Die USA haben Venezuela am Samstag in den frühen Morgenstunden angegriffen und nach eigenen Angaben Präsident Nicolas Maduro gefangen genommen und außer Landes gebracht. Neben Maduro sei auch dessen Ehefrau ausgeflogen worden, teilte US-Präsident Donald Trump am Samstag mit. Der Angriff gegen Venezuela und seinen Anführer sei breit angelegt gewesen und erfolgreich verlaufen. Laut der venezolanischen Regierung wurden bei dem US-Angriff Soldaten und Zivilisten getötet. Venezuela kündigte einen „massiven“ Einsatz all seiner militärischen Mittel an.

Reisewarnung für Venezuela

Das Außenministerium hat angesichts der US-Angriffe auf Venezuela einen Krisenstab mit Fokus auf die Sicherheit österreichischer Staatsangehöriger eingerichtet. Wie das Außenministerium in Wien am Samstag auf X mitteilte, gilt für ganz Venezuela mittlerweile eine Reisewarnung.  Österreicher und Österreicherinnen in Venezuela wurden aufgefordert, sich auf http://reiseregistrierung.at zu registrieren.

Laut Außenministerium leben in Venezuela 750 Auslandsösterreicher, außerdem halte sich „eine Handvoll“ reiseregistrierter Österreicher in dem Land auf. Diese wurden vom Außenministerium kontaktiert.

Reaktionen aus aller Welt

Der Angriff der USA auf Venezuela und die Gefangennahme von Staatschef Nicolás Maduro sind ohne Beispiel.

US-Präsident Donald Trump schrieb auf Truth Social: „Die Vereinigten Staaten von Amerika haben erfolgreich einen großangelegten Angriff gegen Venezuela und dessen Staatschef, Präsident Nicolás Maduro, durchgeführt, der zusammen mit seiner Frau gefangen genommen und außer Landes geflogen wurde.“

„Der Tyrann ist gestürzt“

„Der Tyrann ist gestürzt“, verkündete unterdessen US-Vize-Außenminister Christopher Landau auf X.

Der demokratische Senator von Arizona, Ruben Gallego, kritisierte den Angriff hingegen scharf auf X: „Dieser Krieg ist illegal. Es ist beschämend, dass wir uns vom Weltpolizisten zum Weltmobber entwickelt haben.“

Caracas ruft zum „Widerstand“ auf

In Venezuela selbst herrscht nach den Bombardements auf strategische Ziele wie die Militärbasis Fuerte Tiuna und dem vermeintlichen Ausflug des Präsidenten Maduros der Ausnahmezustand. Verteidigungsminister Vladimir Padrino López wandte sich in einer offiziellen Ansprache an das Volk und die Streitkräfte (FANB), um auf den „Ruf der Ehre, der Pflicht und der Geschichte“ zu antworten.

López bezeichnete die Invasion als „weit entfernt von einem Kampf gegen den Narcoterrorismus“ und sprach von der rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, den US-Angriff als völkerrechtswidrig zu verurteilen. Die venezolanische Regierung erklärte, sie werde sich „nicht vor dem imperialistischen Druck beugen“. Vor der internationalen Gemeinschaft betonte Vladimir Padrino Lopez die Entschlossenheit der Nationalen Streitkräfte, ihre gesamten Kapazitäten im gesamten Staatsgebiet einzusetzen.

„Sie haben uns angegriffen, aber sie werden uns nicht brechen“, erklärte Venezuelas Verteidigungsminister Vladimir Padrino in einer Videobotschaft.

Brasiliens Präsident Lula verurteilt US-Angriff scharf

Der Nachbarstaat Brasilien, blickt mit extremer Skepsis auf das Vorgehen der USA Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva verurteilt den US-Angriff auf Venezuela und die Gefangennahme von Präsident Nicolas Maduro scharf. Die Handlungen seien ⁠ein schwerwiegender Affront gegen die Souveränität Venezuelas und ein extrem gefährlicher Präzedenzfall für die internationale Gemeinschaft, schrieb Lula am Samstag auf der Online-Plattform X.

Ein solcher Bruch des Völkerrechts sei der erste Schritt in eine Welt der Gewalt und des Chaos, in der das Recht des Stärkeren herrsche. Die Aktion erinnere an die schlimmsten Momente der Einmischung in die Politik Lateinamerikas und der Karibik. Die internationale Gemeinschaft müsse über die Vereinten Nationen energisch reagieren.

Unterschiedliche Reaktionen in Lateinamerika

Als direktes Nachbarland reagierte Kolumbien unter Präsident Gustavo Petro als erstes Land in der Region mit äußerster Besorgnis. Petro verurteilte die Aktion Washingtons als „Aggression gegen die Souveränität“ Lateinamerikas und warnte vor einer drohenden humanitären Krise. Noch in der Nacht äußerte er sich auf der Plattform X:

„Das Land nimmt eine Position ein, die auf die Wahrung des regionalen Friedens ausgerichtet ist, und macht einen dringenden Aufruf zur Deeskalation, indem es alle beteiligten Parteien auffordert, Handlungen zu unterlassen, die die Konfrontation vertiefen, und den Dialog sowie diplomatische Kanäle zu bevorzugen.“ Präventiv ordnete Petro die Verlegung von Militäreinheiten an die 2.219 Kilometer lange Grenze an, um die Stabilität zu wahren und auf mögliche Migrationsbewegungen zu reagieren.

Argentinien feiert Nachricht über Festnahme Maduros

Im scharfen Kontrast zur kolumbianischen Zurückhaltung feierte der argentinische Präsident Javier Milei die Nachricht über die Festnahme Maduros. Milei, der Maduro wiederholt als „narkoterroristischen Diktator“ bezeichnet hatte, setzte auf X ein deutliches Zeichen der Unterstützung für den US-Kurs: „LA LIBERTAD AVANZA. VIVA LA LIBERTAD CARAJO.“ Auf Deutsch heißt das so viel wie: „Die Freiheit schreitet voran, lang lebe die Freiheit, verdammt.“

Damit unterstreicht Argentinien seine Rolle als engster Verbündeter der neuen US-Administration in der Region und bricht offen mit dem Konsens der territorialen Integrität, den andere lateinamerikanische Staaten betonen.

Ecuadors Präsident unterstützt US-Schlag

Ecuadors rechtsliberaler Präsident Daniel Neboa drückte ebenfalls Unterstützung für den US-Schlag aus. „Für alle kriminellen Chavisten, die mit Drogen handeln, wird die Stunde der Wahrheit kommen. Ihre Struktur wird auf dem gesamten Kontinent endgültig zusammenbrechen“, ließ er wissen. An die Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin 2025, Maria Macado, und ihren Kollegen Edmundo Gónzalez schickt er folgende Info via X: „An das venezolanische Volk: Es ist an der Zeit, Ihr Land zurückzugewinnen. Sie haben einen Verbündeten in Ecuador.“

Gewessler: Angriff „darf nicht ohne Konsequenzen bleiben“

Grünen-Chefin Leonore Gewessler verurteilte den Angriff der USA auf Venezuela. „Dieser Angriff ist ein klarer Bruch des Völkerrechts und darf nicht ohne Konsequenzen bleiben“, schrieb Gewessler am Samstag auf sozialen Medien. Für Europa sei das „ein unmissverständliches Signal: Zusammenhalt, Stärke und die Verteidigung des Völkerrechts sind unser Auftrag.“

Im Hinblick auf US-Präsident Donald Trump schrieb die Bundessprecherin und Klubobfrau der Grünen: „Ausgerechnet jener Präsident, der sich selbst als Friedensbringer feiert und bei jeder Gelegenheit aufzählt, welche Kriege er angeblich beendet hat und noch beenden will, lässt nun Bomben auf ein souveränes Land fallen.“ Zurück würden Angst und Chaos für die Menschen in Venezuela bleiben.

Meinl-Reisinger will weitere Eskalation verhindern

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) hat angesichts der US-Angriffe auf Venezuela vor einer weiteren Zuspitzung gewarnt. „Entscheidend ist nun, eine weitere Eskalation zu verhindern und das Völkerrecht zu wahren“, schrieb Meinl-Reisinger am Samstag auf der Plattform X. „Wir rufen daher alle Beteiligten zu Zurückhaltung auf, um weiteres Leid zu vermeiden.“ Das Außenministerium richtete einen Krisenstab ein.

Österreich werde sich gemeinsam mit seinen EU-Partnern weiterhin für eine friedliche, demokratische Lösung in Venezuela auf Grundlage der Charta der Vereinten Nationen einsetzen, betonte die Außenministerin. Angesichts der militärischen Eskalation in Venezuela habe sie den Krisenstab des Außenministeriums einberufen. „Die Sicherheit der Österreicherinnen und Österreicher hat für mich oberste Priorität“, so Meinl-Reisinger, die dringend von Reisen nach Venezuela abriet.

Gemischte deutsche Reaktionen, Regierung zögert

Die US-Militärintervention in Venezuela ist auf sehr unterschiedliche Reaktionen in Deutschland gestoßen. Während sich die Bundesregierung mit einer Einschätzung noch zurückhielt und auf Abstimmungen mit den Partnern verwies, kam scharfe Kritik von SPD, Linken, BSW, Grünen und teilweise der Union.

Dagegen sagte der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt, der Nachrichtenagentur Reuters mit Blick auf den verhafteten venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro: „Maduro hat seit vielen Jahren die Zivilgesellschaft in Venezuela unterdrückt und Terror und Drogen in der Region als Machtinstrument zur Destabilisierung seiner Gegner unterstützt. Das war völkerrechtswidrig. Das Ende seiner Herrschaft ist aus Sicht der Menschenrechte eine gute Nachricht.“

Diese Einschätzung ist in der schwarz-roten Koalition aber umstritten. So kritisierte der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetovic den US-Angriff auf Venezuela scharf. „Was wir hier mutmaßlich erleben, ist eine hochgefährliche Verschiebung der internationalen Ordnung“, sagte der außenpolitische Sprecher der SPD zu Reuters. Die oppositionellen ⁠Linken reagierten noch schärfer. „Wer wie Trump das Völkerrecht bricht und Präsidenten entführen lässt, der betreibt brutalen Staatsterrorismus“, teilte Linken-Partei-Co-Chef Jan van Aken mit. 

EU beobachtet die Lage aufmerksam

Kaja Kallas, EU-Außenbeauftragte: „Ich habe mit Außenminister ⁠Marco Rubio und unserem Botschafter in Caracas gesprochen. Die EU beobachtet die Lage in Venezuela aufmerksam. Die EU hat wiederholt erklärt, dass Herrn Maduro die Legitimität fehlt, und sich für einen friedlichen Übergang ausgesprochen. Unter allen Umständen müssen die Grundsätze des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen eingehalten werden. Wir rufen zur Zurückhaltung auf. Die Sicherheit der EU-Bürger in diesem Land hat für uns oberste Priorität.“

Spanien ruft zu Deeskalation auf

Spanien hat angesichts der US-Angriffe in Venezuela und der Mitteilung über eine Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro zur Mäßigung aufgerufen. Das Völkerrecht und die UN-Charta müssten beachtet werden, stand in einer ersten Erklärung des spanischen Außenministeriums zur Lage in dem südamerikanischen Land.

Zugleich bot die linke Regierung in Madrid ihre Hilfe an, um „eine friedliche und durch Verhandlungen erzielte Lösung der gegenwärtigen Krise zu erreichen“. Das Außenministerium beobachte die Lage in Venezuela und in Abstimmung mit seinen Partnern in der EU und den Ländern der Region, hieß es weiter in der Mitteilung.

Kuba und Iran verurteilen US-Angriff auf Venezuela

Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel hat die Militärschläge in Venezuela als „kriminellen US-Angriff“ auf das verbündete südamerikanische Land verurteilt. „Unsere Friedenszone wird gerade brutal angegriffen“, schrieb der Präsident des sozialistischen Karibikstaates am Samstag auf X. Díaz-Canel forderte die internationale Gemeinschaft auf, dringend darauf zu reagieren. Es handle sich um „Staatsterror gegen das mutige venezolanische Volk und gegen unser Amerika“.

Auch der Iran verurteilte den Militärangriff der USA auf Venezuela scharf. Es handle sich um eine „eklatante Verletzung“ der „nationalen Souveränität und territorialen Integrität“, teilte das iranische Außenministerium mit. Der Iran forderte den UNO-Sicherheitsrat auf, „sofort zu handeln, um die unrechtmäßige Aggression zu stoppen“ und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die USA hatten in der Nacht auf Samstag Ziele in Venezuela angegriffen, wie Präsident Donald Trump bestätigte.

Russland fordert Freilassung Maduros

Russland hat nach dem US-Angriff auf Venezuela zur Freilassung des autoritären Staatschefs Nicolás Maduro und seiner Ehefrau aufgerufen. Moskau fordere die amerikanische Führung auf, ihre Position zu überdenken und den „rechtmäßig gewählten Präsidenten eines souveränen Landes und seine Ehefrau“ freizulassen, teilte das russische Außenministerium mit. Die USA, die Maduro für illegitim halten, und Venezuela müssten ihre Probleme auf dem Weg des Dialogs lösen.

Maduro und seine Frau sind laut US-Präsident Donald Trump in Gewahrsam der USA und sollen vor ein Gericht gestellt werden. Außenminister Sergej Lawrow telefonierte laut seiner Behörde auch mit Vizepräsidentin Delcy Rodríguez, die nun die Amtsgeschäfte führen könnte, und sicherte ihr Russlands Solidarität zu.

Auch diese forderte umgehend die sofortige Freilassung Maduros und seiner Ehefrau. Rodríguez sprach auf einer Sitzung des Verteidigungsrates des südamerikanischen Landes, die live im Fernsehen übertragen wurde.

Kreml verurteilt US-Attacke

Zuvor hatte Moskau als Verbündeter Venezuelas die „bewaffnete Aggression“ der USA gegen das Land verurteilt. „Die Vorwände, die zur Rechtfertigung solcher Aktionen angeführt werden, sind unhaltbar“, teilte das Außenministerium in Moskau mit.

Auch Kremlchef Wladimir Putin hatte Maduro im Dezember noch angesichts wachsender Spannungen mit den USA seine Unterstützung zugesichert. Russland hat eine strategische Partnerschaft mit Venezuela, die zwar keinen militärischen Beistand garantiert - wohl aber etwa Waffenlieferungen beinhaltet.