Offenbar setzten alle auf Schmeicheleien, während der tatsächliche Fortschritt eher nur symbolisch blieb. US-Präsident Donald Trump machte dem deutschen Kanzler Friedrich Merz Komplimente für dessen Sonnenbräune; dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron flüsterte er zu, es werde einen Deal geben. Italiens Premierministerin Giorgia Meloni, die Trump nahesteht, dankte ihm für seine Führung. Der britische Premier Keir Starmer, der Trump seit Monaten um den Bart geht, erkannte ein „Gefühl der Einheit“. Der finnische Präsident Alexander Stubb, mit dem Trump Golf spielt und EU-Kommissarin Ursula von der Leyen ließen sich das Dabeisein nicht nehmen.
Trump machte Selenskyj Komplimente für seinen schwarzen Anzug, aber Putin wurde vor drei Tagen wesentlich freundlicher und sogar mit militärischen Ehren empfangen. Trump unterbrach zudem das Gespräch mit den Europäern, um einen Telefonanruf von Putin entgegenzunehmen, der sich 40 Minuten lang erstreckte.
Während sich die europäischen Politiker bemühten, Trump ein nettes Gesicht zu zeigen —der Präsident reagiert gut auf Schmeicheleien — war der tatsächliche Fortschritt eher symbolisch. Noch während des Treffens feuerte Putin Drohnen auf mehrere Orte in der Ukraine ab, zahlreiche Menschen wurden getötet. Trump wollte auch von einer sofortigen Waffenruhe, die Macron vorschlug, nichts wissen.
Selenskyj hatte Trump und dessen Gattin Melania zuvor gebeten, sich für verschleppte ukrainische Kinder einzusetzen. Laut Financial Times hat der ukrainische Premier Trump auch angeboten, hundert Millionen Dollar für amerikanische Waffen auszugeben, finanziert von den europäischen Ländern.
Ein Gipfeltreffen zwischen Trump, Putin und Selenskyj wurde angestrebt, aber nicht vereinbart. Zunächst sollten sich nur Putin und Selenskyj treffen, meinte der US-Präsident. Aber auch das ist unklar. Während NATO-Generalsekretär Mark Rutte sagte, das sei vereinbart, wurde das von den Osteuropäern nicht bestätigt. Merz wiederum sagte, es werde ein bilaterales Treffen in den nächsten zwei Wochen geben.
Unausgesprochen im Raum stand der Deal, den Trump dem Vernehmen nach gerne hätte. Die Ukraine soll ihre östlichen Gebiete, vor allem den Donbass, an Russland abgeben. Dafür zieht Putin sich zurück, während der Westen Sicherheitsgarantien gibt. Das meinte der Präsident, als er sagte, es liege an Selenskyj , Frieden zu schaffen. Auch Außenminister Marco Rubio meinte, beide Seiten müssten zu Konzessionen bereit sein. Allerdings wäre damit die russische Armee substantiell näher an Kiew gerückt — die Hauptstadt des Landes, das Putin als Teil von Russland sieht.
Und ohnehin, was ist mit Sicherheitsgarantien gemeint? NATO-Truppen, die in der Ukraine stationiert sind? Trump will keine amerikanischen Soldaten, und in der US- Bevölkerung wäre das alles andere als populär. Nicht bei den Trump-treuen MAGAs, aber auch nicht bei Demokraten, die der Ukraine gegenüber zwar freundlicher gesinnt sind, aber derzeit eher damit beschäftigt, ihre politischen Wunden zu lecken.
Trump postete auf Truth Social, Europa sollte die Sicherheitsgarantien geben, während Amerika diese nur koordiniere. Dass die Europäer militärische Muskeln gegenüber Russland spielen lassen, ist dort allerdings auch nicht Konsens; allenfalls würden Starmer und Macron Truppen einsetzen — wenn überhaupt.
Trump, der versprochen hat, den Krieg an seinem ersten Amtstag zu beenden, ist inzwischen eher genervt. Allerdings hätte er gerne den Friedensnobelpreis und er hat auch schon Gespräche mit dem norwegischen Staatschef Jens Stoltenberg geführt, dem er im Ausbleibefall mit Strafzöllen drohte. Und ein Ende des Ukrainekrieges, das er garantiert als sein eigenes Verdienst reklamieren würde, könnte ihm das bescheren.
Dabei gibt es die Sicherheitsgarantien eigentlich schon. Im Budapester Abkommen, das 1994 unterzeichnet wurde, versprachen Russland, Großbritannien und die USA der Ukraine militärischen Schutz. Dafür trat das Land dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigte sämtliche Atomwaffen auf seinem Territorium. Die könnten Terroristen in die Hände fallen, fürchtete der damalige US-Präsident Bill Clinton. Das Budapester Abkommen wurde aber weder von der russischen Duma noch vom US-Kongress ratifiziert, der sich nicht verpflichten wollte, Truppen zu schicken. Nach der Annexion der Krim und dem Einmarsch in die Ukraine warf Clinton Putin vor, das Abkommen zu verletzen. Aber militärisch eingreifen wollte Amerika nicht.