Fehler passieren. Auf allen Seiten. Manche geschehen aus voller Absicht, bei anderen wiederum handelt es sich um ein Versehen oder Missverständnis. Mit ein bisschen gutem Willen lassen sich vor allem Letztere leicht und unkompliziert aus der Welt schaffen. Nicht so jedoch in der Hitze der politischen Auseinandersetzung. Hier wird der Konkurrenz, dem Gegner, fast schon aus Prinzip das Schlechtestmögliche unterstellt. Und dank der Sozialen Medien verbreiten sich solche lächerlichen Kleinigkeiten wie ein Lauffeuer.

Am Dienstagmorgen zum Beispiel muss sich die FPÖ beim Hören des „Journals um Acht“ auf Ö1 verhört haben. In einem Bericht über die rasante Erwärmung Europas nannte ein Klimaexperte die „Reduktion von Aerosolen“ in der und „die Abnahme der Bewölkung“ als eine der Ursachen für die Zunahme der bodennahen Sonneneinstrahlung. Doch kurz darauf wetterte FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker in einer Aussendung gegen den „Systemfunk ORF“, der „die Bevölkerung wieder mit Klima-Angstpropaganda!“ beschalle. Und weiter: In der Sendung „wurde unter anderem berichtet, dass sich Europa schneller als andere Kontinente erwärme, was man auch in bekannter Manier von einem ‚Experten‘ untermauern ließ, der dies unter anderem auf die Zunahme der bodennahen Sonneneinstrahlung durch die angebliche Abnahme der Bevölkerung (sic) zurückführte.“ Das wäre auch tatsächlich absurd, wenn es so gewesen wäre.

Ein verhängnisvoller Verhörer

Bewölkung oder Bevölkerung – frühmorgens kann man sich schon einmal verhören. Allerdings könnte man auch die Passage noch einmal nachhören, um wirklich sicherzugehen. Das unterblieb. Den Ball dankbar aufnahm dann auf Bluesky der Grünen-Abgeordnete Lukas Hammer, der sich über Hafeneckers Lapsus lustig machte.

Vielleicht war das auch die Revanche für ein Foul, das kurz zuvor an der grünen Spitzenkandidatin für die Wien-Wahl, Judith Pühringer, begangen wurde und das auf Social Media viral ging. Im „ZiB2“-Interview sprach Pühringern von „100.000 Bäume in den nächsten fünf Jahren“ – und das ziemlich schnell. Für manche klang das, als ob die Grünen-Politikerin von „Bäuminnen“ gesprochen hätte und damit die Gender-Leidenschaft der Ökopartei ins Jenseitige überhöhte. Hatte sie aber nicht. Der Welle an Häme in den Sozialen Medien tat dies natürlich keinen Abbruch, und neben der politischen Konkurrenz widmeten auch etliche Medien dem Thema eine Geschichte.

Zum Handkuss war davor auch schon der Wiener ÖVP-Spitzenkandidat Karl Mahrer gekommen. Ihm wurde feixend unterstellt, er würde mit der U6 zum Keplerplatz in Favoriten fahren, die eigentlich wo ganz anders verkehrt. Tatsächlich konnte jeder hören, der wollte, dass Mahrer lediglich verschiedene Orte aufzählte. Der Gaudi im Netz tat das keinen Abbruch.

Immerhin, das ist der tröstliche Aspekt: Es gibt nicht nur die Vernaderer und Aufhetzer, sondern auch die vernünftigen Stimmen im Netz. Einige Nutzer versuchen hartnäckig, Fehler zu korrigieren und Aufklärung bei tatsächlichen Missverständnissen zu leisten. Mögen sie vielfach gehört und gelesen werden.