Sie waren von 2015 bis Ende 2019 Sonderbeauftragter der OSZE für die Ukraine, kennen das Land sehr gut: Erfüllt das Land die Voraussetzungen für eine EU-Mitgliedschaft?
Martin Sajdik: Ich war früher im österreichischen Außenministerium für die Beitrittsverhandlungen der Osterweiterung zuständig und habe mehrere Bücher zum Erweiterungsprozess geschrieben: Die Voraussetzungen für eine EU-Mitgliedschaft haben auf klaren Kriterien gefußt. In Ländern wie Ungarn und Polen war auch ein erklärter Reformwille vorhanden, und vor allem: Die Länder standen nicht unter militärischem Druck, sondern waren gerade befreit worden, wenn man so will, sind gerade in die Freiheit gekommen. Die Voraussetzungen für die Ukraine derzeit sind ganz andere.
Ukraine-Experte Sajdik im Interview
Wie kommt Putin da wieder heraus? "Er braucht eine Lösung, bei der auch er sein Gesicht wahren kann"
"Was stellt sich Putin vor? Ein russlandfreundliches Parlament in der Ukraine, in einem Staat, das einen Präsidenten hat, der mit 73 Prozent der Stimmen demokratisch gewählt wurde?", fragt der österreichische Diplomat und frühere Sonderbeauftragte der OSZE für die Ukraine, Martin Sajdik. Dennoch warnt er: "Er braucht eine Lösung, bei der er sein Gesicht wahren kann."
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