Am Landesgericht Salzburg ist heute, Dienstag, ein dreitägiger Prozess gegen einen 52-jährigen Salzburger wegen des Vorwurfs des zweifachen Mordes gestartet. Der ehemalige Privatdetektiv hat gestanden, am 5. Mai 2021 in Wals-Siezenheim (Flachgau) seine 50-jährige Ex-Freundin und deren 76-jährige Mutter erschossen zu haben. Die Tat konnte er sich nicht erklären. "Es war ein Blackout, eine emotionale Belastung, ich hab' einen Realitätsverlust erlitten und meine Waffe gezogen."

Der damals 51-jährige Salzburger war um 22.30 Uhr zu dem Einfamilienhaus gefahren, in dem die 50-Jährige wohnte. Zunächst soll es zu einem verbalen Streit mit der Mutter gekommen sein, die wie der Bruder der 50-Jährigen offenbar gegen die Beziehung der beiden war. Die Mutter habe ihn massiv beleidigt, ihn auch als Hausdieb bezeichnet, und versucht, ihn aus dem Haus zu boxen. Da habe er seine Waffe gezogen, sagte der Beschuldigte. Aus kurzer Distanz gab er laut Anklage elf Schüsse aus seiner Glock-Pistole Kaliber 7,65 mm ab, die er legal besessen hatte.

Drei Schüsse trafen die Mutter im Kopf und sieben Schüsse die Tochter im Oberkörper. Ein Schuss ging ins Leere. Der Angeklagte habe die Waffe sogar noch nachgeladen, weil es dann aber zu einer Ladehemmung gekommen sei, habe er keine weiteren Schüsse mehr abgeben können, erklärte Staatsanwältin Elena Haslinger. Als die 50-Jährige bereits am Boden gelegen sei, habe ihr der Mann noch mitten ins Gesicht geschossen.

Staatsanwältin: "Hinrichtung"

Die Staatsanwältin sprach von einer Hinrichtung, einer geplanten Abrechnung und einem "beispiellosen Verbrechen". Der Angeklagte sei schwer bewaffnet zu dem Haus gefahren, mit einer voll beladenen Schusswaffe und zwei zusätzlichen Magazinen aus dem Auto gestiegen, er habe auf sie gewartet und schließlich die Schüsse abgegeben.

Die beiden Frauen verbluteten. Bereits vor der Polizei fand der bisher unbescholtene Salzburger und Vater von zwei Kindern keine Erklärung für die Tat. Er beteuerte, die 50-Jährige "abgöttisch" geliebt zu haben. Sein Verteidiger Andreas Schweitzer meinte, "es war eine emotionale Explosion, die zu dieser wahnsinnigen Tat geführt hat". Es habe sich nicht um einen geplanten Mord oder eine Hinrichtung gehandelt, sondern "um eine Art Overkill".

Konflikt mit Familie der Ex-Partnerin

Die Emotionen hätten sich bei dem Angeklagten aufgrund des Konfliktes mit der Mutter und dem Bruder der 50-Jährigen aufgestaut, sagte der Verteidiger. Sein Mandant sei immer wieder mit diskreditierenden Aussagen konfrontiert worden. "Er wurde als Sozialschmarotzer, als Nichtsnutz bezeichnet", der nur auf das Vermögen und das Haus der 50-Jährigen aus gewesen sei, mit der er seit November 2020 eine Beziehung geführt habe. Da aber Mutter und Bruder dagegen gewesen seien, hätten sich die beiden zuletzt nur mehr heimlich getroffen. Der Angeklagte selbst schilderte dem vorsitzenden Richter Philipp Grosser von Treffen auf Parkplätzen vor Einkaufszentren und Supermärkten und auch von nächtlichen Zusammenkünften im Haus des späteren Opfers. "Sie hat mir die Terrassentüre offengelassen."

Vor Gericht entschuldigte sich der Angeklagte bei der Familie des Opfers für die Tat. "Das Ganze tut mir immens leid. Ja, ich habe geschossen. Ich war in der Situation total neben mir, ich habe mich neben meinem Körper gefühlt." Danach flüchtete der Salzburger mit seinem Wagen. Er wurde am 6. Mai um 4.30 Uhr in Abersee am Wolfgangsee festgenommen, nachdem er einer Ex-Lebensgefährtin am Handy die Tat gestanden, sich der Cobra gestellt und zuvor Suizid angekündigt hatte. Die Beamten stellten bei ihm zwei geladene Schusswaffen und 106 Patronen sicher, die er legal besessen hatte. Wegen der in einem Gerichtsgutachten attestierten Gefährlichkeit und Persönlichkeitsstörung des Mannes beantragte die Staatsanwaltschaft eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme, aber zurechnungsfähige Rechtsbrecher.

Mehrere Dosen Bier vor der Tat getrunken

Die Konflikte zwischen dem Bruder der getöteten 50-Jährigen, der Mutter und dem Angeklagten hat auch die Staatsanwältin bei dem Prozess thematisiert. "Die Animositäten haben sich stetig gesteigert." Der Beschuldigte soll die Frau auch gestalkt haben. Am Tag der Bluttat habe er ihr drei E-Mails geschickt haben, die unbeantwortet geblieben sind. Schließlich wartete er am Abend solange, bis sie vom gegenüberliegenden Haus der Mutter in ihr eigenes Haus zurückkehrte. Zuvor trank er bei einem nahe gelegenen See noch fünf bis sechs Dosen Bier.

Beim Wiedersehen mit seiner Freundin "hat sie sich gefreut, mich
zu sehen. Wir haben uns im Vorhaus umarmt und geküsst", sagte der
Angeklagte zum Richter. Plötzlich sei die Eingangstüre aufgeflogen
und die Mutter hereingekommen, die ihn wüst beschimpft habe. "Ich
habe keine Erklärung, warum ich auf meine Liebe geschossen habe",
betonte der Salzburger erneut. Der Prozess soll am Mittwoch und Donnerstag fortgesetzt werden.