht, dass ihm kurz vor der Angelobung in der Hofburg die Hose aufgerissen ist? Dann habe ich eine Filmempfehlung für Sie. Für die Dokumentation „Wahlkampf“, die bei der Grazer Diagonale am Wochenende Premiere hatte, folgte Regisseur Harald Friedl dem SPÖ-Chef vor der Nationalratswahl 2024 auf Schritt und Tritt. Das Ergebnis hat bei 97 Minuten Laufzeit durchaus seine Längen, die Nicht-Politik-Strebern noch länger vorkommen dürften. Einblicke in den Alltag eines Politikers in heißen Wahlkampfzeiten liefert sie jedoch allemal.

Seit der Premiere wird jedoch weniger über Spannung und Mehrwert der Dokumentation und mehr über ihre Finanzierung diskutiert. 350.000 Euro flossen allein über Fördermittel des Österreichischen Filminstituts, auch der Filmfonds Wien und das Land Niederösterreich zahlten mit. Eine Geschichte über die Hintergründe und den Ärger der FPÖ über die Förderung lesen Sie hier. Kurz zusammengefasst: Die Förderungen werden nicht vom Kulturministerium, sondern durch eigene Kommissionen vergeben.

Nur mit Bauchweh

Das Argument direkter politischer Einflussnahme ist also falsch, eine Debatte über die Förderungen ist dennoch berechtigt. Ja, die Kunst ist frei und muss sich entsprechend ausdrücken können. Aber müssen Dokumentationsfilme über aktive Politikerinnen und Politiker wirklich mit Steuergeld finanziert werden, das von eben diesen verwaltet wird? Nur mit Bauchweh, das in budgetär prekären Zeiten wie diesen besonders schmerzt. Filme über ehemalige und verstorbene Polit-Schwergewichte wie Johanna Dohnal und Kurt Waldheim finde ich hingegen sehr gelungen. Im Nachhinein fällt die Einordnung in das große Ganze der Geschichte ohnehin leichter.