Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

''War Anregung der EU''Von der Leyen auf dem Sofa: Türkei verteidigt Sitzordnung

Die Sitzordnung beim Treffen der EU-Spitzen mit Erdogan sorgte für Empörung. - Die EU-Kommission verärgert. Der türkische Außenminister kontert: Sitzordnung entsprechend der Anregungen der EU-Seite.

++ ARCHIVBILD ++ ++ HANDOUT ++ 'SOFAGATE':  EU-KOMMISSIONSPRAeSIDENTIN VON DER LEYEN UND EU-RATSPRAeSIDENT MICHEL BEI TUeRKISCHEM PRAeSIDENTEN ERDOGAN
Michel und Erdogan nehmen Platz, von der Leyen muss aufs Sofa © EUROPEAN COMMISSION/NECATI SAVA?
 

In der Diskussion um die Sitzordnung beim EU-Türkei-Treffen in Ankara hat sich die Türkei gegen Vorwürfe aus Brüssel verteidigt. Es habe "ungerechte Anschuldigungen gegenüber der Türkei gegeben", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Donnerstag. "Es wurde entsprechend der Anregungen der EU-Seite so eine Sitzordnung aufgestellt. Punkt." Das Treffen sei entsprechend internationaler Standards und "türkischer Gastfreundschaft" abgehalten worden.

Bei dem Treffen mit Erdogan im türkischen Präsidentenpalast war am Dienstag für Michel ein großer Stuhl neben dem türkischen Staatschef reserviert. Von der Leyen bekam hingegen einen Platz auf einem Sofa in einiger Entfernung zugewiesen. Dort saß sie dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu gegenüber, der ebenfalls an dem Gespräch teilnahm.

Die EU-Kommission hatte sich später darüber empört. Ein Sprecher sagte, dass Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aus ihrer Sicht auf Augenhöhe mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan und dem EU-Ratspräsidenten Charles Michel hätte platziert werden müssen. Auch von der Leyens Sprecher betonte, dass sich Vorfälle wie der im Präsidentenpalast in Ankara nicht wiederholen sollten. Michel erklärte die Sitzordnung mit einer engen Auslegung von protokollarischen Regeln durch die Türkei, betonte aber, dass er die Situation ebenfalls als bedauerlich empfunden habe. In Sozialen Netzwerken bekam der Vorfall schnell den Titel "SofaGate".

Der frühere EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker verwies darauf, dass auch er bei Auslandsreisen zuweilen als "Nummer zwei" hinter dem Ratspräsidenten behandelt worden sei. "Für jeden klar war, dass aus protokollarischer Sicht der Präsident des Rates die Nummer eins ist", sagte er dem Online-Magazin Politico. "Normalerweise hatte ich einen Stuhl neben dem Stuhl des Ratspräsidenten, aber manchmal passierte es, dass ich auf einem Sofa saß."

Verantwortung liegt beim Gastgeber

In der EU wurde die Verantwortung eindeutig Gastgeber Erdogan zugewiesen. "Die respektlose Behandlung der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat ein zutiefst befremdliches Bild vermittelt und kann-wenige Tage nach Aufkündigung der Istanbul Konvention- wohl nur als Provokation verstanden werden", zeigte sich etwa Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) "schockiert". Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) warnte vor "Naivität oder Blauäugigkeit" im Verhältnis zur Türkei. "Allzu oft hat Ankara Erwartungen an eine nachhaltige Verbesserung schon bitter enttäuscht. Was wir brauchen, ist ein realistischer und pragmatischer Umgang mit der Türkei, keine blinden Vorleistungen der EU", sagte der Außenminister laut Aussendung.

Bei dem Treffen mit Erdogan hatten die EU-Spitzen am Dienstag über einen möglichen Ausbau der Beziehungen der EU zur Türkei diskutiert. Dabei ging es neben der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und der Kooperation beim Thema Migration etwa auch um den Austritt der Türkei aus einem internationalen Abkommen zum Schutz von Frauen. Von der Leyen habe eine lange Diskussion mit Erdogan darüber geführt, hieß es von der Kommission.

Kommentare (8)
Kommentieren
fragles
1
7
Lesenswert?

Türkei

Warum lässt sich die EU ständig von Erdogan erniedrigen, er ist auf das Geld der EU angewiesen, die wirtschaftliche Situation in der Türkei ist schlecht! Durch seine Maßnahmen in den letzten Wochen, z.B. Aufhebung des Gesetzes zum Schutz der Frauen, Inhaftierung von Kritikern, Gewalt gegen Regimegegner etc. hätte die EU auf diesen Besuch verzichten müssen!

Hapi67
1
8
Lesenswert?

Eine Sitzordnung für Gäste

schaffen Sie sogar im Kindergarten, Schule oder Vereinsveranstaltungen.

Reine Provokation und Selbstdarstellung nach Innen und traurig, dass die EU Spitzen gute Miene dazu machen.

Zurecht wird dieser Kasperlverein aus Europa von den Weltmächten nachsichtig belächelt und nicht ernst genommen.

Vielen Dank

stefan7888
6
3
Lesenswert?

Keine Anderen Sorgen ?

Wenn halt nun mal der Rats Präsident höher einzustufen ist als der Kommissions Präsident , dann wird die Sitzordnung schon gepasst haben, und dann braucht er auf seinen Platz auch nicht zu verzichten !!
Den wäre jetzt ein Mann Kommisions Präsident , hätte es auch keinen interessiert, wo er gesessen wäre !!

bam313
18
4
Lesenswert?

Diese Sorgen

möchte ich einmal haben!
Ich habe 4 Jahre ( 1997 - 2000) in der Türkei gelebt und gearbeitet.
Außer meiner Firma (SGP) und den Japanern (Mitsubishi) hatten die einheimischen Firmen nicht einmal Sekretärinnen.
Selbst die Caycis (Teeköche) waren nur männlich.
Frauen durften nur auf die Kinder aufpassen und am Wochenmarkt Gemüse und Obst verkaufen.
Meine Lebensgefährtin war die ganze Zeit mit mir dort.
Aber alleine durfte sie anfangs nicht einmal einkaufen gehen.
Das besserte sich jedoch.
Und nach 4 Jahren kam dann mein persönliches Aha-Erlebnis.
Die Chefchemiker der der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft waren alle weiblich.
Als wir das fertige Kraftwerk abgenommen bekamen, machten wir eine Sause.
Das war vielleicht ein rauschendes Fest.
Und die 3 Chemikerinen waren mit von der Partie.
Ich hatte selten so einen Spaß und die 3 auch mit mir.
Sie waren sogar böse auf mich, weil ich meine Lebensgefährtin nicht mitgenommen hatte.
Ja wie?
Das riesige Lokal mitten in der Pampa war beinahe ein getarntes Puff.
Mit Bauchtänzerinnen und so.
Junge, Junge - dort ging die Lutzi ab.
Am Heimweg (wir fuhren mit einem Kleinbus) gestanden mir die Chemikerinnen, dass sie selbst noch nie in solch einem Schuppen waren.
Ich lud sie dann am nächsten Tag zu mir nach Hause ein.
Das war auch genial!
4 Flaschen Cognac hatten wir gemeinsam geleert ...

maxworks
2
41
Lesenswert?

der Herr sitzt n a c h der Dame

also hätte Michel den Sitzplatz ganz locker von der Leyen überlassen können. aber Klasse und Manieren kann man halt nicht kaufen ...

Mein Graz
0
45
Lesenswert?

"Michel erklärte die Sitzordnung mit einer engen Auslegung von protokollarischen Regeln durch die Türkei, betonte aber, dass er die Situation ebenfalls als bedauerlich empfunden habe."

Und warum ist er nicht aufgestanden und hat seinen Sitzplatz Von-der-Leyen angeboten?
Er hätte auch stehen bleiben und einen 3. Sessel fordern können.
Aber nein - er sitzt und bleibt sitzen!

Als Westeuropäer muss er erkannt haben, dass Erdogan durch diese Vorgangsweise den Westen brüskiert sondern auch die in der Türkei übliche Einstellung zur Frau deutlich zutage kommt.

alfjosef
2
23
Lesenswert?

Diplomatisch vorher abstimmen....! Zusätzlichen Sessel hinstellen, erst dann beginnen!

Also, da gibt es vielleicht eine Art "Sitzordnung" oder so....?
Vielleicht sollten die Herrschaften rund um den Türkischen Staatschef eine Art Höflichkeit mit- heranziehen. Immerhin ist dies die Frau van der Leyen mit der bedeutenden Funktion der EU ausgestattet. Auch der Herr Michel hätte den Sessel nehmen können und der Fr. van der Leyen zur Verfügung stellen können, bzw. so langen stehen bleiben können, bis ein gleichartiges Gestell neben den Herrn Gastgeber hingestellt wird......., oder ? Na, da gibt es auch noch die Abstimmung vor einem Staatsbesuch, wofür gibt es die Heerscharen von DiplomatInnen.
Es ist und bleibt eine schwierige Situation zwischen der EU und dem Bosporus-Staat . Das wird wohl noch lange so bleiben.

heku49
1
40
Lesenswert?

Richtig!

Herr Michel hätte höflich sein müssen und Frau van der Leyen den Stuhl anbieten sollen. Und auf einen Stuhl für ihn warten müssen!