In der von Donald Trump bestimmten Welt geht es hoch her. Der Aktienmarkt gleicht einer Achterbahnfahrt, der Dollar, die Kreditwürdigkeit und das Bruttoinlandsprodukt sinken, und die große Supermarktkette Walmart hat gerade angekündigt, der dräuenden Zölle wegen die Preise anzuheben. Das stört Trump nicht. „Dann kriegen die Kinder halt nur zwei Puppen statt 30 Puppen, und diese zwei kosten ein paar Dollar mehr“, meinte der US-Präsident in einer Kabinettssitzung.

Trump hingegen hat genug Spielzeug: Mal bekommt er eine Boeing 747 geschenkt, mal investieren seine Anhänger in seine Kryptowährung $TRUMP. Und gerade eben hat das Repräsentantenhaus einen Gesetzesentwurf akzeptiert, der Kürzungen bei Sozialleistungen, mehr Geld für das Militär und weniger Steuern für Reiche vorsieht.

Zwischenwahlen sollten für die Demokraten ein Heimspiel sein

Eigentlich müssten die Demokraten bei Zwischenwahlen 2026, bei denen über das gesamte Repräsentantenhaus und 33 Senatorensitze abgestimmt wird, ein Heimspiel haben. Doch schon jetzt sind die Zweifel nicht zu übersehen. „Die entscheidende Frage ist, wie es die Demokraten diesmal versemmeln werden“, spottet der libertäre TV-Komiker Bill Maher.

Ja, wie? Vor einiger Zeit traten drei Journalisten in der vollbesetzten Brooklyn Public Library auf: Michelle Goldberg, Masha Gessen und Bret Stephens. In diesem New Yorker Stadtteil schlägt das Herz des linken Amerika. Chuck Schumer, der Sprecher der Demokraten im Senat lebt in Brooklyn, genauso wie Hakeem Jeffries, der Sprecher im Repräsentantenhaus. Auch die Linksaußen-Ikone Bernie Sanders wuchs hier auf.

Goldberg findet, die Demokraten müssten Druck auf Schumer machen, der mit dem Washingtoner Establishment zu eng verbunden sei. Gessen, eine russischstämmige Putin-Kritikerin, die sich als non-binär identifiziert, kritisiert Gretchen Whitmer, die demokratische Gouverneurin von Michigan. Die hat Trump beim letzten Besuch umarmt und ihm damit das Versprechen abgerungen, eine Militärbasis in Michigan auszubauen. Nun kann Stephens sich nicht mehr beherrschen: „Das ist der sichere Weg zum Ruin“, poltert er los. „Die Demokraten müssen einen harten Blick auf sich selber werfen und sich fragen: Was haben wir getan, um uns unattraktiver zu machen als Trump? Die Partei solle keinen Widerstand üben, sie brauche bessere Lösungen für die Menschen“, fordert Stephens.

Da ist etwas dran. Zwar hat Trump nur noch 44 bis 45 Prozent der Wähler hinter sich, aber bloß 37 Prozent der Amerikaner mögen die demokratische Partei und nur 25 Prozent deren Politiker im Kongress. Der an Krebs erkrankte Joe Biden ist praktisch verschwunden, wenn Trump ihm nicht dauernd an allem die Schuld geben würde, würde man seinen Namen überhaupt nicht mehr hören. Zudem ist gerade ein Buch erschienen, das den Demokraten vorwirft, gewusst zu haben, in welch schlechtem gesundheitlichen Zustand der Präsident war.

Ocasio-Cortez als linke Hoffnungsträgerin

Die Parteilinke würde daher gerne die 35-jährige Alexandria Ocasio-Cortez aufs Schild heben. Die Abgeordnete, die durch ihre vielen Medienauftritte landesweit bekannt ist und häufig nur AOC genannt wird, stammt aus einer puertoricanischen Familie aus der Bronx. Die große dunkelhaarige Frau ist eine auffällige Erscheinung und trotz ihres vergleichsweise jungen Alters politisch mit allen Wassern gewaschen. Die frühere Kellnerin zog mit 29 Jahren als jüngste Mandatarin in den Kongress ein und gehört wie ihr Mentor Bernie Sanders zum linken Flügel der demokratischen Sozialisten. Zu den Auftritten von Ocasio-Cortez kamen in den vergangenen Monaten Zehntausende und auch an Wahlkampfgelder mangelt es nicht. Aber eine Mehrheit dürfte sie trotzdem kaum finden.

Sen. Cory Booker, D-N.J., speaks during a news conference on the Equality Act at the Capitol, Tuesday, April 29, 2025, in Washington. (AP Photo/Rod Lamkey, Jr.)
Cory Booker werden Ambitionen nachgesagt © AP

Bessere Chancen für eine tragende Rolle werden Cory Booker nachgesagt, dem Senator von New Jersey. Booker hielt im März eine Rekordrede, mehr als 25 Stunden ohne Pause. Es war ein Protest gegen Trump; Booker, ein liberaler Afro-Amerikaner wollte aber auch den Rekord von Strom Thurmond brechen, der 1957 mit einer Rede von 24 Stunden gegen die Abschaffung der Rassentrennung protestiert hatte.

Als möglicher Präsidentschaftskandidat für 2028 wird auch Gavin Newsom gehandelt. Der Gouverneur von Kalifornien ist ein Urgewächs aus San Francisco und arbeitete sich zäh nach oben: Er verlor gegen Arnold Schwarzenegger, hatte eine Affäre mit der Frau eines Mitarbeiters, wurde abgesetzt, wegen Alkoholismus behandelt, und seine Exfrau ist heute mit Donald Trump Jr. liiert.

(FILES) California Governor Gavin Newsom speaks during an announcement of
Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom gilt als Kandidat für 2028 © AP

Mehr aber schadet es ihm, dass Kalifornien vielen Wählern als von Obdachlosen bevölkertes Wokistan gilt. Deshalb rudert Newsom schon seit langem in die Mitte zurück. Er will Transfrauen verbieten, am Mädchensport teilzunehmen.