Nur wenige Orte sind in Österreich historisch so negativ aufgeladen wie der sogenannte Hitler-Balkon am Heldenplatz. Wenige Tage nach dem Einmarsch verkündete Hitler unter dem Jubel von 250.000 Österreichern von der markanten Terrasse im Herzen von Wien aus den Anschluss. Nach 1945 wurde der Zugang für die Öffentlichkeit versperrt - bis heute. 1983 gab es Überlegungen, ob sich nicht der Papst von dort an die Gläubigen wenden sollte. Beim Lichtermeer 1993 ergriff der Holocaust-Überlebende Elie Wiesel vom Balkon aus das Wort. Nach dem Ja zum EU-Beitritt wurde 1994 die EU-Fahne gehisst. Zur Jahrtausendwende wurde der Ort für eine Silvesterparty an eine Privatperson um 200.000 Schilling vermietet. Heute werden nur Überlebende oder Opfer der NS-Barbarei auf den Altan (große Terrasse) der Neuen Burg gelassen, zuletzt etwa die 103-jährige Widerstandskämpferin Melanie Berger, eine gebürtige Wienerin, die in Frankreich lebt.