Für den Präsidenten zu sprechen, das war in der ersten Amtszeit von Donald Trump ein Schleudersitz: Insgesamt vier Pressesprecher hat der heute 79-Jährige verschlissen. Karoline Leavitt ist dagegen gekommen, um zu bleiben. Trotz ihres jungen Alters ist die 28-Jährige heute eine der größten Stützen des Präsidenten. Trump schwärmt von Leavitt und Leavitt schwärmt von Trump. Zur Presse selbst hat die Pressesprecherin allerdings ein angespanntes Verhältnis, zumindest zu jenem Teil, den sie und der Präsident immer wieder als „Fake News“-Medien bezeichnen. Schon bei ihrem Einstand im Jänner 2025 hatte Leavitt dem altgedienten, oft liberalen Washingtoner Pressecorps erzählt, die herkömmlichen Medien seien irrelevant, vor allem für junge Menschen, und müssten nun Podcastern, Youtubern und TikTokern Platz machen.

Leavitt wird aber auch persönlich: Als vor ein paar Wochen ein Journalist wissen wollte, wer entschieden habe, dass Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Budapest trifft, antwortete sie in der Tradition der in den USA gerne erzählten „Yo-Mama“-Witze: „Das war deine Mutter“. Und als Trump zu einer Journalistin „Quiet, Piggy“ – also „Still, Schweinchen“ – sagte, fand Leavitt das „mutig und erfrischend“.

Ungewöhnliches Verhältnis zur Presse

Das ist ungewöhnlich, denn eigentlich versuchen Pressesprecher Vertrauensbeziehungen zu Journalisten quer über die politischen Lager hinweg aufzubauen und vermeiden es, Medienvertreter zu beleidigen. Leavitt aber wirft ihnen im Trump-Stil vor, dass sie lügen und dem Präsidenten größtmöglichen Schaden zufügen wollen.

251211 -- WASHINGTON, Dec. 11, 2025 -- White House Press Secretary Karoline Leavitt attends a daily press briefing at the White House in Washington, D.C., the United States, on Dec. 11, 2025. Leavitt said Thursday that the United States intends to keep the oil from the tanker the U.S. military seized Wednesday near the coast of oil-rich Venezuela. Photo by /Xinhua U.S.-WASHINGTON, D.C.-WHITE HOUSE-KAROLINE LEAVITT-PRESS BRIEFING LixYuanqing PUBLICATIONxNOTxINxCHN
Leavitt ist die jüngste Pressesprecherin, die das Weiße Haus je hatte © IMAGO

Leavitt ist die jüngste Pressesprecherin, die das Weiße Haus je hatte. Ihr Ehemann, der Immobilienentwickler Nicholas Riccio, ist mit seinen 60 Jahren vom Alter her aber näher an Trump als an seiner Frau. Als blonde Familienmutter ist Leavitt auch das glatte Gegenteil von Joe Bidens Sprecherin Karine Jean-Pierre, einer Tochter von schwarzen Einwanderern aus Haiti, die in New York studiert hat und sich offen zu ihrer Homosexualität bekannte.

Immer an Trumps Seite

Leavitt kommt dagegen aus dem französisch geprägten Bundesstaat New Hampshire und hat ihren Politikwissenschaft-Abschluss an einer katholischen Privat-Uni gemacht. Danach fing die Republikanerin, die oft ein großes Kreuz um den Hals trägt, als Praktikantin beim rechten Sender Fox News an. Nach einem gescheiterten Versuch, einen Kongresssitz zu erringen, wurde sie Sprecherin von Trumps Wahlkampfmannschaft. Leavitt war damals bereits mit ihrem ersten Sohn schwanger. Drei Tage nach der Geburt kam sie aus dem Krankenhaus nach Hause und sah im Fernsehen, wie in Butler auf Trump geschossen wurde. Am nächsten Tag sprach sie schon wieder an seiner Seite. Nun erwartet sie ihr zweites Kind. Im Mai soll ihre Tochter zur Welt kommen. Auch dieses Mal wird sie vermutlich nicht lange wegbleiben.

Denn Trump und Leavitt sind seit Jahren unzertrennlich. Sie begleitete den Präsidenten, als er wegen der Schmiergeldzahlungen an eine Stripperin vor Gericht stand, zum Golfspielen nach Schottland, und zum Entspannen nach Mar-A-Lago in Florida. Leavitt verteidigt jede Entscheidung des Präsidenten, auf ihrer Social-Media-Seite wimmelt es nur so von Trump-Bildern.

Stellte sich gegen ihre Familie

Besondere Härte versucht Leavitt dabei vor allem dann zu demonstrieren, wenn es um Einwanderer geht. Immer wieder ist von ihr zu hören, dass alle undokumentierten Immigranten Kriminelle seien. Dabei blieb sie auch, als die Grenzschutzbehörde ICE Bruna Ferreira, die Ex-Freundin ihres Bruders Michael, verhaftete. Ferreira, die aus Brasilien stammt, kam als Sechsjährige zu ihren Eltern nach Amerika und wurde unter der Obama-Regierung und dem so genannten DACA-Programm geduldet. Sie saß vier Wochen in einem Abschiebegefängnis in Louisiana, bis ein Richter ihre vorläufige Freilassung anordnete.

Leavitt stellte sich damals hinter eine Kampagne des Weißen Hauses, die Ferreira als schlechte Mutter und Kriminelle darstellte. Ferreira ist nun enttäuscht, dass Leavitt ihr nicht hilft. Karoline sei früher wie eine Schwester für sie gewesen, sie habe sie sogar gebeten, die Patentante ihres Sohnes zu werden. So richtige Familienwerte, scheint es, hat Trumps Pressesprecherin dann doch nicht.