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Zum Ableben von Hugo Portisch „Der Tod ist nur einen Lacher wert“

Weltensammler, Welterklärer, Journalistenlegende: Hugo Portisch ist im 95. Lebensjahr in einem Spital sanft eingeschlafen.

Hugo Portisch kam 1927 in Pressburg auf die Welt, als man von dort noch mit der Straßenbahn nach Wien fuhr
Hugo Portisch kam 1927 in Pressburg auf die Welt, als man von dort noch mit der Straßenbahn nach Wien fuhr © APA/Herbert Pfarrhofer
 

Die Altbauwohnung von Hugo Portisch und seiner Frau Traudi in der Nähe des Wiener Rochusmarkt war bis oben vollbepackt mit Büchern. Auch in der Küche und im Vorraum lagen sie gestapelt. Es war stimmig, dass in unmittelbarer Nähe des Rochusmarkts auch das Wittgenstein-Haus steht. Das Haus jenes österreichischen Philosophen, der in seinem „Tractatus“ sinngemäß postulierte, dass alles, was gesagt werden kann, klar gesagt werden kann.

Hugo Portisch konnte. Er war ein großer Verdichter der Wirklichkeit. Fraglos konnte er dabei weit ausholen und vom Hundertsten ins Tausendste kommen, aber er verlief sich nie. Was er sagte, war plastisch, immer klar und präzise. Durch seine Art, komplizierte politische und wirtschaftliche Zusammenhänge auch für den Laien verständlich zu erklären, wurde er zu einem der bedeutendsten Journalisten und Analysten in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg.

Hugo Portisch: Bilder aus dem Leben der Journalistenlegende

Am 19. Februar feierte Hugo Portisch seinen 94. Geburtstag. Rund sechs Wochen später starb die österreichische Journalistenlegende. In zahllosen Reaktionen aus Politik, Kunst und Wissenschaft wird Portisch für seine Leistungen gewürdigt.

APA/HELMUT FOHRINGER

Geboren wurde er 1927 in Bratislava, sein Vater war Zeitungsredakteur und später letzter Chefredakteur der "Pressburger Zeitung".

Der breiten Öffentlichkeit wurde Portisch als Chef-Kommentator des ORF-Fernsehens bekannt. Wie kein Zweiter beherrschte er die Kunst, komplizierte Sachverhalte in einfachen Worten zu erklären und Wissen mit hoher Kompetenz, aber ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln.

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Mit seinen Fernsehserien "Österreich I" und "Österreich II" wurde er zur Inkarnation eines kollektiven österreichischen Geschichtsbewusstseins. Noch im Oktober war er in der Talksendung von Barbara Stöckl zu Gast.

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1955 holte ihn Hans Dichand, damals Chefredakteur, als Stellvertreter in den neugegründeten "Kurier". Nach Dichands Abgang aus der damals größten Tageszeitung wurde Portisch 1958 Chefredakteur. 1967 wechselte er als Chefkommentator in den ORF.

Im Bild: Portisch 2009 mit seiner Frau Traudi, die im Jänner 2018 im 98. Lebensjahr verstorben ist.

(c) imago/SKATA (imago stock&people)

Hugo Portisch schrieb an vielen historischen Stellen österreichische Fernsehgeschichte. Legendär war die stundenlange Moderation der Mondlandung 1969, gemeinsam mit Herbert j. Pichler, Peter Nidetzky und Othmar Urban.

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Auch ORF-Chef Alexander Wrabetz würdigte Portisch zum 90er als "einen Großen der ORF-Geschichte". Nicht zuletzt habe er "das Bewusstsein für die Rolle des ORF als elektronisches Gedächtnis dieses Landes geschaffen" und ....

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... "auch heute noch oft unerreichte Standards für Kommentar, Analyse, Objektivität und Unabhängigkeit gesetzt".

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Der Redakteur und Wissensvermittler im Studio, das damals noch nicht zur rauchfreien Zone zählte. In der Bacher'schen Informationsoffensive wurde Portisch zu einem Aushängeschild.

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Portisch berichtete von fast überall auf der Welt. Hier vom Prager Frühling ....

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... und auf dieser Aufnahme aus Washington.

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Privat war er leidenschaftlicher Pilzsammler (hier mit Regisseur Kurt Mündl).

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Hugo Portisch mit seiner Frau Traudi.

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Jetzt ist der glühende Europäer im 95. Lebensjahr verstummt. Laut seinem langjährigen Journalistenkollegen Heinz Nußbaumer ist Hugo Portisch am Gründonnerstag im Krankenhaus „nach kurzer Krankheit sanft eingeschlafen“.

Der Wiener Hugo Portisch war der legendäre Chefkommentator des ORF, der mit „Österreich I“ und „Österreich II“ Zeitgeschichte-Monumente schuf. Noch als Kurier-Chefredakteur hat er mit dem Chefredakteur der Kleinen Zeitung, Fritz Csoklich und anderen das Rundfunkvolksbegehren für die Unabhängigkeit des ORF initiiert.

Es war das erste Volksbegehren in Österreich und wurde 1964 abgehalten. Das Ziel war, den ORF durch ein Gesetz aus der Tagespolitik und den jeweils herrschenden politischen Verhältnissen herauszuhalten und ihn damit zu einem unabhängigen Medium zu machen. Die Zeitungs-Chefs hatten mit ihrer Initiative eine neue Ära im ORF eingeläutet.

TV-Programmänderungen

Zum Ableben von Hugo Portisch ändert der ORF sein Programm in ORF 2, ORF III und auf Ö1. Unter anderem zeigt ORF III am Gründonnerstag um 20.15 Uhr eine 90-minütige Live-Sondersendung, moderiert von Roland Adrowitzer.

Einen vollständigen Überblick über alle Programmänderungen in Radio und Fernsehen finden Sie hier.

Hugo Portisch hat in seinem Leben viel gesehen, und nicht nur Schönes. Er kam 1927 in Pressburg auf die Welt, als man von dort noch mit der Straßenbahn nach Wien fuhr. Später ließ er kaum einen Brennpunkt aus, um sich selbst ein Bild von der Welt zu machen.

Dem Duft der Druckerschwärze war er früh erlegen, denn schon sein Vater war Chefredakteur der liberalen, 1939 eingestellten „Pressburger Zeitung“ gewesen. Portisch war ein Weltensammler und immer dort zur Stelle, wo etwas los war. Immer neugierig auf das Unbekannte.

Die Angst vieler Menschen vor dem Fremden konnte er nicht verstehen, wohl aber erklären: „Ich war mit einer Reihe wirklich guter Psychiater befreundet, darunter Viktor Frankl, der sagte, bei den Menschen sei es wie bei einer Gruppe von Pavianen: Da ist meine Gruppe, dort ist die andere, und die wird immer als feindselig wahrgenommen. Wenn die beiden Gruppen zusammentreffen, gehen sie aufeinander los“, sagte er uns einmal in einem Interview.

Hugo Portisch im Interview

Im Kleine Zeitung-Interview, anlässlich seines 90. Geburtstags, sprach Portisch über den Nationalismus in der EU und wie er durch die Wahl von Donald Trump an Fahrt aufnahm.

"Die europäische Idee wird umgebracht"

Hugo Portisch in seiner Wiener Wohnung im Interview mit Manuela Tschida-Swoboda
Hugo Portisch in seiner Wiener Wohnung im Interview mit Manuela Tschida-Swoboda Foto ©

Portisch war natürlich auch ein gewissenhafter Beobachter der Ära von Bruno Kreisky, dessen große Leistung er darin sah, auch mit den sogenannten Schmuddelkindern der Weltpolitik Gespräche geführt zu haben. Denn was habe etwa ein George W. Bush mit der Aufzählung der Schurkenstaaten erreicht? „Er hat einen Schurkenstaat nach dem anderen angegriffen, siehe Irak, und ist darin stecken geblieben. Er hat den Krieg zwar gewonnen, aber nicht das Land“.

ÖVP und SPÖ wollten Hugo Portisch einmal als gemeinsamen Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl aufstellen. „Ich hatte aber keine Lust auf die Zwangsjacke des Protokolls. Ich bin mit Heinz Fischer sehr gut, und ich muss sagen: Er hatte eine wirkliche Freude an jedem Stück Zwangsjacke. Aber das muss man mögen: sich zu freuen, wenn der ausländische Gast kommt, den man schön empfängt. Und dann muss man ein fades Mittagessen mit ihm verbringen und die Frau ein fades Mittagessen mit dessen Frau.“

Waren ein gutes Team: Traudi und Hugo Portisch "Die Olive und wir" hieß das Buch, das sie gemeinsam im Ecowin-Verlag herausbrachten
Waren ein gutes Team: Traudi und Hugo Portisch "Die Olive und wir" hieß das Buch, das sie gemeinsam im Ecowin-Verlag herausbrachten Foto © Ecowin Verlag

Das Leben hat es oft gut gemeint mit Hugo Portisch. Aber es schlug auch zu. So musste er den Tod seines Sohnes Edgar hinnehmen, der 2012 an den Folgen einer Tropenkrankheit starb. Wie seine geliebte Frau Traudi, die 2018 starb, hatte Hugo Portisch gehofft, als Erster zu sterben, denn er war der Ansicht: „Der Tod ist nur einen Lacher wert.“

Kommentare (22)
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marijo
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Impfung?

Ganz sicher bin ich mir aber nicht, ob er nicht ohne Impfung in seinem Zimmer zwischen seinen Bùchern sitzen würde. Da wird etliches unter den Tisch gekehrt an plõtzlichen Todesfällen bei sehr alten Leuten ein paar Wochen nach der 2.Impfung, wo eine plötzliche Änderung nicht zu erwarten war. Es war dann halt immer das Alter. In Norwegen gab es sehr wohl die Diskussion über Impfverbot mit BP oder generell bei sehr alten Leuten.

GordonKelz
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DER TOD IST NUR EINEN LACHER WERT....

...merkt man an vielen Reaktionen hier, verstehen diese Worte nicht, es fehlt an Ethik
Sie kennen nur Religion...das ist der Fehler !
Gordon

heuteneu
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Zum Tod von Dr. Hugo Portisch

Wieder ist eine große Persönlichkeit von uns gegangen. Dr. Hugo Portisch hatte ein langes und erfülltes Leben. Uns Österreicher hat er auf einem langen Stück unseres Lebensweges begleitet. Viele seiner Kommentare und Bücher werden uns immer in Erinnerung bleiben. Seiner Familie gilt unser Mitgefühl.

Aber eins würde mich schon interessieren, warum kann man den WErbespot, den er fürs Impfen gedreht hat, nicht mehr abrufen - so wurde mir berichtet.
Ich wollte den gar nicht sehen, denn für mich hat das eigentlich nicht zu Dr. Portisch gepasst, dass er sich vor diesen Karren hat spannen lassen.
Gerade ihm müsste doch eigentlich die Freiheit ein wichtiges Gut gewesen sein, auch die Freiheit, sich impfen zu lassen, oder auch nicht.

wischi_waschi
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Hugo Portisch

Ja, ein ganz , ganz Großer ist von uns gegangen.
Ruhe in Frieden........

vandiemen
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Ruhe in Frieden!

Konnte Geschite verständlich und spannend erklären! Bin als damals als halbwüchsiger ehrfürchtig vor dem Fernseher gesesen.

carlottina22
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R. I. P.

Ein großer Humanist ist gegangen. Ein brillanter Kopf, der seine Gedanken, so meine ich, vielen nahe bringen konnte. Wir brauchen solche Menschen mehr denn je.

Hausverstand100
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Ich kann mich nicht erinnern

Dass er sich jemals von einer politischen Partei vereinnahmen hätte lassen, immer fair und objektiv.
Ein Umstand, der sehr vielen heutigen Journalisten leider fehlt!
Ein ganz großer Österreicher weniger!
R.I.P.!

Lilithwashere
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Ein großer Verlust

Österreich II war ein Pflichttermin in der Familie, jede Folge wurde mittels VCR aufgenommen. Die Kassetten existieren noch. Mein Vater (geb. 1919 und Kriegsveteran) saß oft mit Tränen in den Augen vorm Fernseher. Und was fast unglaublich scheint: In einer Aufnahme marschierender Soldaten erkannte er sich wieder. Diese kurze Sequenz ließen wir wieder und wieder laufen.
Danke Herr Portisch und ruhen sie in Frieden.

lieschenmueller
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Die ganz Großen werden immer weniger

Schlafen Sie gut, Herr Portisch!

eagleherby
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Durch und durch ein Patriot und ein Vollblut Journalist sagt adieu

Ich weiß nicht mit was er mehr gesprochen hat ? mit seinen Mund oder mit seinen Händen . Mir bleibt als genialer erklärer und gestikulierer in Erinnerung. RIP Hugo Portisch.

rinele1
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28
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zurück

hab mich verdrückt...War ein Großer! Ruhe in Frieden!

pescador
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Ein ganz großer Österreicher ist gegangen

Er hinterlässt uns ein Vermächtnis für Generationen.

crawler
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Er war der große Ancormann,

der es nie notwendig hatte seine Gesprächspartner zu brüskieren. Ausserdem war er immer um Objektivität bemüht. Bei Interview's und seinen Berichten.

Landbomeranze
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Ein unerreichbares Vorbild für tätige und kommende

Journalistengenerationen. Er war ein Geschenk an das neu entstehende Österreich bis in die Jetztzeit. Herausragend seine menschliche Bescheidenheit. Sein Tod ist ein echter Verlust für unser Land.

Civium
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Wenn an Portisch denke, kommen immer

Bilder in Schwarz-Weiss auf unseren Fehrnseher in den sechziger Jahren in Erinnerung.
Seine Berichterstattung über den Einmarsch der Russen bzw Prager-Frühling in der Tschechoslowakei sind legendär!
Grosser Österreicher!!!

alfjosef
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Ein grossartiger Mensch! Ein Humanist! Ein Volks-Bildner!

Er war ein großartiger Mensch! Sein Werdegang als Journalist ist auch in den Gegebenheit "seiner Zeit" zu sehen. Der Weg Österreichs in die Freiheit ist von ihm umfassend dokumentiert worden und hat ganze Generationen gefesselt. Die Fähigkeit, Kompliziertes einfach zu vermitteln, hat ihn geradezu legendär gemacht. Die Serie "Friede durch Angst" z. B. war einfach spannend und gab Einblick in die damals für die meisten von uns verborgenen Arsenale der Atommächte und der daraus resultierenden Bedrohungspotenziale für die Menschheit. Die regelmässigen Kommentare, in einer Brillanz vorgetragen, war nicht nur beeindruckend sondern auch "Politische Bildung" pur.
Seine humanistischen Bilder, die immer deutlicher zum Vorschein kamen, machten ihn nicht nur mich, zu einem besonderen Menschen!
Schade um diesen großartigen Menschen,.RIP!

CIAO
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was gibt da

Daumen runter?

mobile49
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daumen runter

ist hier ähnlich den "kratzeleien" an allen möglichen örtlichkeiten

bam313
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Ich war auch ein Fan von ihm!

Was ich ihm jedoch am Schluss nicht verzeihen konnte war seine Werbung für Österreich impft.
Aber das ist nebensächlich.

Lilithwashere
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bam

Nebensächlich, aber erwähnenswert... pfff...

manfred130366
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Wer

drückt da bitte auf rot? Da kann man wirklich nur den Kopf schütteln...

Civium
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Jemand dessen Geist nicht

ausreicht um diesen Text zu erfassen!!