Wenn der Bundeskanzler es macht, kann es nicht so falsch sein, mögen sich manche Eltern denken: Alfred Gusenbauers Tochter Selina besucht eine Wiener Privatschule. Damit liegt die Familie des Kanzlers voll im Trend, denn Österreichs Privatschulen erfreuen sich eines starken Zulaufes, wie aus Daten der Statistik Austria hervorgeht.

Trend. Fast jeder zehnte Schüler in Österreich drückt die Bank eines privaten Erhalters. Im Schuljahr 2006/07 waren es exakt 106.365 bzw. 8,9 Prozent von 1,2 Millionen Schülern. Vor zehn Jahren betrug dieser Anteil noch 7,7 Prozent. Deutlicher ist der Trend an einer anderen Zahl abzulesen: Mit einem Plus von 15,3 Prozent ist die Zahl der Schüler an Privatschulen viel stärker gewachsen als die Gesamtschülerzahl (plus 0,75 Prozent).

Nach Schultypen. Den höchsten Anteil an Privatschülern gibt es an den berufsbildenden mittleren Schulen (22,4 Prozent), an den AHS (14,9 Prozent) und den berufsbildenden höheren Schulen (12,2 Prozent). Größter privater Erhalter von Schulen ist die römisch-katholische Kirche, in deren Einrichtungen sich zwei Drittel der Privatschüler befinden. International gesehen sind die österreichischen Werte jedoch nach wie vor niedrig, denn in der Europäischen Union wird im Schnitt jeder fünfte Schüler privat unterrichtet.

Moderater Anstieg. In der Steiermark ist dagegen nur ein moderater Anstieg in den Privatschulen zu bemerken, sagt Robert Hinteregger, Landesschulinspektor für die AHS. Die Zahlen belegen dies: Derzeit sind knapp 3000 Jugendliche an einer privaten AHS eingeschrieben, vor 15 Jahren waren es 2500. In den höheren Schulen für wirtschaftliche Berufe stieg die Zahl seit 1993/94 von 1200 auf 1630. Im Pflischtschulbereich ist sie in den letzten fünf Jahren leicht zurückgegangen.

Qualität. "Eltern meinen vielleicht, dass sich an Privatschulen weniger gesellschaftliche Probleme aufstauen, dass es weniger Verhaltensstörungen gibt und man sich Lehrer und Mitschüler aussuchen kann", versucht Hinteregger zu erklären. Die Qualität privater Erhalter stuft Hinteregger sehr hoch ein, doch als "Verfechter der öffentlichen Schulen" betont er: "Da gibt es eine Reihe, die mit den Privaten mithalten können. Ein sprunghafter Anstieg der Zahlen in Privatschulen wäre für mich sehr besorgniserregend."