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Keine EntspannungZahl der Intensivpatienten stieg innerhalb einer Woche um 78 Prozent

Gesundheitsminister Rudolf Anschober erläuterte heute noch einmal, wie brisant das Infektionsgeschehen ist und warum die Regierung höchsten Handlungsbedarf sieht. "Die Zahl der Patienten steigt dramatisch." In den Intensivstationen wird es vor allem knapp mit dem Personal.

Coronavirus - Intensivstation Universitaetsklinikum Essen
© APA/dpa/Fabian Strauch
 

Der Marathon des österreichischen Gesundheitsministers geht in die nächste Runde: Seit einem halben Jahr ist Rudolf Anschober (Grüne) im Corona-Dauereinsatz. Am Samstag verkündete die Regierung den zweiten Lockdown, der mit dem morgigen Dienstag, 0 Uhr in Kraft tritt.

Warum man sich dazu entschlossen hat und wie sich die Zahlen entwickeln, will Anschober bei einer Pressekonferenz zur "Aktuellen Corona-Lage" erörtern, gemeinsam mit dem Infektiologen Herwig Kollaritsch, dem Intensivmediziner Klaus Markstaller und Virologin Monika Redlberger-Fritz.

4135 Neuinfektionen - das ist keine Entspannung, so Gesundheitminister Rudolf Anschober, auch wenn der Spitzenwert (am 30. Oktober) schon einmal bei 5.627 Fällen lag. Am Wochenende gebe es immer einen Verzögerungseffekt bei den Einmeldungen, so Anschober.

Alarmierend sei insbesondere der Anstieg bei den Hospitalisierungen (plus 62% im Vergleich zur Vorwoche) und bei der Belegung der Intensivbetten (plus 78%).

Das einzige, sinnvolle Gegenmittel: Die Zahl der Kontakte zu reduzieren, "daher sieht das Maßnahmenpaket so aus wie es aussieht". Österreich steuere auf eine Krisensituation im Gesundheitswesen zu. Dass jetzt möglichst viele Menschen mitmachen und zueinander auf Distanz gehen, sei entscheidend. "Das ist jetzt alternativlos. Wir können das ein zweites Mal schaffen."

Wirken würden die Maßnahmen erst in zehn Tagen, für die kommenden Tagen dürfe man daher keine zu großen Erwartungen haben. Schon das letzte Maßnahmenpaket, mit der 6-er bzw. 12-er Regel für Zusammenkünfte könnte allerdings in rund einer Woche Ergebnisse zeigen. Anschober: "Es ist gut, jetzt einen großen Wurf zu realisieren, die Notbremse zu ziehen, und nicht weiter in Etappen vorzugehen."

Infektiologe Herwig Kollaritsch erläuterte die Eckpunkte der Herausforderungen:

  • Die Reproduktionszahl liege derzeit weit über 1.  Wenn es gelinge, sie auf 0,9 zu drücken, bedeutet das, dass es drei Monate dauert, bis die Zahl der Infizierten auf 90 Prozent sinkt. Wenn die Reproduktionszahl nur 0,5 beträgt, gelingt das innerhalb von zwei Wochen. Diese Zahlen habe der Experte Florian Stiegler aus Graz errechnet.
  • Israel habe Erfolg gehabt mit seinem zweiten Lockdown. Man habe nun wieder eine epidemologisch günstigere Situation, wisse aber, dass sich das auch jederzeit wieder ändern könne. "Wir wissen, das wir uns über die bevorstehende kühlere Situation nur in Wellen drüberretten können."
  • Selbst, wenn es im Laufe des nächsten halben Jahres einen Impfstoff gibt, sei das Problem nicht erledigt: Es könnte ein Impfstoff sein, der vulnerable Gruppen schützt, aber die Krankheit nicht verdrängt, es könnte aber auch ein Impfstoff sein, der die Übertragung der Krankheit durch einen Geimpften verhindert, wie etwa bei der Masernimpfung. Erst dies würde letztlich auch zu einer Herdenimmunität führen.
  • Die neuen Impfstoffe ("es werden mehrere sein") werden aber auf jeden Fall nicht zu 99 Prozent effektiv sein, wie etwa die FSME-Impfung, sondern maximal zu 70 Prozent.
  • Auf jeden Fall sei klar: Abstandsregel und Maskenpflicht werden uns noch lange Zeit begleiten.

Virologin Monika Redlberger-Fritz erläuterte den "Beweis" für die epidemische Entwicklung: Es würden regelmäßig (auch in Nicht-Corona-Zeiten) von 250 Ärzten quer durch Österreich Abstriche von Patienten mit Husten, Schnupfen, Halsweh oder erhöhter Temperatur gemacht.

  • Zu Beginn der Covid-19-Krise seinen 5 Prozent dieser Proben corona-positiv gewesen,
  • vorletzte Woche 21 Prozent,
  • in der vergangenen Woche 40 Prozent.

Ab dem 20. Oktober habe der sprunghafte Anstieg begonnen. Die Gründe für diesen gewaltigen Sprung sind nicht bekannt. Das höhere Ausgangsniveau und die kühlere Jahreszeit seien nur ein Teil der Erklärung. Anschober betonte, in der Impfstoff-Frage handle Europa länderübergreifend. Es werde noch dauern, bis die ersten Impfstoffe zugelassen seien. "Dann kann es aber sehr schnell gehen."

Intensivmediziner Klaus Markstaller betonte, die Spitäler seien ein sicherer Ort. Es gebe praktisch keine Ansteckungen im Bereich des Personals und der Patienten. Es gebe ausreichend Schutzausrüstung, und die Erfahrung im Umgang mit der Krankheit und die Sorgfalt seien groß.

Zuletzt hatte die Gewerkschaft Alarm geschlagen und gemeint, das offenbar auch positiv getestete Personen noch Dienst in Alten- und Pflegeheimen machen müssten. Anschober betonte: "Da gehen wir kein Risiko ein." Man müsse unterscheiden zwischen Personen, an deren Blutbild noch erkennbar sei, dass sie Corona gehabt haben, und Personen, die noch ansteckungsfähig sind.

Ein Wettlauf mit der Zeit

Bei der Sitzung des Hauptausschusses im Parlament am Sonntag hatte sich Anschober optimistisch gezeigt, dass es mit den Maßnahmen gelingen werde, die Infektionszahlen in Österreich zunächst zu stabilisieren und dann schrittweise wieder abzusenken. Er verwies darauf, dass die Verordnung "in Rekordtempo" umgesetzt werde. Und das sei auch "absolut notwendig, denn es ist ein Wettlauf mit der Zeit, dass die Maßnahmen rechtzeitig wirken, bevor Österreichs Intensivstationen überlastet sind". 

Die Tiroler Intensivmedizinerin Barbara Friesenecker von der MedUni Innsbruck hat am Sonntagabend zur Coronakrise klargestellt, dass das größte Problem im Intensivbereich die Personalzahl ist. Gerade die Betreuung von Covid-19-Intensivpatienten ist sehr aufwendig, schilderte sie in der ORF-Sendung "Im Zentrum". "Es braucht eine sehr hohe Pflegeexpertise", konstatierte Friesenecker.

Engstelle Personal

"Es ist eher anzunehmen, bevor uns die Ressourcen und die Betten ausgehen, gehen uns die Personen aus, die solche Patienten auch betreuen können", sagte Friesenecker, auch Vorsitzende der ARGE Ethik in der Anästhesie und Intensivmedizin. "Wir sind nicht so ausgelegt, dass wir eine Pandemie bevorraten können. Wir sind so ausgelegt, dass wir im Normalbetrieb sehr knapp sind." Die Ärztin sagte, dass ein länderübergreifender Koordinator für Intensivplätze in der Zeit der Pandemie "sehr gut wäre".

Friesenecker warnte auch vor Überlegungen, im medizinischen Bereich oder auch in Alters- und Pflegeheimen Menschen arbeiten zu lassen, die zwar das Coronavirus laut einem PCR-Test noch in sich tragen, aber deren Ct-Wert nachweist, dass sie nicht infektiös sind. "Das halte ich für ausgesprochen riskant", betonte die Intensivmedizinerin. Man setze diese Menschen der Gefahr aus, dass sie durch die Arbeit krank würden, indem sie am Arbeitsplatz weiter belastet würden.

Kommentare (90)
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Lilithwashere
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Pfusch

wie gewohnt! Aus Erfahrung nichts gelernt! Dieser Lockdown kam zu spät, weil auf die touristische Wintersaison hingezielt wurde. Gastro zu? Warum? Kultur, njet! Warum? Wer die Logik hinter den Maßnahmen sucht, wird sie nicht finden.

lieschenmueller
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:-) - oder eher Kopfschütteln

17.15 Uhr = finster. Da ich mit dem Hund da fast immer rein komme, wir sind gewappnet. Beleuchtetes Halsband, was an der Leine das blinkt, und auch noch etwas befestigt an meiner Kleidung.

Mann spricht mich an: Wos hobm denn Sie do? Ich: finde es wichtig, dass ich sichtbar bin. Wenn schon fast jeder zweite Radfahrer im Dunkeln ohne Licht fährt, freuen sich Autofahrer, dass sie mich beim Spazierengehen gut sehen. Also zwecks der Sicherheit warats!

Er: SICHERHEIT, wenn ich das schön höre! Und dann ein Monolog über Corona. Ob ich eh wisse, diese Dingsda, diese Opernsängerin (ich durfte aushelfen mit Netrebko), ja, genau die, DIE hat es auch gehabt und ist wieder gesund geworden. Ob ich eh wisse, dass man da wieder gesund wird, und was sei denn das, die paar Tausend bei 8 Millionen Österreichern? Übrigens, er sagt's mir im Vertrauen. Er ist eigentlich ein Verweigerer.

Ich: Nunja, ich wollte jetzt keine Ausführungen über Corona, er hätte mich gefragt, wozu die Leuchterei an mir und dem Hund. Immer einen Schritt zurücktretend, weil er wurde laut (aber dies freundlich). Da ich aber schaue, dass ich keinem sehr nahe komme, bin ich nicht scharf drauf, dass sich nicht mal einen Babyelefanten Entfernung wer in Rage redet.

Zum Schluss noch an mich: Und was das Batterie braucht! Als ich ihm antwortete, das meiste könne ich wie ein Handy aufladen, fiel ihm nichts mehr ein zu soviel Schnickschnack. Abschlussfrage, ob er dem Tier auf die Nerven gehe? Ich: Neeeein, nicht doch!

FritzTheCat
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...

einfach köstlich :). Danke für den Beitrag !

Lilithwashere
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lieschen

"Wir" sind auch beleuchtet, eben um für andere sichtbar zu sein und ... *zwinker*... damit ich meinen schwarzen Hund im Finstern auch sehen kann. Anscheinend lebe ich in einer "normalen" Umgebung. Keine MNS-Verweigerer, 99 % halten Abstand. Meine kleine "Blase" funktioniert ;)

lieschenmueller
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@Lilithwashere

Grotesk ist, ich gehe außer 2 x wöchentlich Einkaufen kaum wo hin im Moment. Und dann rückt mir jemand Unbekannter auf der Straße ziemlich nahe. Ich versuche im Leben generell höflich zu sein und deshalb bin ICH immer weiter zurück gewichen, um den Abstand einzuhalten. Das Richtige wäre gewesen, prompt das "Gespräch" abzubrechen, seine kruden Ansichten interessierten mich null, und eine Diskussion erspare ich mir schon lange mit solchen Leuten, weil nutzlos.

leserderzeiten
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Wieviel Sonderurlaubstage, oder Lebkuchen gibt's es danach wieder für die Pflege der KAGes?

Als Dankeschön für den Einsatz in dieser Zeit, Herr Vorstandsvorsitzender Dr. Tscheliessnigg und Frau Gesundheitslandesrätin Bogner-Strauß?

samro
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so weit das zu lesen war

ein gustostueckl gerade dieses einen spitals. also entscheidung bei diesem chef?
von den anderen hat man nichts in diese richtung gehoert.
gott sei dank.
aber indiskutabel die aktion mit dem lebkuchen finde ich!

leserderzeiten
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.

Frau Dr.

Bobby_01
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Warum

werden bei der Ages keine aktuellen Fallzahlen der Bezirke angezeigt??
Wo kann man die nun finden, weiß das jemand?

samro
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die werte der aktiv

infizierten meinen sie aufsummiert bisher?

das ist bissl versteckt: oben auf der seite ist ein download.
da csv download. das sind lauter tabellen. und hier bezirke auswaehlen. der file ist es.

Bobby_01
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Samro

Das kenn ich, gibt es aber seit heute nicht mehr.,??

Mein Graz
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@Bobby_01

Ist nach wie vor da.

Bobby_01
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graz

ja ist wieder da, aber mit einer nicht aktuellen Uhrzeit (10:00 Uhr)

MG1977
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+78 Prozent?

was bedeutet das in Zahlen?

feringo
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@MG1977 und @HB2USB +78 Prozent?

HB2USB, die 78% konnte ich tatsächlich nicht mit Downloaddaten (IBAuslastung) verifizieren. Könnte sein, dass in diesen Daten nur Covid-19-Fälle eingerechnet sind und in den 78% alle Intensiv-Fälle?
Probieren Sie mal:

Ausgang: 10 Personen auf intensiv,
1 Woche später : 10 + 78% = 17,5
2 Wochen später: 17,8 +78%= 31,68
3 Wochen später: 31,68+78%= 56,39
4 Wochen später: 56,39+78%= 100,38
5 Wochen später: 100,38+78%=178,68
6 Wochen später: 178,68+78%=318,06
7 Wochen später: 318,06+78%=566,16
8 Wochen später: 566,16+78% = 1000 Personen, ca.
oder
Ausgang: 100 Personen auf intensiv,
1 Woche später : 100 + 78% = 178
2 Wochen später: 178 + 78% = 316,84
3 Wochen später: 316,84+78%= 563,97
4 Wochen später: 563,97+78%=1.000 Personen
5 Wochen später: 1003,87+78%=1.786,89
6 Wochen später: 1786,89+78%=3.180,68
7 Wochen später: 3180,68+78%=5.661,61
8 Wochen später: 5661,61+78% = 10.000 Personen, ca.

Intensiv-Auslastung
am 26.11.2020: 22%, am 02.11.2020: 34%
Daraus ergeben sich keine 78% an Steigerung, sonder max. 65% oder 55%, je nach Ansatz des Grundwertes.

Carlo62
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Was bedeuten die absoluten Zahlen...

...wenn man nicht weiss, wieviel Intensivbetten zur Verfügung stehen. Die prozentuelle Auslastung ist daher aussagekräftiger. Und ein Anstieg von 78% in einer Woche bedeutet, dass es in ca. 10 Tagen eine Verdoppelung der Intensivpflegefälle gibt!

adidasler
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@mg1977

...nichts - vergessens jetzt absolute zahlen - 78% klingt dramatischer....
absolute zahlen sind nur für die "positiv getesteten" reserviert sonst würds nicht soviel angst verbreiten

DannyHanny
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Was bedeuten diese 78%

Am Montag den 26.10.2020.......188 Personen auf der Intensiv
Am Montag den 02.11.2020........336 Personen auf der Intensiv

tartaruga
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Nachzulesen

auf der ersten Seite: 366 (Stand heute, 9:30). Und dann rechnen Sie selbst!

mobile49
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und ein covidintensivpartien belegt bis zu 4 wochen ein solches bett

im extremfall sogar noch viel länger.
ein "normaler" intensivpatient durchschnittlich 3 tage

mobile49
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78%

mehr covidintensivpatienten als vor 7 tagen

frogschi
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Dies ist eine berechtigte Frage.

Ob dazu eine Ergänzung kommt? Was glauben Sie?

visw1
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Plasma

Bei der ersten Welle hörte man viel vom "Plasma spenden"und Corona geheilte damit Infizierten das Leben gerettet haben!
Gibt es diese Hilfe nicht mehr?

bam313
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Doch, gibt es noch.

Ich war im Frühjahr infiziert und habe deswegen (Stand September) noch etliche Antigene.
Damals wurde ich nämlich gebeten Blutplasma zu spenden, was ich auch gemacht habe (am Grazer Hauptbahnhof).
Dafür bekam ich sogar beinahe 200 €.

Ein paar Monate ist man nach der Erkrankung trotzdem nahezu immun, weil man ja die Antigene noch in sich trägt.
Allerdings verschwinden die Antigene nach längerer Zeit leider wieder.
Ich hatte mich dort länger mit einer Ärztin unterhalten, deswegen weiß ich das.
Aber die waren ganz scharf auf mein Blutplasma, welches zum Teil in die Forschung ging .
Der andere Teil wurde direkt an anderen Patienten meiner Blutgruppe eingesetzt, weil ich sehr viele Antigene aufgebaut hatte.

Jedoch bauen sich diese Antigene sehr rasch wieder ab.
Dort meinte man, dass ich bis zu 9 Monaten geschützt sein könnte.

erstdenkendannsprechen
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antigene? könnte es nicht sein, dass sie noch antikörper haben?

wissen sie, was antikörper und was antigene sind?
sind sie sicher, dass es eine ärztin war, die ihnen was von antigenen in ihrem plasma erzählt hat?
antigene sind stoffe, die in einem fremden organismus eine immunreaktion AUSLÖSEN können und die kann in der folge zur bildung von ANTIKÖRPERN führen - das sind zwei komplett verschiedene dinge!
ANTIKÖRPER meinten sie wohl..... und meinten, sie können eine medizinische lehrstunde halten hier...

bam313
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Ich bin kein Mediziner!

Danke für ihren Anschiss!
Aber im Grunde läuft es auf das selbe raus, ob das nun Antigene oder Antikörper heißt.
Erst denken und dann sprechen ...

 
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