Sie war das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte. Neben dem militärischen Nutzen wurde sie immer wieder auch für diplomatische Zwecke genutzt, weswegen ihr auch eine große symbolische Bedeutung zukam. Die Rede ist von der "Moskwa", ein Raketenkreuzer der Atlant-Klasse, der als Zerstörer von Flugzeugträgern entworfen wurde. Warum sie es war und nicht (mehr) ist? Gestern Abend räumte das russische Verteidigungsministerium ein: Das prestigeträchtige Kriegsschiff ist gesunken.

In Vergessenheit wird sie so schnell aber nicht geraten, weder in Russland noch in der Ukraine. Denn: Nun ist sie sogar auf einer ukrainischen Briefmarke verewigt. Sie zeigt einen ukrainischen Soldaten, der der Moskwa den Mittelfinger zeigt. Das Design soll damit an einen Vorfall auf der "Schlangeninsel", 300 Kilometer westlich der Krim, erinnern.

"Russisches Kriegsschiff, fick dich!"

Zu Beginn des Konflikts hatte das Kriegsschiff die nahe der rumänischen Grenze gelegene ukrainische Insel attackiert. Der Funkverkehr mit den ukrainischen Grenzschützern auf der Insel ging viral: Auf die Aufforderung, sich zu ergeben, antworteten die Grenzwächter: "Russisches Kriegsschiff, fick dich!". Kurz darauf beschossen die Moskwa und das Schiff "Wassili Bykow" die Insel. Über das Schicksal bzw. den Verbleib der ukrainischen Soldaten gab es zunächst unterschiedliche Angaben, aktuellen Berichten zufolge sind die Männer wieder auf freiem Fuß.

1983 wurde das wichtige Kriegsschiff zu Sowjetzeiten unter dem Namen "Slawa" (Ruhm) in Betrieb genommen. Das 186 Meter lange Schiff, das im Mai 1995 in "Moskwa" (Moskau) umbenannt wurde, war mit 16 Seezielflugkörpern – die Marineversion der Langstreckenraketen – und Osa-Kurzstreckenraketen ausgerüstet, Raketenwerfer und Torpedos inklusive.

2008, in Georgien, kam Moskwa erstmals in einem bewaffneten Konflikt zum Einsatz. Nachdem sich Russland auf der Seite des Machthabers Bashar al-Assad in den Syrien-Krieg eingeschaltet hatte, wurde das Flaggschiff zwischen September 2015 und Jänner 2016 im östlichen Mittelmeer eingesetzt. Seit dem 24. Februar war der Raketenkreuzer auch an der russischen Offensive gegen die Ukraine beteiligt.

Fast auf den Tag genau, 110 Jahre nach dem Sinken der Titanic, spricht die Welt nun also wieder über den Untergang eines Schiffes. Dass die Briefmarke so rasch nach dem Herausbringen einen gewissen Nostalgiewert erfahren wird, hätten sich wohl die Wenigsten gedacht.