Am Landesgericht Salzburg ist am Mittwoch der Prozess gegen einen 52-Jährigen wegen zweifachen Mordes fortgesetzt worden. Der Angeklagte, ein ehemaliger Detektiv, hatte am Dienstag gestanden, seine 50-jährige Ex-Freundin und deren 76-jährige Mutter am 5. Mai 2021 in Wals-Siezenheim (Flachgau) aus "emotionaler Belastung" erschossen zu haben. Der Bruder der 50-Jährigen erklärte, er und seine Mutter seien gegen die Liaison gewesen, weil sie sich vor dem Mann gefürchtet hätten.

Der damals 51-jährige Angeklagte war um 22.30 Uhr zu dem Einfamilienhaus gefahren, in dem die 50-Jährige wohnte. Zunächst soll es zu einem verbalen Streit mit der Mutter gekommen sein. Diese habe ihn massiv beleidigt, ihn auch als Hausdieb bezeichnet, und versucht, ihn aus dem Haus zu boxen, schilderte gestern der Salzburger. Er zog seine Waffe und gab laut Anklage aus kurzer Distanz elf Schüsse aus seiner Glock-Pistole Kaliber 7,65 mm ab. Zehn Schüsse trafen die Frauen, sie verbluteten. Die Staatsanwältin sprach von einer Hinrichtung und einer geplanten Abrechnung.

Der Bruder der 50-Jährigen schilderte heute dem Geschworenengericht unter Vorsitz von Richter Philipp Grosser, warum er und seine Mutter gegen die Beziehung der Schwester mit dem Detektiv waren. Zunächst schien noch alles in Ordnung. Im November 2020 habe die Schwester erzählt, dass sich der Mann mit ihr treffen wolle, sie kenne ihn schon von früher. "Sie sagte, ein bissl ein Spitzbua ist er schon", und habe ihn abblitzen lassen.

Als der Detektiv der Familie wegen einer internen Angelegenheit helfen habe wollen, habe die Mutter zu ihrer Tochter gesagt, "warum triffst du dich nicht auf einen Kaffee mit ihm, er ist ein ganz sympathischer Kerl", erzählte der Zeuge. "Dann sind sie im Klessheimer Park spazieren gegangen." Als seine Schwester von dem Treffen erzählte und sagte, der Mann habe sie gefragt, was für ein Handy sie habe, "da dachte ich mir: Vorsicht". Eine Woche danach ging er am späteren Abend hinüber in das Haus seiner Schwester - "jeder von uns hat ja die Schlüssel vom anderen gehabt und die Zimmer betreten". Da sei der Salzburger auf ihrer Couch gesessen. "Meine Mutter und ich haben dann geschaut, ob das geordnet abläuft."

Der Richter merkte an, dass es sich bei der Schwester ja um eine erwachsene Frau gehandelt habe, warum man da nachschauen müsse? "Er war unangemeldet und das hat die Mutter gewusst." Die Vorhänge seien offen gewesen und die beiden eng beieinander gesessen. Seine Schwester habe danach ihm und seiner Mutter gegenüber erklärt, "sie lässt ihn nie wieder herein". Dass sich zwischen den beiden offenbar eine Beziehung entwickelte, habe er damals nicht bemerkt.

Zu Weihnachten sei die Mutter immer nervöser geworden, wegen der "übertriebenen Liebesbotschaften" des Salzburgers an seine Schwester und der "überhäuften Geschenke", die der Mann auch vor dem Zaun ablegte, schilderte der Bruder. Zudem habe der Detektiv beim zweiten Besuch der Schwester schon eine Pistole gezeigt. "Er ist immer auffälliger geworden. Die Mutter hat das richtig erkannt." Eigenartig sei auch gewesen, dass der Angeklagte bereits in der zweiten Adventswoche seiner Verwandtschaft erzählt habe, er und die Schwester seien ein festes Paar, und er Weihnachten gemeinsam feiern habe wollen. "Da haben wir uns überrumpelt gefühlt."

Nachdem er dem Salzburger eine SMS geschrieben habe, dass sie die "unangebrachten Geschenke" nicht annehmen würden, habe dieser seine Familie einige Tage nach Weihnachten auf der Straße abgepasst. "Er hat uns aufbrausend und beherrschend zur Rede gestellt, warum wir nicht die Geschenke annehmen wollen", sagte der Bruder. Es kam schließlich zu Konflikten und Vorwürfen wie Hausfriedensbruch. "Ich sagte zu meiner Schwester, ich fühle mich unsicher. Er hat dir doch eine Pistole gezeigt. Es ist unmöglich mit dem."

Ängste nicht ernst genommen

Bei einer weiteren Konfrontation habe der Salzburger mit der rechten Hand in seine halb offene Winterjacke gegriffen, "im Bereich, wo eine Pistole sein könnte. Von da an habe ich mich gefürchtet". Er habe auch befürchtet, dass der Detektiv die Daten von Kunden des Arbeitgebers der Schwester im Visier gehabt habe und diese vielleicht weiterverkaufen wolle. "Er hat meine Schwester unter Kontrolle gebracht." Sie aber habe gemeint, sie werde ihn ohnehin nicht heiraten, weil sie keinen Vorteil daraus habe.

Auf die Frage des Richters, warum er die Beziehung der beiden nicht einfach so belassen habe, antwortete der Bruder: "Weil ich den Mann als gefährlich eingeschätzt habe." Er habe sich auch beim Österreichischen Detektivverband erkundigt, ob der Salzburger überhaupt ein Mitglied ist und eine scharfe Waffe tragen dürfe. "Meine Sorgen wurden nicht erkannt." Er habe den Salzburger als Stalker eingeschätzt und dessen Arbeitgeber im Jänner 2021 geschrieben, "dass wir uns fürchten". Die Reaktion sei unfreundlich gewesen.

Der Bruder sagte weiters zum Richter, die Schwester habe sich verfolgt gefühlt, weil der Detektiv ihren Tagesablauf gekannt habe. Sie sei aber gegen die Erstattung einer Anzeige gewesen. Bei einem Gespräch mit Polizisten habe er erklärt, dass der Salzburger finanzielle Absichten habe und dieser seine Schwester zu einer Partnerschaft zwingen wolle, so der Zeuge. Schließlich wurde vereinbart, die Beziehung ruhend zu stellen. Zuvor habe der Detektiv noch in einer SMS einen Suizid angekündigt, falls die Frau die Beziehung beende.

Dass es nach der Vereinbarung zu "wechselseitigen und gewollten Kontakten" zwischen der Schwester und dem Detektiv gekommen ist, wie der Richter auf den Akt verwies, davon habe seine Schwester ihm gegenüber nichts erzählt, sagte der Zeuge. Seit März habe sie sich ausgeschwiegen. Der Mutter gegenüber habe der Angeklagte allerdings Ende Februar beteuert, "wir lieben uns innigst".

Ein Polizist habe bei der Aussprache noch zu ihm gesagt, falls der Salzburger trotz der Abmachung, er werde sich von der Frau und ihm fernhalten, wiederkomme, sollten sie den Polizeinotruf wählen. "Ich sagte, dann kommts wie damals in Kitzbühel zum Leichenzählen. Und genauso war es dann." Ein Urteil wird vermutlich morgen, Donnerstag, gesprochen.