Um den genauen Verlauf der rund 800 Kilometer langen Grenze streiten sich Thailand und Kambodscha schon seit der Kolonialzeit. Nachdem es Ende Mai zu einem Schusswechsel zwischen Soldaten der beiden südostasiatischen Länder gekommen war, bei dem ein Kambodschaner getötet wurde, droht der Konflikt zu eskalieren. Kambodscha reagierte mit Sanktionen und verhängte unter anderem ein Importverbot für thailändische Lebensmittel sowie Treibstoff. Serien und Filme aus dem Land dürfen bis auf Weiteres nicht mehr gezeigt werden.
Grenzübergänge geschlossen
Thailand schloss am Dienstag in Summe sechs Grenzübergänge zu seinem südöstlichen Nachbarland. Ausnahmen gelten laut thailändischem Militär ausschließlich für Studierende und Menschen, die auf medizinische Versorgung angewiesen sind, berichtete die „Zeit Online“. Das hat nicht nur für Einheimische unmittelbare Folgen, sondern zum Start der Urlaubssaison auch für Touristen in der Region. Sie können etwa nicht mehr über den beliebten Grenzübergang Aranyaprathet-Poipet zu den Tempelanlagen von Angkor gelangen.
Proteste gegen thailändische Regierung
Die prekäre Situation löste bereits eine Regierungskrise in Thailand aus. Dem vorausgegangen war ein geleakter Audiomitschnitt eines Gesprächs zwischen der thailändischen Ministerpräsidentin Paetongtarn Shinawatra und Hun Sen, dem Ex-Langzeitherrscher und nunmehrigen Senatspräsidenten in Kambodscha. Darin nannte die Regierungschefin den 72-Jährigen „Onkel“ und bezeichnete einen hochrangigen Militär in der Grenzregion als „Gegner“. Hun Sen veröffentlichte daraufhin das gesamte Gespräch auf Facebook - laut dem Medium „Modern Diplomacy“ zeige es „ungewöhnlich viel Intimität zwischen den Führern der beiden Staaten“, sensible Informationen seien dabei ausgetauscht worden. Die thailändische Ministerin entschuldigte sich für das Gespräch, dennoch verließ die zweitgrößte Koalitionspartei daraufhin das Regierungsbündnis.
In der Bevölkerung löste die Aufnahme Proteste gegen die Regierung aus - gefordert werden der Rücktritt der Ministerpräsidentin sowie Neuwahlen. Die vergangenen Parlamentswahlen hatten im Mai 2023 stattgefunden. Vor dem Regierungsgebäude demonstrierten laut der Nachrichtenagentur AFP Hunderte Menschen.
Außenministerium: „Seien Sie besonders vorsichtig“
Das österreichische Außenministerium informiert nach den Grenzschließungen auf seiner Website: „Seien Sie in diesen Gebieten besonders vorsichtig und informieren Sie sich über lokale Medien!“ Vor Reisen in vier Provinzen wird konkret gewarnt, betroffen sind Narathiwat, Yala, Pattani, und Songkhla. Hier gilt Reisewarnstufe 5 von 6. Das deutsche Auswärtige Amt forderte Reisende auf, die Grenzregion zu meiden und empfiehlt, von Demonstrationen und größeren Menschenansammlungen Abstand zu halten.