Hubschrauber heben in der Dunkelheit vom Deck eines US-Kriegsschiffes vor der iranischen Küste ab. Kurz darauf schweben sie über dem Containerfrachter „Touska“. Marineinfanteristen seilen sich auf den Frachter ab und bringen ihn in ihre Gewalt. Per Video hielt das US-Militär in der Nacht zum Montag fest, wie amerikanische Soldaten zum ersten Mal ein iranisches Schiff enterten.

Die USA planten am Montag ein neues Treffen mit iranischen Unterhändlern in Pakistan, doch die Konfrontation im Meer vor der Straße von Hormuz stellte die Verhandlungen in Frage. Der Iran zögerte mit einer Zusage für das Treffen und beschoss nach eigenen Angaben amerikanische Kriegsschiffe mit Drohnen.

US-Präsident Donald Trump hatte befohlen, iranische Schiffe aufzubringen, um die Seeblockade iranischer Häfen durchzusetzen. Washington stolpert damit in eine so genannte „Eskalationsfalle“: Die USA engagieren sich immer stärker in einem Konflikt, den sie eigentlich beenden wollen.

Vor dem Angriff auf die „Touska“ erklärte Trump, sein Stellvertreter JD Vance und andere US-Unterhändler würden am Montagabend zu der geplanten zweiten Verhandlungsrunde mit dem Iran in Pakistan eintreffen. Das Treffen sei die letzte Chance, eine Fortsetzung des Krieges zu verhindern, drohte Trump. Die derzeit geltende Waffenruhe läuft an diesem Mittwoch aus.

Experten bezweifeln, dass sich das iranische Regime davon beeindrucken lässt. Der US-Präsident drohte seit Kriegsbeginn mehrmals mit der Vernichtung des Iran, schwenkte dann aber auf Verhandlungen um. Trumps Forderung, der Iran solle sich allen US-Bedingungen fügen, werde die iranische Revolutionsgarde in ihrer Entschlossenheit bestärken, Widerstand gegen die USA zu leisten, schrieb der Politologe Robert Pape von der Universität Chicago auf X.

Ablenkungsmanöver

Die iranische Regierung erklärte am Montag, sie habe noch nicht entschieden, ob eine Verhandlungsdelegation nach Islamabad geschickt werde oder nicht. Gastgeber Pakistan bereitete trotzdem das Luxushotel Serena für die Verhandlungen vor. Dort hatte am 11. April bereits das erste amerikanisch-iranische Treffen stattgefunden. Grundsätzlich hat der Iran ein Interesse an einer Einigung. Ein Friedensabkommen könnte der Islamischen Republik eine Nichtangriffs-Garantie der USA, die Freigabe eingefrorener Milliardenguthaben und die nötige Ruhe für den Wiederaufbau der kriegszerstörten Infrastruktur bringen. Die Führung in Teheran befürchte aber, dass die Verhandlungen ein Ablenkungsmanöver vor neuen Angriffen sein könnten, meint Vali Nasr, Iran-Experte und früherer Berater des US-Außenministeriums.