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Auch weniger ToteDeutlich weniger Alpinunfälle im Coronawinter

Die Corona-Restriktionen haben im vergangenen Winter in Österreich zu einem Rückgang an Alpinunfällen um rund zwei Drittel im Vergleich zum Zehn-Jahres-Mittel geführt.

© APA/ZOOM.TIROL
 

Das war der vom Österreichischen Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) am Dienstag veröffentlichten Alpinunfallstatistik zu entnehmen. Die Zahl der Unfalltoten sank im Vergleich zum langjährigen Mittel um ein Drittel. Während in der Saison davor 116 Personen am Berg ums Leben kamen, waren es im vergangenen Winter 88 Opfer.

Insgesamt registrierte die Alpinpolizei im Zeitraum November 2020 bis Mitte April 2021 in Österreich 1.848 alpine Unfallereignisse (Zehn-Jahres-Mittel: 5.098 Unfälle). Im Vorjahr waren es 4.950. 2.494 Verunfallte (Tote, Verletzte und Unverletzte) wurden registriert, um etwa 5.600 Verunfallte weniger als im Vergleich zum langjährigen Mittel von 8.138 Personen und deutlich weniger als in der Vorjahressaison 2019/20 mit 7.895.

Besonders im organisierten Skiraum – das sind Pisten, die nicht zwingend zu präparieren sind, Übungshänge und Funparks – abseits von urbanen Einzugsgebieten seien deutlich weniger Skifahrer und Wintersportler verzeichnet worden, informierte das ÖKAS. Im organisierten Skiraum verunfallten österreichweit insgesamt 703 Personen (Zehn-Jahres-Mittel: 6.032), davon sechs tödlich (Zehn-Jahres-Mittel: 33 Tote). Drei Personen verunglückten tödlich aufgrund einer Herz-Kreislauf-Störung. Dies sei, so der ÖKAS, auch im langjährigen Mittel bei etwa 50 Prozent die Hauptunfallursache, gefolgt von Sturz (zwei Tote 2020/21), Aufprall gegen ein Hindernis (ein Toter 2020/21) und Kollision. Rund 88 Prozent der auf Pisten Verunfallten waren Österreicher, im langjährigen Mittel waren es 23 Prozent, was das Kuratorium auf die internationalen Reiseeinschränkungen zurückführte. 

Mehr Unfälle bei Skitouren

In der Disziplin Skitour gab es um ein Drittel mehr Verunfallte, jedoch vergleichbar viele Tote wie in den Wintern zuvor. Insgesamt wurden für den betrachteten Zeitraum 652 Verunfallte (Zehn-Jahres-Mittel: 495 Verunfallte) und 18 Tote (Zehn-Jahres-Mittel: 19) registriert. Elf Skitourengeher seien durch eine Lawine ums Leben gekommen. Rodelunfälle endeten in drei Fällen tödlich, es habe 162 Verletzungen gegeben – davon in dieser Wintersaison die meisten in Niederösterreich und nicht wie sonst in Tirol. 19 Prozent der Verunfallten zogen sich Kopfverletzungen zu, nur etwa ein Viertel aller verunfallten Rodler trug einen Helm. Peter Paal, Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit, verwies zur Unfallprävention auf die Wichtigkeit der Ausbildung und das korrekte Erlernen der Techniken sowie den Umgang in heiklen Situationen. "Eine Bergsportdisziplin kann man nicht mit Bücherlesen und Internetrecherche lernen", so Paal. Man müsse regelmäßig "draußen am Berg unterwegs sein, um Sicherheit und Erfahrung sammeln zu können."

Die Zahl der Lawinenopfer war mit 14 Toten österreichweit – acht davon in Tirol – niedriger als im vorangegangenen Jahr und relativ deutlich unter dem langjährigen Schnitt, informierte Hans Ebner, Leiter der Alpinpolizei/Bundesministeriums für Inneres (BMI). Im langjährigen Mittel und unter Betrachtung eines gesamten Jahres verunglücken bundesweit durchschnittlich 21 Personen durch Lawinen. Die geringere Zahl an Lawinentoten habe aber "weniger mit dem geänderten Verhalten der Tourengeher" als mit "Witterungsverhältnissen und Schneedeckenaufbau" zu tun. "Unfälle vermeidet man mit Risikominimierung und dem realistischen Einschätzen des eigenen Könnens", appellierte Ebner.

Der Anteil der Sucheinsätze ist vom langjährigen Mittel von drei auf acht Prozent gestiegen. Dieser Anstieg sei, so das ÖKAS, wohl auf Bergsteiger zurückzuführen, die im Covid-Winter erstmals oder seit Längerem wieder im alpinen Gelände unterwegs waren. Trotz rückläufiger tödlicher Alpinunfälle sei es für die 13.000 freiwilligen und im Ehrenamt tätigen Bergretterinnen und Bergretter aufgrund der Covid-19 Schutzmaßnahmen ein "besonders herausfordernder Winter" gewesen, betonte Stefan Hochstaffl, Präsident Österreichischer Bergrettungsdienst. 

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