Seit sechs Jahren erhebt das Verteidigungsministerium jährlich das Meinungsbild der Bevölkerung zu verteidigungspolitischen Themen. Die Ergebnisse heuer spiegeln wider, wie sich das Sicherheitsdenken der Österreicherinnen und Österreicher verändert hat. So gaben 43 Prozent der männlichen wehrfähigen Bevölkerung (18 bis 50 Jahre) an, dass sie im Ernstfall bereit wären, ihr Heimatland mit der Waffe zu verteidigen. In der Gesamtbevölkerung liegt dieser Wert bei 32 Prozent.

Dass umgekehrt mehr als die Hälfte nicht bereit ist, im Verteidigungsfall zur Waffe zu greifen, findet Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) „nicht besorgniserregend“. Aber es stehe „außer Frage, dass wir, was den Wehrwillen anbelangt, viel zu tun haben“, verwies Tanner auf die Bemühungen in Sachen geistiger und umfassender Landesverteidigung.

Von einem Meinungsforschungsinstitut befragt wurde eine repräsentative Stichprobe von 1500 Personen ab 15 Jahren (online und persönliche Interviews) im Zeitraum August bis Oktober. Eine Mehrheit von 53 Prozent gab an, dass sie die Lage in Österreich als sehr sicher bzw. sicher empfinden, 20 Prozent stuften die Lage als unsicher oder eher unsicher ein. Diese Werte sind in den letzten Jahren relativ stabil geblieben.

Inflation ist und bleibt Hauptsorge

Hauptsorge der Österreicher sind laut der Umfrage die steigenden Preise (77 Prozent) Gleich danach wurde die Zuwanderung (53) genannt, die Verbreitung von Falschinformationen über das Internet wird mit 52 Prozent ebenso als relevante Bedrohung gesehen. Gestiegen ist in den letzten Jahren die Sorge über die Spannungen zwischen dem Westen und Russland. Ein Krieg in Europa wird von 41 Prozent der Bevölkerung als realistische Bedrohung empfunden. „Das ist ein deutlicher Zuwachs, 2023 ist dieser Wert noch bei 33 Prozent gelegen“, führte Wolfgang Prinz, Leiter des Referats Strategische Markt- und Meinungsforschung im Verteidigungsministerium, bei einer Pressekonferenz am Dienstag aus.

Rossauer Kaserne, Wien, Östereich 

Pressekonferenz zu Bevölkerungsbefragungen über das Bundesheer mit Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Wolfgang Prinz, Leiter des Referats Strategische Markt- und Meinungsforschung am 04. November 2025

Foto: BMLV/Carina KARLOVITS
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Wolfgang Prinz, Leiter des Referats Strategische Markt- und Meinungsforschung © BMLV/CARINA KARLOVITS

Knappe Mehrheit für längeren Grundwehrdienst

Gestiegen ist auch die Zustimmung zur allgemeinen Wehrpflicht, 73 Prozent der Befragten halten sie für notwendig. „Die Menschen sehen die Wehrpflicht als wichtigen Beitrag zur Sicherheit Österreichs und Ausdruck der gesellschaftlichen Solidarität“, interpretiert Verteidigungsministerin Tanner das Umfrageergebnis. Eine knappe Mehrheit von 51 Prozent zeigt sich demnach sogar aufgeschlossen gegenüber einer Verlängerung des Grundwehrdienstes. Mit dieser Frage beschäftigt sich ja derzeit eine Kommission. Medienberichten zufolge soll diese sogar Modelle vorschlagen, die eine Gesamtzeit von zehn Monaten Wehrdienst umfassen.

Erfreulich für die Ministerin: Für eine Erhöhung des Verteidigungsbudgets sprechen sich 56 Prozent der Befragten aus. Und auch die Neutralität genießt mit 75 Prozent eine überwältigende Zustimmung. Gefragt wurde dabei auch, was die Bevölkerung unter Neutralität überhaupt verstehen. „Primär wurde dabei die militärische Nichteinmischung genannt. Ein hoher Anteil machte keine Angaben, es gab aber auch einen gleich großen Anteil, der die generelle Nichteinmischung in Konflikten nannte“, erläuterte Prinz.

Ministerin Tanner liest aus den Umfragergebnisen den Auftrag heraus, „dass Österreich neutral, aber wehrhaft bleiben soll und in den Schutz der Bevölkerung auch investieren soll.“