Pulverfass, Eskalationsspirale, Flächenbrand. In ihren Analysen zum Angriff der USA und Israels auf den Iran sind sich die Experten weitgehend einig: Die Lage ist gefährlich, der Ausgang völlig offen.

Was vor fast genau zwei Monaten die Welt in Atem gehalten hat, erscheint nun wie ein Nebenschauplatz. Am 3. Jänner wurden der damalige Präsident Venezuelas, Nicolás Maduro, und seine Ehefrau Cilia Flores von US-Spezialkräften in Caracas festgenommen, in die USA ausgeflogen und in New York wegen Drogenhandels angeklagt. „Völkerrechtswidrig“, empörte man sich darüber künstlich rund um den Globus. Maduro war weder ein Hüter der Demokratie noch der Menschenrechte, sondern schlicht und einfach ein Bandit.

Man hat sich arrangiert

Mit der „Verhaftung“ sowie der anschließenden öffentlichen Vorführung des gestürzten Diktators in Handschellen, Tennissocken und Badeschlapfen scheint US-Präsident Donald Trump seine Ziele in Venezuela erreicht zu haben. Die zunächst schimpfende „Nachfolgerin“ Maduros, Delcy Rodríguez, und der von der regierenden Räuberbande so genannte „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ haben sich mit den Amerikanern offensichtlich arrangiert. „Das alte Regime hat freie Hand, solange Öl in die USA fließt und die Straßen ruhig bleiben“, schrieb in der Vorwoche Korrespondent Andreas Fink in der Tageszeitung „Die Presse“. Ein paar Oppositionelle wurden freigelassen, aber nicht alle. Man braucht noch Verhandlungsspielraum.

Im Krieg mit dem Iran ist für ein Modell dieser Art zu viel religiöser Fanatismus im Spiel. Die USA und Israel wissen das. Das macht den Konflikt so unberechenbar und explosiv.

Für einen Brief ans Christkind ist es zu früh, aber man kann ihn ja schon einmal formulieren, weil zu befürchten ist, dass er in einigen Monaten noch immer aktuell sein wird: In Venezuela wie im Iran haben die Menschen Freiheit verdient.