Als sich spätabends die Nachricht verbreitete, dass Revolutionsführer Ali Khamenei nicht mehr ist, drängten in vielen iranischen Städten die Menschen nach draußen. Männer und Frauen tanzten in den Straßen, begleitet von lauter Musik und Hupkonzerten. In den nächtlichen Himmel stiegen Feuerwerksraketen, von den Balkonen und Fenstern schallten die Rufe „Freiheit, Freiheit“.
Mit dem Tod jenes Mannes, der wie kein anderer für den iranischen Unterdrückungsapparat stand, gibt es bei vielen Menschen auf einmal Hoffnung auf einen neuen und anderen Iran. Zwei Monate nachdem Khamenei zehntausende Demonstranten zusammenschießen hat lassen, kämpft das Mullah-Regime nun selbst um sein Überleben. US-Präsident Donald Trump hat den Regimewechsel in Teheran kaum verklausuliert als eines der Ziele des gemeinsam mit Israel geführten Angriffs ausgegeben. Er ruft die Iraner auf sich zu erheben und „die Regierung zu übernehmen, wenn wir fertig sind“.
Trumps Strategie baut auf einer Hoffnung auf, die sich womöglich nicht erfüllen wird. Im Iran gibt es keine starke Opposition und keine regierungskritischen Führungsfiguren, anders als in Syrien oder Libyen gibt es auch keine bewaffneten Rebellengruppen, die mit ihren Kämpfern in die Hauptstadt ziehen und das Regime stürzen.
Als einzig realistische Option bleibt damit ein neuerlicher großflächiger Volksaufstand, die Erfolgsausichten sind allerdings derzeit nicht viel besser als in der Vergangenheit. Die Proteste der letzten Jahre waren dezentral organisiert, es gab weder Anführer noch einen konkreten Plan für eine Machtübernahme. Vor allem aber hatten die Demonstranten der Brutalität des Regimes nichts entgegenzusetzen. Die Iraner gingen mit dem Mut der Verzweiflung und Feuerwerkskörpern auf die Straßen, der Sicherheitsapparat mit Maschinengewehren und Sturmtruppen. Nach wenigen Tagen waren die Leichenhäuser überfüllt und der Aufstand beendet.
Ob es die Iraner angesichts dieser Erfahrungen wagen, erneut auf die Straßen zu gehen, ist daher fraglich. Denn schon jetzt zeichnet sich ab, dass auch ein deutlich geschwächter Sicherheitsapparat mit massiver Gewalt gegen neue Proteste vorgehen würde. Aus Sicht des Regimes ist die innere Bedrohung genauso groß wie die äußere, vor allem für die mächtigen Revolutionsgarden, die nicht nur über großen politischen Einfluss verfügen, sondern auch die Wirtschaft des Landes kontrollieren, geht es nun um alles.
Was die Zukunft für die Menschen im Iran bereithält, ist damit mehr als ungewiss. Eine mit Washington kooperierende Militärdiktatur scheint ebenso möglich wie langwierige interne Machtkämpfe oder eine Konsolidierung des Mullah-Regimes, wenn Donald Trump sich genötigt sieht, seinen Feldzug frühzeitig zu beenden. Der Iran wird nach diesem Krieg mit Sicherheit ein anderer sein, freier und demokratischer wird er aber womöglich nicht sein.