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Japan Naruhito besteigt den Thron: In Japan gilt die Ära "Reiwa"

Zeitalter unter neuem Kaiser steht für "Ordnung" und "Harmonie". Amtsantritt erfolgte vor einem halben Jahr. Feierliche Inthronisierung am Dienstag.

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Naruhito © APA/AFP/KAZUHIRO NOGI
 

In Japan wird der neue Tenno, Naruhito, am Dienstag in einer feierlichen Zeremonie (Sokuirei Seiden-no-gi) den Kaiserthron besteigen. Unter den Festgästen im Kaiserpalast wird sich auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen befinden. An sich hatte die neue Ära aber schon am 1. Mai mit dem Amtsantritt Naruhitos begonnen: Sie heißt "Reiwa". Das bedeutet so viel wie "Ordnung" und "Harmonie".

Für eine neue Ära einen Namen auszuwählen, ist in Japan eine jahrhundertealte Tradition. Sie hat aber auch in der Gegenwart weitreichende Folgen für den Alltag der Japaner, wie die Nachrichtenagentur AFP anlässlich der Abdankung von Kaiser Akihito berichtete. Der 85-Jährige hatte den Thron Ende April nach drei Jahrzehnten noch zu Lebzeiten frei gemacht - als erster Tenno seit mehr als zwei Jahrhunderten. Am 1. Mai bestieg dann sein Sohn Naruhito den Chrysanthementhron, womit die neue Zeitrechnung in Japan begann.

Japan ist das einzige Land der Welt, in dem noch ein kaiserlicher Kalender verwendet wird. Während anderswo das Jahr 2019 geschrieben wird, galt in Japan bis Dienstag noch Heisei 30 - das 30. Jahr der Ära von Kaiser Akihito.

Für Ära-Namen gibt es in Japan strenge Vorschriften. Sie müssen einfach zu lesen und zu schreiben sein, dürfen keine Markennamen oder beliebten Eigennamen enthalten und auch nicht das Anfangszeichen der vier vorangegangenen Epochen.

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Naruhito als Baby Foto © APA/AFP/Imperial Household Agenc

Außerdem setzt sich der Name einer Ära traditionell aus nur zwei Schriftzeichen zusammen. Der Begriff "Heisei" lässt sich mit "Frieden schaffen" übersetzen. Im Begriff "Reiwa" schwingen Bedeutungen wie "Ordnung" und "glückbringend" sowie "Harmonie" mit.

Regierungschef Shinzo Abe sagte bei der Vorstellung des neuen Namens Anfang April, "Reiwa" gehe auf das "Manyoshu" zurück, eine rund 1.200 Jahre alte Sammlung japanischer Gedichte.

Ausgewählt wurde der Name unter strenger Geheimhaltung. Ein Gremium aus neun Mitgliedern, darunter ein Nobelpreisträger, wurde für seine Beratungen in einem der Amtszimmer des Premierministers eingeschlossen. Keiner von ihnen durfte ein Telefon mit hinein nehmen, außerdem wurde sichergestellt, dass der Raum nicht verwanzt ist.

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Naruhito und seine Frau Masako in traditioneller Kleidung auf einem Archivfoto aus dem Jahre 1993 Foto © APA/AFP/Imperial Household Agenc

Der Beginn einer neuen Ära ist in Japan stets ein wichtiger Tag. Es gibt Feiern an öffentlichen Orten, Kalligraphie-Vorführungen und Sonderausgaben von Tageszeitungen. Zur Feier der Bekanntgabe des neuen Namens hatte ein Hotel einen Riesen-Burger aus dem besonders edlen Wagyu-Rindfleisch auf die Speisekarte gesetzt: drei Kilogramm schwer, mit Gold bestäubte Brothälften - für rund 800 Euro.

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Das Paar bei der Hochzeit Foto © APA/AFP/JIJI PRESS/STR

Auch wenn die Tradition der Ära-Namenswahl schon lange besteht - ihre Auswirkungen auf den Alltag in Japan sind auch heute nicht zu unterschätzen. Im Technologiesektor gab es im Vorfeld ähnliche Sorgen wie vor der Jahrtausendwende im Jahr 2000, ob die Umstellung von einer Ära auf die nächste ohne technische Probleme funktioniert.

Die Finanzmärkte erhoffen sich einen Aufschwung dank der Nachfrage, die durch die neue Ära entstand: So berichteten etwa Unternehmen, die Siegel für offizielle Dokumente herstellen, von umfangreichen Vorbestellungen. Auch Aktien, die mit der neuen Ära zu tun haben, erfuhren bereits eine große Nachfrage. Seit Einführung der kaiserlichen Zeitrechnung im 7. Jahrhundert gab es fast 250 "gengo", wie Ären auf Japanisch heißen. Früher riefen Kaiser auch mitten in ihrer Regentschaft eine neue Ära aus, zum Beispiel, um nach Naturkatastrophen einen Neustart zu markieren. In jüngerer Zeit umfasste eine Ära jedoch immer die gesamte Herrschaft eines Kaisers.

Van der Bellen bricht am heutigen Freitag nach Japan zur feierlichen Thronbesteigung Naruhitos aus. Zu dem festlichen Event haben sich rund 200 Staatsoberhäupter und Regierungschefs "aus aller Welt" angesagt. So wird Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ebenso dabei sein wie die Staatsoberhäupter aus Rumänien, Klaus Johannis (Iohannis), der Slowakei, Zuzana Caputova, und Ungarn, Janos Ader. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lässt sich durch seinen Vorvorgänger Nicolas Sarkozy vertreten.

US-Präsident Donald Trump wird nicht nach Japan reisen. In Diplomatenkreisen wird gemunkelt, dass dies auch an den aufwändigen und komplizierten Sicherheitsvorkehrungen liegen könnte, zumal Japan zur Zeremonie selbst keine Securitykräfte aus dem Ausland zulässt. Russland schickt Ministerpräsident Dmitri Medwedew nach Tokio, aus Israel wird laut Medienberichten der gerade mit der Regierungsbildung beschäftigte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erwartet.

Für High-Society-Glamour ist aber gesorgt. Mehrere gekrönte Häupter haben ihr Kommen angesagt. Darunter befinden sich das belgische Königspaar Philippe und Mathilde oder Carl Gustaf und Silvia aus Schweden sowie Felipe und Letizia aus Spanien. Aus Großbritannien kommt Medienberichten zufolge Prinz Charles, der im Jahr 1990 gemeinsam mit Prinzessin Diana - sie starb 1997 bei einem Autounfall - schon bei der Inthronisierung von Naruhitos Vater Akihito anwesend gewesen war. Auch das Fürstentum Luxemburg ist mit Großherzog Henri und Ehefrau Maria Teresa hochadelig vertreten.

"Für Japan und das Kaiserhaus gilt die Teilnahme als wichtiges Zeichen der Freundschaft, das Österreich und der Bundespräsident natürlich gerne setzt", betonte die Präsidentschaftskanzlei in Wien im Vorfeld des Asien-Trips, "weiters nutzt Alexander Van der Bellen seinen Aufenthalt in Tokio, um die guten Beziehungen zu Japan weiter zu vertiefen, sei es auf wirtschaftlicher, wissenschaftlicher oder kultureller Ebene."

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