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Berührender Nachruf "Meine Schwester hätte gesagt: Leg die Waffe nieder, setz dich her zu mir"

"Wenn ihr meine Schwester und ihr Andenken ehren wollt, dann bitte ich euch alle, auch nicht mit Hass und Ausgrenzung zu reagieren, das würde alles, wofür sie gestanden ist, gelebt hat und eingetreten ist, mit Füßen treten", schreibt sie in den vom "Standard" veröffentlichten Zeilen.

© APA
 

Die Schwester eines der vier Opfer, die von dem 20-jährigen Terrorattentäter in der Wiener Innenstadt brutal aus dem Leben gerissen wurden, hat einen Nachruf auf die Getötete verfasst. "Wenn ihr meine Schwester und ihr Andenken ehren wollt, dann bitte ich euch alle, auch nicht mit Hass und Ausgrenzung zu reagieren, das würde alles, wofür sie gestanden ist, gelebt hat und eingetreten ist, mit Füßen treten", schreibt sie in den vom "Standard" veröffentlichten Zeilen.

Ihre Schwester habe noch einmal die Gelegenheit genutzt, "an einem lauen Herbstabend bei einem Bier nach einem Arbeitstag mit Kollegen zusammenzusitzen", schreibt die Hinterbliebene. Dabei sei sie auf einen jungen Mann getroffen, "der offensichtlich für sich nur noch den Weg als einzig möglichen gesehen hat, schwer bewaffnet und um sich schießend möglichst viele Menschen zu töten, bevor er selbst getötet wird".

Sie, die Verfasserin des Nachrufs, denke nun darüber nach, was ihre Schwester wohl gesagt hätte, wäre diese am 2. November nicht dort gewesen. "Sie hätte gesagt, dass Wut, Hass, Ausgrenzung, Nulltoleranz, Gewalt niemals Teil einer Lösung sein können, aber dass sie sehr oft Teil des Problems sind." Und: "Hätte meine Schwester die Macht gehabt, sich auszusuchen, wie sie in dieser Situation handeln könnte, hätte sie sich gewünscht, diesem jungen Menschen sicher vor Kugeln gegenübertreten zu können. Sie hätte ihn sicher ziemlich forsch angesprochen und gesagt: 'Hör sofort auf mit dem Scheiß, das ist doch Blödsinn. Leg die Waffen weg und setz dich her zu mir. Erzähl mir, was dich so wütend macht.' Und ich weiß, sie hätte so lange mit ihm geredet, diskutiert und gestritten, bis er gesehen hätte, es gibt viele Wege für ihn und nicht nur diesen einen", heißt es in dem Nachruf: "Aber niemals hätte sie gesagt 'Schleich di, Oaschloch'".

Niemals hätte sie gesagt: Schleich di, Oaschloch

Die Schwester des Opfers

Ihre Schwester, die in den ersten Stunden nach dem Anschlag in den Medien teils als "ältere Frau" beschrieben worden war, sei "eine liebende Lebenspartnerin, Tochter, Schwester, Enkelin, Nichte, Tante, Cousine - und sehr, sehr vielen Menschen eine gute Freundin" gewesen. "Sie war eine geschätzte Mitarbeiterin und eine beliebte Kollegin. Sie hat sich seit ihrer Kindheit für Schwächere eingesetzt, sie war sehr engagiert im Schutz von Frauen vor Gewalt. Sie war eine große Verfechterin von Toleranz, sie war Betriebsrätin, sie war Mediatorin und wollte immer vermitteln."

Die Opfer der Terrornacht

Die 44-Jährige war eine langjährige Mitarbeiterin eines Metallsulfit-Herstellers, dessen Büro in der Nähe des Schwedenplatzes angesiedelt ist. Am Montag wurde sie von dem Attentäter erschossen, als sie mit Freunden im Gastgarten eines Lokals im Bermudadreieck saß. Sie erlag in der Klinik ihren tödlichen Verletzungen.

Ebenfalls aus dem Leben gerissen wurde eine 24-jährige Studentin der Angewandten. Sie arbeitete neben ihrem Kunststudium in einem Restaurant am Ruprechtsplatz und war während des Anschlags im Dienst. Die deutsche Staatsbürgerin wurde vom 20-Jährigen angeschossen und starb ebenfalls im Spital.

Beim dritten Opfer handelt es sich um einen 21 Jahre alten österreichischen Staatsbürger, der in Korneuburg lebte. Wie der Attentäter auch war er albanischer Moslem mit Wurzeln in Nordmazedonien. Der junge Mann, der beim FC Bisamberg Fußball spielte, wollte in der Wiener Innenstadt seinen ersten Job nach Lehre und Bundesheer feiern. Er traf an der Ecke Fleischmarkt und Bauernmarkt auf den Attentäter.

Das vierte Opfer ist der 39-jährige Betreiber eines Chinarestaurants. Der österreichische Staatsbürger wurde vor dem Geschäft einer Fastfood-Kette am Schwedenplatz, unweit von seinem eigenen Lokal, erschossen.

Kommentare (26)
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megamaxx
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Schöne Worte...

... aber hätte Sie die Gelegenheit gehabt mit ihm zu sprechen und er hätte dann trotzdem abgedrückt, dann hätte sie bestimmt gesagt: "Schleich di, Oaschloch!"

redniwo
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berührend

ja berührend was die schwester meint, dass die schwester gesagt hätte. jedenfalls medienwirksamer auftritt.
ich als realist wünsche mir für die zu tode gekommene schwester, dass sie nicht leiden musste.
ich habe lange zeit beruflich in syrien, sudan, bangla desh, pakistan verbracht, und ich schwöre euch, mit ghandis methoden kommen wir nicht weiter!

einmischer
6
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Berührender Nachruf

Beeindruckende Worte einer Schwester.
Ich frage mich nur:
Hätte er mit einer Frau gesprochen?
Wenn ja, hätte er das gesagte verstanden?
Hätte er es gedanklich umsetzen können?
Gibt es für solche Täter überhaupt ein Zurück?
Sterben sie da nicht lieber?

valentine711
4
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Sehr humane Worte,

doch mit Liebe und Toleranz wird man den radikalen Islamismus und Dschihadismus nicht wirkungsvoll bekämpfen können. Naivität und Realitätsflucht sind keine guten Ratgeber.

gs1100rr
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Leider haben Worte bei solchen Bestien keinen Sinn.
Stell diesem Extremisten 100 Menschen mit Menschlichkeit und Liebe in den Weg - alle tot.
Stell einen mit Entschlossenheit und einer Waffe in den Weg ... ist eine einfach Rechnung.
Wir dürfen nicht von uns "NORMALOS" ausgehen, hier geht es um eine Maschine, einen hirnlosen, gefühlskalten und mit Adrenalin vollgepumpten Zellhaufen. Er hat über Monate Therapeuten, Psychologen ... geblendet. Was sollen hier nette und menschliche Worte (vor allem von einer Frau - sorry) bringen?

redniwo
7
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zustimmung

nur schade, das vor allem bei einer frau , überflüssig und entwertet ihre ansonsten wahrheit

gs1100rr
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Es ist in keinem Fall mein Ansinnen, eine Frau abwertend darzustellen. Aber es entspricht leider den Tatsachen, dass eine Frau in diesem Glauben keinen Wert hat. Somit wären ihre Worte nicht mal zum Erbsenhirn vorgedrungen...

X22
7
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(vor allem von einer Frau - sorry)?

„männlicher Chauvinismus“

Miraculix11
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Manche glauben wirklich...

..wenn sie in einem Fluß mit Krokodilen baden können sie mit denen reden.

onyx
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Gut gemeinte Worte, aber sehr naiv

Ich glaube nicht, dass so ein Typ - mitten im Terrorakt - sich hätte befragen und belehren lassen. Noch dazu von einer österreichischen Frau!!

Wie hier schon geschrieben wurde, fand auch die „Sprache“ der Wega als für diese Situation angemessener.

Shiba1
13
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Leg die Waffe nieder, setz dich her zu mir...

Zwar sehr nett und lobenswert aber unendlich naiv - leider

X22
8
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Das trifft die Verhandler der Exekutive jetzt schwer,

was genau machen die bei Fällen, wo sie angefordert werden?
Vielleicht eine Verhandlungsbasis finden, ein Vertrauen aufbauen, findens das auch naiv?

ck66
12
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meine reaktion

das ist eine meinung -
ich würde anders darauf reagieren.

U0W9REHQC62KZEO7
5
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beeindruckend

auch ich halte menschen, die verzeihen können, für bewundernswert. leider treffen sie aber oft auf solche, die entgegenkommen und verständnis als schwäche, minderwertigkeit oder idiotie interpretieren. wie sollen wir dann reagieren? wie geht dennn "deradikalisieren", wenn das gegenüber unmenschlichkeit zu seinem stolzen programm gemacht hat?

Landbomeranze
3
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Die können sie nicht deradikalisieren

Wird jeder ernstzunehmende Islamforscher bestätigen. Jeder kleine Ministrant kann bei Islamisten das in Monaten Gelernte umgehend von deren Festplatte löschen. Und dann, beginnen wir wieder von vorne? Wie oft? Die sicherste Deradikalisierung sind Sicherungshaft oder Abschiebung.

griesbocha
15
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Verzeihung?

Wo steht denn bitte geschrieben, dass dem Täter verziehen wird?
Die Verfasserin möchte nicht, dass andere in irgendeiner Art und Weise für den Anschlag verantwortlich gemacht werden, weil es im Sinne ihrer Schwester wäre.
So schwer ist das aber nicht.

Analyst_009
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beeindruckend!

Ich bin tief beeindruckt und bewegt. Dieser Nachruf und Ihr Artikel darüber geben mir ein wenig Hoffnung.

hfg
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Schöne Worte und sehr berührend

Aber die Sprache die der Wega Beamte gesprochen hat war in diesem Fall deutlich besser - wenn diese „ Sprache „ früher erfolgt erfolgt wäre, wäre viel Leid erspart geblieben.
Die geschilderte Menschlichkeit hätte bei dem Attentäter in der frühen Kindheit sicher geholfen, doch zum Zeitpunkt des Anschlages darf man nicht lange fackeln - da sind dann schon alle Sicherungen durchgebrannt.

Reipsi
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Schöne Worte, aber

überall kommt man mit schönen Worten nicht durch, auch nicht mit reden und auch nicht mit zuhören, diese Person erklärt dir nicht warum sie böse ist , das braucht er nicht , glaubt er, denn DU bist ungläubig und du hast nur zwei Möglichkeiten , entweder du trittst seinen Glauben bei und dann wird er erst schauen ob du es erst meinst, das heisst du musst einen Beweis liefern, wie der ausschaut kannst du dir denken, oder du gehörst eliminiert weil du auf der Welt nix verloren hast. Wennst Lebensmüde bist kannst reden , aber nicht lang, leider es ist so, schau nur in den Sudan, dann weißt du alles.

Stefan123
56
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Genau der richtige Weg

gestern noch wurde mein Kommentar von fast allen mit Daumen runter bewertet, da ich geschrieben habe, dass der um sich greifende Slogan "Schleich die ..... " eine unnötige Verrohung der Sprache bedeutet. Heute sehen es die Leute anscheinend wieder anders :) gut so

zill1
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Terror

Schöne Worte ja ! Und für diese Opferfamilie ein Weg damit fertigzuwerden ! Aber andere Opferfamilien gehen halt mit diesem Thema auch mal anders damit um ! Und gehen halt den Weg wo auch Hass auf den Täter dabei ist! Wie viele unschuldige müssen noch sterben und wie oft muss man zuhören das höchste Würdenträger immer von Toleranz und verzeihen daherreden ! Das war feiger Mord an unschuldigen Opfern die keinen was getan haben und da muss der Staat mit brutaler Härte zurückschlagen sonst wird bald jeder wenn kennen wo ein Familienmitglied Opfer war von diesen Feiglingen

AlexZwi
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Da muss der Staat...

Hat er doch, der Attentäter ist tot. Man sucht nach Helfern und Mitwissern. Die gehören nach UNSEREN Gesetzen bestraft. Nicht nach RADIKAL muslimischen, die mit dem Islam nicht viel zu tun haben.
Den Teufelskreis von Tat - Vergeltung - Vergeltung auf die Vergeltung - usw. zu durchbrechen sollte das (zugegeben nicht leicht erreichbare) Ziel von uns Christen sein. Aber auch normale, nicht radikale Moslems sollten wachsam sein und mithelfen, das ihr Land Österreich lebenswert bleibt.

reschal
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Mut statt Wut

Man kann die Welt auch mit menschlichen Augen sehen. Danke!

Panky
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...

es gibt welche die das Menschliche Auge anders bewerten/sehen ....

mobile49
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das ist wahre menschlichkeit und liebe

danke für diese worte .
im angesicht des persönliches leides sind sie noch einprägsamer und intensiver.
wer liebe gibt bekommt .
wer hass sät verliert alles

cockpit
17
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wunderschöne Worte -

einfach zum Nachdenken!