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Landesweite ProtesteBlutige Zusammenstöße nach Wahl in Weißrussland

In Minsk gingen die Polizisten mit Wasserwerfern, Gummigeschossen und Blendgranaten gegen die Bürger vor.

© APA (AFP)
 

Nach der Präsidentenwahl in Weißrussland (Belarus) ist es in der Nacht zu blutigen Zusammenstößen von Polizei und Demonstranten gekommen. In Minsk gingen die Polizisten mit Wasserwerfern, Gummigeschossen und Blendgranaten gegen die Bürger vor. Es gab viele Verletzte. In einzelnen Regionen kam es hingegen zu ersten Siegesfeiern für die Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja.

Die Menschen riefen die Uniformierten auf, sich dem Wählerwillen zu beugen und dem Volk anzuschließen. Die Polizei habe kaum Widerstand gegen die Menschenmengen leisten können, berichteten oppositionsnahe Internetportale. In der Großstadt Baranowitsch im Westen des Landes etwa flohen Beamte zunächst vor den Demonstranten. Teils waren in den Städten - etwa in Witebsk und in Kobrin - kaum Sicherheitskräfte unterwegs, weil sie in der Hauptstadt im Einsatz waren.

In der Früh beruhigte sich die Lage vorerst. Die Menschen seien nach Hause zurückgekehrt, auch in der Hauptstadt Minsk sei es ruhig, meldeten staatliche Medien. In sozialen Netzwerken kündigten Aktivisten aber neue Proteste an, um gegen Wahlfälschung und den angeblichen Sieg von Staatschef Alexander Lukaschenko zu demonstrieren.

Von Lukaschenko gibt es noch keine Reaktion, auch offizielle Wahlergebnisse liegen weiterhin nicht vor. Einzelne örtliche Wahlkommissionen hatten jedoch Ergebnisse verkündet, nach denen Lukaschenko eine schwere Niederlage erlitten habe. Hingegen soll Tichanowskaja demnach teils auf zwischen 80 bis 90 Prozent der Stimmen gekommen sein. Die Internetseite der Wahlleitung war nicht mehr abrufbar - wie die meisten Webportale im Land. Es funktionierte aber noch der Nachrichtenkanal Telegram.

Ziel Tichanowskajas war es im Wahlkampf, die Abstimmung zu gewinnen, als Präsidentin alle politischen Gefangenen freizulassen und dann freie Neuwahlen anzusetzen. Sie kandidiert an Stelle ihres Ehemanns Sergej Tichanowski. Der regierungskritische Blogger sitzt wie der frühere Banken-Chef Viktor Babariko in Haft - wegen Anschuldigungen, die als politisch inszeniert gelten.

Tichanowskaja wollte daher von einer Niederlage nichts wissen: "Es kann keine Anerkennung eines solchen Wahlergebnisses geben", sagte ihre Sprecherin Anna Krasulina. Es sei damit zu rechnen gewesen, dass die staatlichen Prognosen Lukaschenko rund 80 Prozent der Stimmen zuschreiben würden. "Das ist fern jeder Realität."

Aufruf zum Gewaltverzicht

Die Oppositionskandidatin rief die Sicherheitskräfte zugleich zum Gewaltverzicht auf. "Ich möchte Polizei und Militär daran zu erinnern, dass sie Teil des Volkes sind", sagte sie nach Angaben ihres Wahlkampfstabs. An ihre Anhänger appellierte sie, Provokationen zu unterlassen. "Ich weiß, dass die Menschen in Belarus morgen in einem neuen Land aufwachen werden", meinte Tichanowskaja.

Nach Angaben von Beobachtern sollen sich in der Hauptstadt bis zu 100.000 Menschen an den Demonstrationen beteiligt haben. Auf Videos war etwa zu sehen, wie Demonstranten aus Müllcontainern Barrikaden errichteten. Menschenmassen zogen durch die Straßen - auch in anderen Städten des Landes. In sozialen Netzwerken wurden immer wieder Videos veröffentlicht, wie Polizisten brutal auf Menschen einprügelten. Auch Demonstranten attackierten Polizisten, um Festnahmen zu verhindern. Es gab viele Bilder von blutüberströmten Menschen.

Im Innenministerium trat ein Krisenstab zusammen. Die Lage sei unter Kontrolle, teilten die Behörden staatlichen Medien zufolge mit.

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