Wenig FortschritteExperten rüffeln die Artenschutzpolitik in Österreich

Die Fachleute des Biodiversitätsrats sehen wenig Fortschritte beim Schutz der Artenvielfalt in Österreich. Sie fordern, die Lücke zwischen Bekenntnissen und Handeln zu schließen.

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THEMENBILD: MAISERNTE IN NIEDEROeSTERREICH
Auch Monokulturen schränken den Artenreichtum ein © APA/HARALD SCHNEIDER
 

Viel Rot, wenig Grün – so liest sich das Ergebnis des Barometers zur österreichischen Biodiversitätspolitik, das der Biodiversitätsrat heute veröffentlicht. 20 Experten unterschiedlicher Fachdisziplinen haben darin zum zweiten Mal eingeschätzt, ob und wie konsequent Österreich Maßnahmen gegen die rasende Dezimierung von Tier- und Pflanzenarten ergreift. Das Fazit der Fachleute ist durchwachsen.

Zwar sei in den vergangenen beiden Jahren durch ein gestärktes Umweltministerium und einen ambitionierten Entwurf einer Biodiversitätsstrategie einiges in Bewegung geraten, heißt es im Bericht. „Aber die wenigen tatsächlich gesetzten Schritte der Politik sind viel zu klein“, sagt Irmgard Greilhuber, Botanikerin an der Uni Wien und im Leitungsteam des Biodiversitätsrats. Anzeichen, dass die Krise der Artenvielfalt im Land in nächster Zeit entschärft werden könnte, gibt es nicht. So sind in den vergangenen 20 Jahren 40 Prozent aller Brutvögel aus den Kulturlandschaften verschwunden und die Verluste setzen sich fort.

Nur wenige Forderungen umgesetzt

Von den 19 vor zwei Jahren vorgebrachten Forderungen des unabhängigen Expertengremiums habe die Politik bislang nur einen vollständig umgesetzt, zwölf dagegen überhaupt nicht. So empfehlen die Fachleute nachdrücklich, in jeder Gemeinde zehn Prozent der Kulturland- und Waldflächen in Rückzugsgebiete für die Artenvielfalt zu verwandeln. Das erfordere ein Umsteuern in der Agrar- und Forstpolitik und bessere Artenschutzprogramme. „Stattdessen steigen die Verbauungsraten weiter“, kritisiert Thomas Wrbka, Biodiversitätsforscher an der Uni Wien.

Lexikon

Der Biodiversitätsrat des Netzwerks Biodiversität Österreich setzt sich aus 20 Expertinnen und Experten zusammen und agiert unabhängig. Er konstituierte sich 2019 und wird im nächsten Jahr neu gewählt.

Die Biodiversitätsstrategie 2030 Österreichs liegt bislang als Verhandlungsentwurf vor und soll helfen, den Artenschwund zu bremsen. Das fertige Papier soll im Februar 2022 präsentiert werden.

Was die Fachleute ebenfalls für dringend geboten halten, ist ein Rahmengesetz des Bundes für den Naturschutz. Dieser ist nämlich reine Ländersache, was eine schlüssige Umweltpolitik erschwere. „Es wäre wichtig, wenn der Bund Eckpunkte im Naturschutz vorgeben könnte, an die sich alle Länder halten müssen“, sagt Wrbka.

Auch am Geld hapert es. Zwar wurde der Biodiversitätsfonds des Bundes heuer auf 50 Millionen Euro aufgestockt. Nötig sei aber eine Milliarde, sagt der Ökologe Franz Essl und mahnt: „Wir sind dabei, die Lebensgrundlage unserer Gesellschaft zu zerstören.“

Kommentare (2)
schandopr
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Klima/Menschen - Zukunft

Bibel: ... dann wird man/frau klagen und mit den Zähnen knirschen.
Klimaschutz ist nutzlos, wenn sich der Mensch mit seinen eigenen Waffen auslöschen kann. Aber Umdenken ist das Schwerste.

zweigerl
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Geld!

Geld! Geld! Geld! 1 Milliarde mindestens zur Förderung der Aktivitäten der Biodiversitätskommission. Das ist ja genau der falsche Denkansatz, dass man die letzten naturbelassenen Räume endlich in Ruhe lässt. Nur für Renaturalisierungsmaßnahmen sollte dieses Geld eingesetzt werden. Nicht für weitere "Studien". Die gibt es seit ewig und erbringen immer das gleiche Resultat, dass die Artenvielfalt im Abstrerben begriffen ist.