Im andauernden Streit mit Harvard will die US-Regierung unter Präsident Donald Trump die Elite-Universität an der Aufnahme internationaler Studierender hindern. Es sollten künftig keine Studierende aus dem Ausland aufgenommen werden, forderte US-Heimatschutzministerin Kristi Noem. Die Regierung begründete das Verbot mit pro-palästinensischen Protesten, gegen die US-amerikanischen Universitäten nicht genug vorgehen würden. Politiker weltweit zeigten sich über das Vorhaben empört.

Die renommierte Harvard-Universität ließ das nicht auf sich sitzen - nicht zuletzt, weil internationale Studierende einen bedeutenden Teil zu den Einnahmen von US-Hochschulen beitragen. Harvard klagte gegen das Vorhaben, das sie als „letzten Vergeltungsakt“ der Trump-Regierung bezeichnete. Am Freitag gab eine Bundesrichterin der Universität recht - vorerst wurde dem Vorhaben der Regierung ein Riegel vorgeschoben.

Der austro-amerikanische Klimaökonom und Autor Gernot Wagner ging bei der Harvard-Universität lange sowohl als Studierender als auch als Lehrender ein und aus und schätzte die Lage in der „ZiB 2“ ein. „Die Ungewissheit ist groß. Ich muss dazusagen, dass Harvard in vielerlei Hinsicht richtig reagiert und sich im Prinzip quergelegt hat“, so Wagner - anders als die Columbia Business School in New York, an der er momentan unterrichtet. Das sei eine gute Strategie - „ich weiß zu viel über deutsche Geschichte vor 100 Jahren“, vergleicht Wagner.

Kein ehrliches Argument der US-Regierung

Bei der Maßnahme gehe es „um nichts anderes als die Zerstörung von Harvard, von diesen Universitäten“. Wagner sieht derzeit keine Verhandlungsbasis mit der US-Regierung, die Universitäten eher das Recht entziehen wolle, zu existieren. Es sei für Staaten wie die USA wichtig, „international die Besten an sich zu holen, attraktiv zu sein“, betont der Ökonom. Dazu würden auch Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit gehören.

Die Vorwürfe, US-Universitäten seien zu „woke“ oder „links“, sieht Wagner bloß als Vorwand. „Es wäre fantastisch, falls es am Ende tatsächlich ein rationales Argument gäbe“, so Wagner. Es gebe schon Einzelbeispiele für Antisemitismus und Hass gegen Muslime, Harvard habe diese aber in Berichten aufgearbeitet. Trump ginge es jedenfalls nicht um Antisemitismus, ist Wagner überzeugt. Es sei kein „ehrliches Argument. Es geht im Prinzip darum, eine Ausrede zu suchen“, sagt Wagner. Die US-Regierung würde liberale Wissenschaft als Gegner sehen, da Absolventen von Harvard und Co. weniger in deren politische Richtung tendierten.

Wagner trotzt Gegenwind

Sollten letztendlich zwei Milliarden Euro Dollar Fördergeld durch die US-Regierung entzogen werden, „geht Harvard eher früher als später das Geld aus“, stimmt Wagner zu, wobei man das Geldproblem lösen könne. Fataler sei die Wirkung nach außen, wenn internationale Studierende ausbleiben.

Täglich frage sich Wagner mittlerweile, ob er die USA verlassen soll: „Ich bin glücklich, dass ich die Doppelstaatsbürgerschaft habe“, so der Österreicher. Doch solange seine persönliche Sicherheit nicht gefährdet sei, „ist es vielleicht sogar produktiver, hier zu sein, trotz dieser Gegenwinde“, überlegt Wagner, der über Klimapolitik forscht.