Ein wahrhaft „eleganter Gentleman“ sei König Charles, ließ sich Donald Trump vor Antritt seines zweiten Staatsbesuchs in Großbritannien vernehmen. „Er ist mein Freund – und er repräsentiert sein Land so gut“, ließ er wissen.

Pflichtbewusst traten die Royals denn auch am Mittwochmorgen an, als der US-Präsident und seine Frau Melania in Great Windsor Park, auf dem weitläufigen Gelände um Windsor Castle westlich von London, Einzug hielten. Schon dass er, wie nie jemand vor ihm, zu einem zweiten Staatsbesuch in Großbritannien eingeladen worden sei, fand der Präsident „eine große Ehre“. Windsor Castle sei aber „das Höchste der Gefühle“. Und für Hochstimmung des Gastes suchten Regierung und Krone an dessen Tag in Windsor nach Kräften zu sorgen.

Brimborium wie noch nie zuvor

1300 Angehörige der Streitkräfte und 120 Pferde waren im Einsatz. Kanonendonner rollte. Militärkapellen spielten. Die größte Ehrengarde aller Zeiten zog auf. Die „Red Arrows“ waren angewiesen, Windsor Castle mit britischen und US-Maschinen zu überfliegen. Dann gab es ein Staatsbankett in St. George’s Hall. König Charles III. gab sich alle Mühe, die Erwartung seines „Freundes“ auf „eine gute Zeit“ und auf „tolle Fernsehbilder“ zu erfüllen. Auch Kronprinz William und seine Frau Kate spielten lächelnd mit.

Die besten Bilder vom Staatsbesuch

Aus Windsor Great Park verbannt worden war unterdessen der bis heute dort fest ansässige jüngere Bruder des Königs, Prinz Andrew. „Randy Andy“ ist wegen seiner früheren Freundschaft zu dem notorischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und wegen Vorwürfen eigener Beziehungen zu Minderjährigen zur persona non grata im Windsor-Clan erklärt worden. Und da dem Präsidenten selbst seine vormals enge Verbindung zu Epstein zu schaffen macht, hatte der Prinz unsichtbar zu bleiben.

Größte Sorge herrschte ganz offenkundig von Anfang an in Regierungskreisen, dass außer Regenschauern der Name Epstein die Festtagsstimmung trüben könnte. Bereits am Dienstagabend war es Trump-Gegnern immerhin gelungen, trotz aller Sicherheitsvorkehrungen ein riesiges Bild Trumps und Epsteins auf einen der Schlosstürme Windsors zu projizieren – und in der Handschrift Trumps: „Du bist der Größte, Jeff.“

A handout image from the UK collective 'Everyone Hates Elon' shows activists unfurling a large photo depicting US President Donald Trump posing with Jeffrey Epstein, on the Long Walk, outside Windsor Castle in Windsor, on September 15, 2025, ahead of a State visit by the US president. Donald Trump lands in Britain on Tuesday for an historic second state visit that will see the UK government spare no effort in trying to flatter the mercurial American president. (Photo by Everone Hates Elon / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT
An mehreren Orten Großbritanniens wird im Rahmen des Besuchs von US-Präsident Donald Trump auf dessen mögliche Verwicklungen in den Fall Epstein aufmerksam gemacht © AFP

Vier Demonstranten, denen der Coup gelungen war, wurden prompt festgenommen. Die Beamten hätten schnell reagiert, „um die Projektion zu stoppen“. Andere Gegner des Staatsbesuchs sammelten sich beim Schloss und in London zum Protest. Tatsächlich hat laut Umfragen des YouGov-Instituts nur jeder Sechste im Vereinigten Königreich eine gute Meinung vom US-Präsidenten. Aus Angst vor Demonstrationen hatte man sich entschieden, Trump vom Volk abzuschirmen und einen „Ring von Stahl“ um Windsor zu ziehen.

Video: Trump mit Pomp auf Schloss Windsor empfangen

Außenministerin Cooper nun freundlich

Begrüßt worden war der Präsident bei seiner Ankunft ausgerechnet von Starmers neuer Außenministerin Yvette Cooper, die als Oppositionspolitikerin Trump noch unter anderem „ignorant“ und „gefährlich“ genannt hatte – und die dafür gestimmt hatte, ihn 2019 nicht zum Staatsbesuch einzuladen – im Namen von Elizabeth II..

Und der Vorsitzende der Liberaldemokraten, Sir Ed Davey, ließ mitteilen, dass er leider nicht am Staatsbankett teilnehmen könne, weil er Trump Mitschuld an den Vorgängen in Gaza geben müsse. Dass der Premier für Trump die Königs-Karte ausspiele, nur um den Präsidenten geneigt zu stimmen, passt vielen Briten nicht. Auch in Starmers Partei mehrt sich Unmut: Ein „Festtagsumzug“ für Trump sei schlicht nicht genug, klagte etwa Liam Byrne, der Labour-Vorsitzende des Wirtschafts- und Handelsausschusses im Unterhaus, solange es „keinerlei bindende Zusagen“ seitens der USA gebe, zum Beispiel im Blick auf Zölle. Stattdessen baut man in London auf Zusammenarbeit im Tech-Bereich, wie sie heute vereinbart werden soll.

An seinem ersten, für ihn wichtigsten, Tag dieses Staatsbesuchs bei den Briten hielt sich der US-Präsident aber unbeirrt ans Zeremoniell und an „seine“ Royal Family. Die ziemlich dunklen Wolken über Windsor suchte Trump zu ignorieren.