Beim Surfen im Internet stoße ich auf der Homepage des Filmarchivs Austria auf eine alte Wochenschau vom Februar 1965, die vom Kuraufenthalt des persischen Schahs in Bad Gastein berichtet. Sein ältester Sohn Reza, der Kronprinz, der gegenwärtig in aller Munde ist, war damals nicht einmal fünf Jahre alt. Erst jetzt, beim Betrachten von aktuellen Fotos fällt mir auf, wie ähnlich er dem Vater sieht.

Mohammad Reza Pahlavi (1919-1980), der letzte Schah von Persien, war ein eitler Despot von Gnaden der USA. Nach dem Vorbild Atatürks wollte er den Iran gegen den erbitterten Widerstand des konservativen schiitischen Klerus modernisieren. Dabei stützte er sich auf die prowestlich gesonnenen Eliten des Landes. Die politische Opposition gegen seine autoritäre Herrschaft unterdrückte er gewaltsam. Sein mit Hilfe der CIA aufgebauter Geheimdienst SAVAK verbreitete Furcht und Schrecken.

Der von Ajatollah Khomeini angeführte Volksaufstand, der Mohammad Reza Pahlavi 1979 vom Thron stürzte, war von einer breiten Allianz geistlicher und säkularer Kräfte getragen. Ältere Zeitgenossen werden sich noch erinnern, wie der verjagte, schwerkranke Monarch von Land zu Land zog und seine ehemaligen westlichen Verbündeten vergeblich um Aufnahme anbettelte, während im Iran die Mullahs Schritt für Schritt die Revolution kaperten und das Land in eine islamistische Diktatur verwandelten.

Kinder können bekanntlich nichts für ihre Eltern. Aber dass viele Iraner, allen voran die Jungen, ausgerechnet in Reza Pahlavi ihre Hoffnungen in einen Neuanfang setzen, ist eine der vielen Ironien, die die Geschichte immer wieder bereithält.

Ob der Sohn des letzten Schahs, der fast ein halbes Jahrhundert lang ein gewiss nicht zu bitteres Leben im Exil führte, wirklich ein Akteur des Wandels im Iran sein kann, darf bezweifelt werden. Ja nicht einmal, ob er Gelegenheit bekommt, sich unter Beweis zu stellen, ist sicher. Zwar ist das iranische Regime enthauptet, der oberste Führer Ali Khamenei tot, begraben unter den Trümmern seiner Residenz. Doch besiegt ist es noch nicht, meint mit herzlichen Grüßen

Stefan Winkler