Der Vatikan will bei der traditionellen Prozession am Karfreitag ein Zeichen für den Frieden in der Ukraine setzen. Bei einem Teil des Kreuzweges am Kolosseum werden eine ukrainische und eine russische Krankenpflegerin das Kreuz tragen.

Die Russin Albina ist Studentin im dritten Jahr des Studiengangs Krankenpflege an der Universität Campus Bio-Medico in Rom, Irina stammt aus der Ukraine und ist Krankenschwester im Palliativzentrum "Gemeinsam für die Heilung" der Stiftung Universitätspoliklinik Opus Dei. Der Theologe Antonio Spadaro, Chefredakteur der Jesuiten-Zeitschrift "Civilta Cattolica", veröffentlichte in den sozialen Medien ein Video der beiden Frauen, das von Campus Bio-Medico gezeigt wurde.

"In diesem für die Menschheit sehr schwierigen und beschämenden Moment möchte ich sagen, dass ich Russin bin und die Ukraine liebe. Sie haben versucht, die beiden Länder gegeneinander auszuspielen. Ich bin Russin und ich bin gegen den Krieg", betonte die russische Studentin. Die beiden Frauen übernehmen für die vorletzte der insgesamt 14 Stationen das Kreuz, das letzte Stück des Weges soll dann eine Migranten-Familie gehen.

"Die Tatsache, dass alle Menschen auf der Welt ihre Verbundenheit mit dem ukrainischen Volk zeigen, ist wirklich bewegend", sagte Irina. "Danke, Albina und Irina, denn ihr erinnert uns, die wir das Kreuz Christi tragen, an die skandalöse Kraft des Evangeliums. Ihr seid eine Osterverkündigung in der Dunkelheit des Karfreitags", schrieb Pater Spadaro.

Nach zwei Jahren Coronapause soll der Kreuzweg am Karfreitag (21.15 Uhr) erstmals wieder als bewegende Feier öffentlich am Kolosseum zelebriert werden. Auch Papst Franziskus wird vor dem weltberühmten, antiken Bauwerk erwartet. Die katholische Kirche erinnert mit den 14 Stationen des Kreuzweges an die Leiden und den Tod Jesu. Der Papst fordert seit dem Angriff Russlands ein Ende der Kämpfe in der Ukraine. An Palmsonntag forderte er eine Waffenruhe für die Osterzeit.

Am Gründonnerstag zelebrierte Franziskus die Chrisammesse im Petersdom mit Priestern aus der Diözese Rom und der vatikanischen Kurie. Die Chrisammesse bildet den Auftakt zu den großen liturgischen Feiern rund um Ostern. Bei der Chrisammesse wurden die heiligen Öle geweiht, die bei der Spendung von Taufe, Firmung, Krankensalbung sowie bei Weihen verwendet werden. Zugleich erneuerten im Petersdom mehrere Tausend Priester die Versprechen, die sie bei ihrer Weihe gegeben hatten.