Panne mit RegierungsflugzeugMerkel: "Es war eine ernsthafte Störung"

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bestätigt, dass es sich bei dem technischen Defekt an ihrem Regierungsflugzeug um ein größeres Problem gehandelt hat.

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GERMANY-POLITICS-PLANE-MERKEL
© APA/AFP/dpa/JOERG BLANK
 

Wegen eines technischen Schadens an ihrem Regierungsflugzeug verzögert sich die Anreise der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zum G-20-Gipfel in Argentinien auf unbestimmte Zeit. Das Regierungsflugzeug "Konrad Adenauer" mit Merkel und Vizekanzler Olaf Scholz an Bord musste am Donnerstag auf dem Flughafen Köln-Bonn landen.

Merkel plant ihre Weiterreise für Freitagfrüh. Die Kanzlerin, Finanzminister Scholz und ein sehr kleiner Teil der Delegation würden dann in die spanische Hauptstadt Madrid reisen, um von dort per Linienflug nach Buenos Aires zu gelangen, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Die Nacht wollte die Kanzlerin in einem Bonner Hotel verbringen.

Nach den Ereignissen könne sie sagen: "Es war eine ernsthafte Störung", sagte Merkel am frühen Freitagmorgen in Bonn, wo sie nach dem Abbruch der Reise zum G-20-Gipfel nach Buenos Aires die Nacht verbrachte.

Ausgesprochen lobend äußerte sie sich über den Flugkapitän und die Mannschaft an Bord ihres Flugzeugs: Sie habe "eine sehr, sehr exzellente Crew gehabt". Das Kommando habe "der erfahrenste Kapitän der Flugbereitschaft" gehabt.

Als sie von einem Mitglied der Mannschaft aus einem Briefing geholt worden sei, habe sie zunächst daran gedacht, dass in Deutschland etwas vorgefallen sein könnte. Auf die Frage, ob es nach mehreren Vorfällen mit Regierungsflugzeugen in jüngster Zeit notwendig sei, die Sicherheit der Flugzeuge infrage zu stellen, sagte Merkel: "Ein einzelner Vorfall sollte uns nicht dazu bringen, das System zu verändern."

Terminplan durcheinander

Der Defekt wird Merkels Terminplan auf dem G-20-Treffen durcheinanderbringen. Laut Seibert wird geprüft, ob geplante Treffen verlegt werden können.

Aus Sicherheitsgründen hatte sich der Flugzeugkommandant etwa eine Stunde nach dem Abflug in Berlin entschieden, die 15-stündige Reise in die argentinische Hauptstadt wegen des Ausfalls "einiger elektronischer Systeme" nicht mit dem ursprünglichen Flugzeug fortzusetzen.

"Gefährlicher Notfall"

An Bord des Regierungsflugzeugs fiel laut "Spiegel" das komplette Kommunikationssystem mit dem Boden aus. Ein solcher Komplettausfall der Kommunikationsanlage, die durch mehrere Ersatzsysteme abgesichert sei, gilt dem Nachrichtenmagazin zufolge in der Luftfahrt als gefährlicher Notfall. Deswegen hätten sich die Piloten sofort entschlossen, den Flug abzubrechen. Das Flugzeug landete sicher in Köln. Auf dem Flughafen waren Feuerwehrwagen aufgefahren, weil die Maschine noch erhebliche Mengen an Kerosin für den langen Flug nach Argentinien an Bord hatte.

Regierungskreise hatten am Donnerstag angekündigt, dass zahlreiche bilaterale Treffen etwa mit den Präsidenten der USA, China, Russlands und Indiens geplant seien. Merkels Teilnahme am ersten Gipfel-Tag sowie etliche bilaterale Treffen dürften nun durch das verspätete Eintreffen gefährdet seien. Auf der Agenda stehen Themen wie Handelskonflikte zwischen den USA und der EU, der USA und China sowie die Eskalation der Lage in der Ostukraine.

Spannungen in der Ukraine

Merkel will unter anderem mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Spannungen im Ukraine-Konflikt beraten. Der Konflikt war am Sonntag in der Meerenge von Kertsch eskaliert, als Russland mit einem Frachtschiff drei ukrainischen Marinebooten die Einfahrt ins Asowsche Meer verwehrte. Russische Grenzschutzboote beschossen die ukrainischen Schiffe und verletzten mehrere Matrosen. Dann beschlagnahmten sie die Boote. US-Präsident Donald Trump hatte Merkel als Vermittlerin ins Gespräch gebracht. "Lasst uns Angela einbeziehen", sagte er in einem Interview der "New York Post". Ein Treffen mit Putin am Rande des G-20-Gipfels hatte Trump wegen der Krise abgesagt.

Es ist nicht der erste derartige Vorfall mit einem deutschen Regierungsflieger in jüngerer Zeit: Scholz wurde nun binnen sechs Wochen zum zweiten Mal Opfer eines Defekts mit dem Langstreckenairbus, von denen die Flugbereitschaft nur zwei hat. Jüngst war es auch bei der Afrika-Reise von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Verzögerungen wegen eines technischen Defekts an seiner Maschine gekommen.

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