Stefan Lehne, Osteuropa-Experte des Carnegie Instituts, sagt im ORF, dass die angespannte Situation auch im Rahmen der heutigen EU-Gipfel deutlich sichtbar war. Das dominante Thema in Brüssel war demnach die Frage nach der Energieversorgung in Europa. US-Präsident Joe Biden beschwor die Einheit der Nato und der westlichen Partnerschaft, doch diese scheint zugleich zu bröckeln.
Während vor allem die ehemaligen Ostblock-Staaten besonders russlandkritisch sind und auf weitere Verschärfungen bei den Sanktionen drängen, tun sich Deutschland oder Österreich damit schwerer. Zu groß ist die Abhängigkeit von russischem Gas und Öl. Dazu kommt, dass Russlands Präsident Wladimir Putin die nunmehrige Bezahlung der gelieferten Energieträger in der russischen Währung Rubel verlangt. "Damit würde Europa die eigenen Sanktionen umgehen", beschreibt Lehne das Dilemma, das die Wogen am Donnerstag in Brüssel hochgehen ließ.
Biden reist nach Polen
Biden reist am Freitag angesichts des Kriegs in der Ukraine von Brüssel weiter nach Polen. Das genaue Programm für Freitag stand zunächst noch nicht fest. Die US-Regierung hatte aber zuvor angekündigt, Biden plane, in Polen stationierte US-Truppen zu besuchen. Details wurden allerdings nicht genannt. Am Samstag ist unter anderem ein Treffen mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda in Warschau geplant.
Biden war am Mittwochabend in Brüssel gelandet, wo sich am Donnerstag die Staats- und Regierungschefs der NATO, der EU sowie der führenden demokratischen Wirtschaftsmächte (G7) trafen. Es ist Bidens dritte Europareise seit dem Amtsantritt im Jänner 2021.