Grazer Historiker Stefan KarnerWie ich den Untergang der Sowjetunion erlebte

Der Fall des Eisernen Vorhangs riss vor 30 Jahren Moskaus kommunistisches Riesenreich in den Abgrund. Das sollte auch mein berufliches Leben ändern. Ein Bericht.

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Riga, Lettland, am 25. August 1991: Das kaum Denkbare wird Wirklichkeit: Lenins Statue wird gestürzt
Riga, Lettland, am 25. August 1991: Das kaum Denkbare wird Wirklichkeit: Lenins Statue wird gestürzt © imago/EST&OST
 

Russisch studiert und wollte die Chancen, die sich durch den Fall des Eisernen Vorhangs und die möglicherweise in der Perestroika auftaten, für die historische Forschung nutzen. Doch wie? Ich kannte „Russland“ ein wenig. 1974, acht Jahre nachdem der „Prager Frühling“ von Panzern aus Moskau und anderen kommunistischen Staaten brutal niedergewalzt worden war, war ich mit meiner Frau über den Sommer mit Zelt und Auto 8.000 Kilometer durch drei sowjetische Republiken, die Ukraine, Russland und Moldawien gereist. Überall waren wir auf wissbegierige Menschen gestoßen mit hunderten Fragen nach dem Leben im „Westen“, nach Löhnen und Preisen, Arbeitsmöglichkeiten und Autos.

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Danke für Ihr Verständnis.

KarlZoech
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Lesenswert?

Danke, dieser Bericht inspiriert mich, den Wegen meines Vaters (Jg. 1913) nachzugehen,

welcher als Soldat der deutschen Wehrmacht ebenfalls in russischer Kriegsgefangenschaft war. In meinen jüngeren Jahren, solange er noch lebte, habe ich es leider verabsäumt, ihm viele Fragen zu stellen; vielleicht unbewusst auch deshalb, weil er nicht gerne über die Kriegsjahre und seine Gefangenschaft sprach. Nur am Heiligen Abend erzählte er, zu meiner jugendlichen Verwunderung, bis er erzählte, dass er am Heiligen Abend 1948 aus der Gefangenschaft daheim ankam....

Mein Vater war weder Widerstandskämpfer, schon gar nicht Nazi, er war eher der Typ Schwejk, der einfach überleben wollte. Er hat niemals den Krieg verherrlicht, was ich ihm zeitlebens hoch anrechne!

Und einen Satz werde ich auch niemals vergessen; der Satz fiel öfters, wenn die Rede darauf kam, wie sich Teile der Sowjetarmee nach der Befreiung hier verhielten: Mein Vater beschönigt da nichts. Doch er merkte an:
"Wenn die hier dasselbe getan hätten, wie wir draußen (Anm.: in der Sowjetunion), dann wäre es hier zehnmal ärger zugegangen."

PS. Und jetzt überlege ich wieder, ob ich meine Idee, mit fast 70 Geschichte an der Uni zu studieren (autodidaktisch tu' ich das schon mein ganzes Leben) tatsächlich umsetzten will, soll.