Als jüngst die Ariane 6 Rakete in den Himmel über Französisch-Guayana aufstieg, hatten die Franzosen allen Grund zur Freude über einen „perfekten Start“, der „von vitaler Bedeutung für die Souveränität Frankreichs und Europas“ sei, wie es David Cavaillolès, Chef von Ariane Space, formulierte. Der Start von Ariane 6 war mehr als ein Symbol, nicht nur, weil am selben Tag Elon Musks Firma SpaceX mit dem Versuch scheiterte, ein Starship in den Weltraum zu schicken, das zehn Minuten nach dem Start über Florida explodierte.

Lebenszeichen aus Frankreich

Diese gute Nachricht kam im rechten Moment: In einer geopolitisch unberechenbaren Gemengelage ist Präsident Emmanuel Macron dabei, Frankreich wieder zum Player zu machen. Anders als viele europäische Amtskollegen hat sich der Franzose den Regeln von US-Präsident Donald Trump nicht kampflos ergeben und klargemacht, dass die Europäer die Aushandlung eines Friedens in der Ukraine nicht Washington und Moskau alleine überlassen wollen.

Man konnte das von Macron initiierte Treffen mit den wichtigsten Staatschefs der EU Mitte Februar in Paris natürlich naserümpfend als sinnlos abtun, doch dem Franzosen ist es mit seinen zahlreichen Gesprächsrunden und seinem Besuch im Weißen Haus gelungen, dem Kontinent eine Stimme zu geben. Er korrigierte nicht nur Trumps Falschbehauptungen im Oval Office. Nachdem ihn Wladimir Putin mit Napoleon verglichen hatte, gab er diesem Nachhilfe in Sachen Geschichte und bezeichnete ihn als „revisionistischen Imperialisten“.

President Macron Visits Luxeuil-les-Bains Air Base French President Emmanuel Macron visits Air Base 116 Lieutenant-Colonel Papin in Luxeuil-les-Bains Haute-Saone, on March 18, 2025. Air Base 116 is much more than a training center: it plays a key role in air security, both on national territory and in allied airspace, particularly on the Alliance s eastern flank. It also contributes to security beyond Europe, particularly from the base in Djibouti. This presence underlines the base s importance in collective defense and regional security, enabling France to play a central role in protecting the interests of the Atlantic Alliance and beyond. France on March 18, 2025. Photo by Liewig Christian/Pool/ABACAPRESS.COM Luxeuil-les-Bains Franc PUBLICATIONxNOTxINxFRAxUK Copyright: xLiewigxChristian/Pool/ABACAx
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„Um sich einen Platz am Verhandlungstisch zu sichern, ist es nötig, dass Europa Vorschläge ausarbeitet, die es den USA unterbreiten kann“, urteilte auch die Sicherheitsexpertin Gesine Weber vom German Marshall Fund in einem Meinungsbeitrag für „Le Monde“.

Gestern empfing Macron den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Paris. Das Treffen diente der Vorbereitung des heutigen Gipfels der „Koalition der Willigen“, zu dem Macron Unterstützerländer der Ukraine einlud: Es geht dabei um die Entsendung von Friedenstruppen und die Frage, wie und mit welcher Aufgabenteilung ein mögliches Friedensabkommen abzusichern wäre: Wie kann eine Kapitulation Kiews verhindert und ein dauerhafter Frieden ermöglicht werden? Wie müssen die Sicherheitsgarantien aussehen? Wer kann diese übernehmen? Selenskyjs Stabschef Andrij Jermak ließ unterdessen wissen, dass die Beziehungen zu den USA „wieder auf Kurs“ seien.

Macrons Bemühungen als Friedensstifter, seine Versuche, angesichts der „existentiellen Bedrohung“ durch Russland mit lockeren Formaten in den sozialen Medien oder einer bitterernsten Ansprache im Fernsehen die Franzosen auf anstehende Opfer einzustimmen, haben ihm auch innerhalb der französischen Bevölkerung wieder dringend nötigen Aufwind verschafft.

Macrons Beliebtheitswerte, die durch die Auflösung der Nationalversammlung und den anschließenden Machtverlust abgestürzt waren, sind um sieben auf 31 Prozent gestiegen. „Ein regelrechter Sprung“, analysiert Frédéric Dabi vom Meinungsforschungsinstitut Ifop. Er erklärt das mit dem bekannten „Fahnen-Effekt“, wenn der Präsident wieder zur Sammlungsfigur in Zeiten von internationalen Krisen und Kriegen wird.

President Macron Presents Wishes To French Armies - France Visit by the President of the Republic Emmanuel Macron, on January 20, 2025, to the command of Digital and Cyber Land Support CATNC created in 2024 on the historic site of the military communications school. He also presents wishes to the armies during this trip to Cesson-Sevigne, near Rennes, France. Photo by Yannick BILLIOUX/ABACAPRESS.COM Cesson-Sevigne France PUBLICATIONxNOTxINxFRAxUK Copyright: xBilliouxxYannick/ABACAx
Sieht Europa in der Pflicht: Macron © IMAGO

„Es kommt bei Franzosen gut an“

„Sein internationaler Aktivismus kommt bei den Franzosen gut an“, sagt Dabi im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Er ergänzt, dass diese Wende schon Ende 2024 einsetzte, als sich Macron bei der Neujahrsansprache erstmals für die Neuwahlen entschuldigte. Auch der von ihm organisierte KI-Gipfel im Februar habe Frankreichs Image, das immer noch von dem nostalgischen Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ geprägt werde, modernisiert. Damit sei es Macron auch gelungen, die Franzosen wieder abzuholen, die nach den Neuwahlen abgeschaltet und die großflächige parlamentarische Krise komplett ausgeblendet hatten.

„Es war, als habe sich die Verbindung zur Politik seit den Neuwahlen in sagenhafter Langsamkeit in die Länge gezogen, während sich drumherum die Geschichte in schwindelerregender Geschwindigkeit weiterdrehte“, urteilt Dabi. Durch den Angriffskrieg Moskaus sei auch der Euroskeptizismus in Frankreich klar gefallen.