Nach jedem Amoklauf, wie jenem in Graz mit elf Toten, wird eine Verschärfung des Waffenrechts diskutiert. So forderte etwa die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) umgehend ein Waffenverbot im privaten Bereich. International ist das Waffenrecht recht unterschiedlich geregelt. Als Staaten mit einem sehr liberalen Waffenrecht gelten etwa die USA, Tschechien oder die Schweiz. Österreichs Bevölkerung gilt im Europavergleich als sehr stark bewaffnet.
In der Europäischen Union fällt die Waffengesetzgebung in nationale Zuständigkeit. Die EU-Kommission plane daher auch keine Initiative zur Verschärfung der Waffengesetze, da dies ausschließlich in die Verantwortung der Mitgliedstaaten falle, teilte ein Kommissionssprecher am Mittwoch in Brüssel mit. Im Folgenden ein Überblick über die Rechtslage in mehreren Ländern:
In Österreich kommen 30 Schusswaffen auf 100 Personen
In Österreich ist der legale Erwerb von Waffen im Europavergleich relativ einfach. So darf in Österreich jeder mindestens 18-jährige EU-Bürger mit Wohnsitz im Land, gegen den kein Waffenverbot verhängt wurde, bestimmte Gewehre nach mehrtägiger Wartefrist und Registrierung kaufen.
Einer Studie des Rechercheprojekts „Small Arms Survey“ von 2018 zufolge kommen auf 100 Personen in Österreich 30 Schusswaffen, schreibt die „Presse“. Höher seien die Zahlen europaweit einzig in Montenegro, Serbien, Zypern, Finnland, Island sowie Bosnien-Herzegowina. Dem Innenministerium zufolge sind mit Stichtag 1. Juni 2025 im Zentralen Waffenregister (ZWR) in Österreich 1.518.873 Millionen Schusswaffen im legalen Besitz von 374.141 Personen erfasst gewesen. Die Tendenz sei aber stark steigend, so die Tageszeitung. Die Zahl der illegalen Waffen in Österreich schätzen Experten auf mindestens eine Million, wenn nicht mehrere Millionen.
Das österreichische Waffenrecht unterscheidet Schusswaffen in drei Kategorien: Verbotene Waffen (Kategorie A), genehmigungspflichtige Schusswaffen (Kategorie B) und meldepflichtige Waffen (Kategorie C). Der Besitz von Kategorie-B-Waffen - etwa Pistolen oder halbautomatische Gewehre - ist nur mit einer Waffenbesitzkarte oder einem Waffenpass, der auch zum Mitführen der Waffe in der Öffentlichkeit berechtigt, erlaubt. Kategorie-C-Waffen - etwa Jagdgewehre - dürfen ab 18 Jahren erworben werden, müssen aber binnen sechs Wochen im Zentralen Waffenregister gemeldet werden. Je nach Waffenkategorie sind weitere Nachweise wie Zuverlässigkeit, Schulungen und ein Begründungsnachweis erforderlich.
Deutschland hat deutlich strengeres Waffenrecht
Im benachbarten Deutschland ist es weitaus schwerer, legal an eine Waffe zu gelangen als in Österreich, sagt der Geschäftsführer des Wiener Waffenhandels Euroguns, Markus Schwaiger, der dpa. So wird in Deutschland laut Schwaiger fast keine Waffenbesitzkarte mehr ausgestellt. Aufgrund von zwei Amokläufen, in Erfurt 2002 mit 17 Toten und in Winnenden 2009 mit 16 Toten, wurden die Waffengesetze verschärft. Seither muss man ein psychologisches Attest vorlegen, wenn man jünger als 25 ist und einen Waffenschein beantragt. Außerdem wurde die Altersgrenze für das Sportschießen auf 18 Jahre angehoben. Seit 2017 gibt es außerdem neue Standards bei Waffenschränken. Eine weitere Verschärfung erfolgte 2020, nach den Terroranschlägen in Paris.
Kriegswaffen, Explosivstoffe, vollautomatische Schusswaffen, Wurfsterne oder Schlagstöcke wie der Teleskopschlagstock, sowie als Alltagsgegenstand getarnte Waffen sind generell verboten. Nur mit einem Großen Waffenschein ist es gestattet, etwa Pistolen, Revolver und Flinten einsatzbereit in der Öffentlichkeit bei sich zu tragen. Der Große Waffenschein wird jedoch nur sehr selten an Privatpersonen ausgestellt.
Liberale Schweiz mit liberalen Regeln
Die Schweiz hat ein sehr liberales Waffenrecht, das auf einer Kombination aus Traditionsbewusstsein und nationaler Sicherheit beruht. Vor allem aufgrund des Schweizer Milizsystems, bei dem aktive und ehemalige Militärangehörige ihre dienstlichen Waffen zu Hause aufbewahren können, sind Schusswaffen weit verbreitet. Um eine Schusswaffe zu kaufen, muss man aber eine Erwerbsbewilligung einholen. Der Besitz von automatischen Schusswaffen ist streng reguliert. Aufgrund der strengen Bestimmungen zur Lagerung und Verwendung von Schusswaffen, aber auch wegen der viel niedrigeren Kriminalitätsrate gibt es in der Schweiz eine weitaus niedrigere Rate von Waffengewalt als etwa in den USA.
In der Slowakei wurde nach einem Amoklauf im Sommer 2010, bei dem ein Sportschütze sieben Menschen und sich selbst erschoss, das Waffenrecht verschärft. Seitdem wird für einen Waffenschein unter anderem ein psychologischer Test benötigt, um sich ein Bild des Persönlichkeitsprofils machen zu können. Vollautomatische Maschinengewehre sind verboten. Um einen Waffenschein zu bekommen, muss man mindestens 21 Jahre alt und vorstrafenfrei sein. Zudem braucht man eine Bestätigung, dass man körperlich und geistig dazu in der Lage ist, eine Waffe zu besitzen und angemessen zu bedienen. Zusätzlich muss eine mündliche Prüfung abgelegt werden. Die Unterteilung der Waffen erfolgt nach dem Besitzgrund und nicht nach dem Gefahrenpotenzial.
Tschechien ist traditionell einer der größten europäischen Hersteller und Exporteure von Kleinwaffen. Im Jahr 2021 verankerte die Regierung des damaligen Premiers Andrej Babis mit Unterstützung der konservativen ODS das Recht auf Waffengebrauch und -besitz in der Verfassung. Nach einem Amoklauf mit 14 Toten in Prag kurz vor Weihnachten 2023 wurden die Waffengesetze jedoch verschärft. Beschlagnahmungen von Waffen wurden vereinfacht. Waffenscheinbesitzer müssen sich nun alle fünf Jahre statt wie bisher alle zehn Jahre einer körperlichen Untersuchung beim Arzt unterziehen. Für die Einführung eines verpflichtenden Psychotests fand sich aber keine Parlamentsmehrheit. Dafür erhalten Psychiater nun Einblick ins zentrale Waffenregister, um feststellen zu können, ob ihre Patienten über Schusswaffen verfügen. Bis 2026 sollen alle Änderungen umgesetzt werden.
Serben horten die meisten Waffen
Bezogen auf die Bevölkerungszahl gibt es in Serbien die meisten Waffen in Privatbesitz in Europa, auch aufgrund des Bürgerkriegs im ehemaligen Jugoslawien. Seit dem Doppel-Amoklauf im Mai 2023 startete der serbische Staat eine Entwaffnungskampagne. Zehntausende Serben gaben in Folge ihre Waffen freiwillig ab. Gleichzeitig erfolgte eine Überprüfung der Genehmigung von Schusswaffen durch die Polizei. Laut der Regierung konnte so die Zahl der Schusswaffen um etwa ein Viertel reduziert werden.
Nachdem 1996 in Dunblane in Schottland 16 Menschen einem Amoklauf in einer Schule erlagen, wurde in Großbritannnien der Privatbesitz von Handfeuerwaffen und halb-automatischen Waffen verboten. Für Schrotflinten braucht es seither eine Registrierungspflicht.
In Frankreich ist der Erwerb und der Besitz von Waffen stark reglementiert. Je nach Waffentyp sind eine Reihe von Vorschriften zu erfüllen. Außerdem gibt es eine nationale Datenbank, wo Personen aufscheinen, denen der Erwerb und Besitz von Waffen verboten ist.
Nach dem verheerenden Terrorangriff in Utøya, Norwegen, 2011 mit 77 Toten wurden die sowieso strikten Waffengesetze noch einmal verschärft. Auch im Nachbarland Schweden wird zurzeit eine Verschärfung debattiert. Grund ist auch hier ein Amoklauf in Örebro im Februar dieses Jahres, als zehn Menschen getötet wurden. Die Waffenbesitzquote in Schweden ist relativ hoch.
Waffentragen als Bürgerrecht in den USA
Ein Paradebeispiel für ein Land mit einem liberalen Waffenrecht sind die USA. Das Recht, eine Waffe zu besitzen, wird dort durch den zweiten Verfassungszusatz garantiert (Second Amendment: „Da eine gut regulierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht verletzt werden“). Dieses Recht wird oft als Grund für das liberale Waffenrecht des Landes angesehen. In Amerika sind verschiedene Arten von Schusswaffen für den privaten Besitz erlaubt, einschließlich halb-automatischer Gewehre und Pistolen. Die Gesetze variieren jedoch von Bundesstaat zu Bundesstaat, wobei einige strengere Regelungen haben als andere. In einigen Bundesstaaten ist es sogar legal, Waffen ohne Lizenz oder Registrierung zu besitzen. Das Mindestalter für den Kauf von Waffen liegt bei 18 Jahren, für Handfeuerwaffen bei 21 Jahren.
Die hohe Rate an Schusswaffentodesfällen in den USA hat jedoch zu Forderungen nach strengeren Waffengesetzen geführt. Der Einfluss der Waffen-Lobby National Rifle Association („Nationale Gewehr-Vereinigung“) vor allem auf die Republikaner ist jedoch so groß, dass eine Verschärfung der Waffengesetze als politisch äußerst schwer durchzusetzen gilt. Im Juni beschloss der US-Kongress deshalb nur eine minimale Verschärfung des Waffenrechts. Die wiederholte Forderung des damaligen US-Präsidenten Joe Biden nach einem Verbot bestimmter halb-automatischen Schusswaffen verhallte ungehört. Sein Nachfolger Donald Trump kündigte indes bereits an, die minimalen Verschärfungen unter Biden überprüfen zu wollen. „Das Recht, Waffen zu besitzen und zu tragen, darf nicht angetastet werden, da es die Grundlage für die Wahrung aller anderen Rechte der Amerikaner ist“, hieß es in Trumps Anordnung.
In Kanada sind die Waffengesetze strenger als in den USA. Das Land hat auch eine viel niedrigere Rate an Schusswaffentodesfällen. Dies kann auf die länderspezifischen Anforderungen für Waffenbesitzer, wie Sicherheits- und Schießtrainingskurse, sowie auf die strengeren Kontrollen des illegalen Waffenhandels zurückgeführt werden.
Als ein Land mit besonders strikten Waffengesetzen gilt Japan. Hier trägt fast niemand eine Handfeuerwaffe außerhalb von Militär und Polizei. Laut dem „Small Arms Survey“ von 2018 kommen auf 100 Einwohner nur 0,3 Feuerwaffen (zum Vergleich: in Österreich sind es 30).