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90-jähriger Lenker verurteiltKind bei Unfall in Salzburg getötet: Geldstrafe

Ermittlungen haben laut Staatsanwalt ergeben, dass der Angeklagte aufgrund eines Fahrfehlers infolge eingeschränkter Fahrtauglichkeit den Unfall verursacht hatte.

Hier passierte das Unglück im August 2019
Hier passierte das Unglück im August 2019 © (c) APA/FMT-PICTURES T.A.
 

Nach einem tragischen Unfall vor der Pfarrkirche Gneis in der Stadt Salzburg am 25. August 2019, bei dem ein vierjähriges Mädchen und eine 45-jährige Frau von einem Pkw erfasst und das Kind getötet worden war, ist der damals 90-jährigen Lenker am Freitag bei einem Prozess in Salzburg schuldig gesprochen worden. Er erhielt neun Monate auf Bewährung und eine unbedingte Geldstrafe von 3.960 Euro.

Der mittlerweile 91-jährige Pensionist wurde in seiner Abwesenheit im Sinne der Anklageschrift wegen grob fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verurteilt. Er ist aus gesundheitlichen und psychischen Gründen nicht zur Verhandlung gekommen, wie sein Verteidiger Kurt Jelinek erklärte. Der Angeklagte nahm nach telefonischer Rücksprache mit seinem Anwalt das Urteil an.

Auch der Staatsanwalt verzichtete auf Rechtsmittel. Opferanwalt Stefan Rieder gab keine Erklärung ab. Deshalb ist das Urteil von Richterin Nicole Haberacker noch nicht rechtskräftig. Mildernd wertete die Richterin das Geständnis, die bisherige Unbescholtenheit des Pensionisten und seine freiwillige Führerscheinabgabe nach dem Unfall. Erschwerend sei das Zusammentreffen zweier Vergehen.

Zur der folgenschweren Kollision kam es auf dem Vorplatz der Kirche. Als der Pensionist, mittlerweile 91 Jahre alt, seine Ehefrau vom Sonntagsgottesdienst abholte, fuhr sein Wagen laut Anklage plötzlich ungebremst mit mindestens 26 km/h auf eine Menschengruppe zu. Für das syrische Mädchen kam jede Hilfe zu spät. Eine 45-jährige Ärztin wurde schwer verletzt. Sie erlitt ein Schädelhirntrauma zweiten Grades, mehrere Brüche, ein Rissquetschwunde und Prellungen.

Die Ermittlungen - es wurde auch ein verkehrsmedizinisches Gutachten eingeholt - hätten ergeben, dass der Angeklagte aufgrund eines Fahrfehlers infolge eingeschränkter Fahrtauglichkeit den Unfall verursacht hat, sagte der Staatsanwalt. "Er hat den Wagen stark beschleunigt. In dieser Zone wäre Schrittgeschwindigkeit angemessen." Dem Gutachten des Verkehrsunfallsachverständigen Gerhard Kronreif zufolge wurde ein technischer Defekt des Pkw ausgeschlossen.

Der Verteidiger erklärte im Namen des Beschuldigten, dass ihm der tragische Vorfall "unendlich leidtut", "es geht ihm schlecht". Der Pensionist stelle sich aber der Verantwortung. Er habe nach dem Unfall beteuert, dass er nie wieder ein Fahrzeug lenken werde, und seinen Führerschein auch freiwillig abgegeben. Jelinek meinte noch, es sei in Zukunft auch die Politik gefordert, dass Fahrzeuglenker ab einem gewissen Alter auf ihre Fahrtauglichkeit untersucht werden.

Opferanwalt Rieder sagte, der Unfall sei für die Eltern und dem Bruder des Mädchens "eine menschliche Katastrophe. Es geht ihnen sehr schlecht". Die Mutter leide an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung und sei suizidgefährdet.

Wie verzweifelt die Eltern über den Tod ihres Kindes sind, äußerten sie jeweils in einem Brief, den der Opferanwalt heute vorlas. Darin erhoben sie auch schwere Vorwürfe gegen die Angehörigen des Beschuldigten. Diese hätten den betagten Mann trotz seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen weiter dazu animiert, das Auto zu fahren, so die 33-jährige Mutter. Sogar Aufkleber seien als Hilfsmittel zur Bedienung des Pkw im Innenraum des Wagens angebracht worden. Nach dem Unfall sei das Blut am Auto abgewischt und die Aufkleber schnell entfernt worden, kritisierte der Vater, der auch im Gerichtssaal anwesend war, in dem Schreiben.

Die Mutter schilderte noch in dem Brief, sie könne sich ein Leben ohne ihrer Tochter nicht mehr vorstellen. Auch ihr Sohn leide sehr am Verlust seiner Schwester, "er hat Wutattacken". Der Opferanwalt sprach von einem körperlichen Unvermögen des Angeklagten, das Gaspedal richtig bedienen zu können. Deshalb sei es zu dieser "wahnsinnigen Beschleunigung" gekommen. Man hätte die Zivilcourage aufbringen und eingreifen müssen, damit der Mann nicht mehr mit dem Auto fährt, betonte Rieder.

Die Richterin sprach dem Vater, der Mutter und dem Bruder des verstorbenen Mädchens ein Teilschmerzengeld in Höhe von jeweils 10.000 Euro zu, also in Summe 30.000 Euro. Der Opferanwalt hatte insgesamt für die Mutter und den Vater jeweils 62.000 Euro und für den Bruder 66.000 Euro gefordert.

Kommentare (8)

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brosinor
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Das ist ein ganz ganz...

....trauriger, schrecklicher Fall!
Für ALLE Beteiligten

unterhundert
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Ich war vor kurzem ..

bei einer ÖAMTC Fahrtauglichkeit Prüfung....was glauben Sie , wie viele der 18 Jährigen den alten Fahrern auch um die 80 Überlegen waren? Nur beim Gasgeben waren alle Top, aber sonst, führen die Älteren überlegter über Schleuderplatten, Wasserföntänen, ect. Dies so sprachen die Prüfer, ist die Ruhe und die Überlegungskraft der älteren Generation. Ungestüm war früher...in allen Belangen.

hbratschi
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@uhundert

statistische ausreisser und idioten gibt's da wie dort. bei "uns" älteren ist das irgendwie ein nullsummenspiel, die einen fahren überlegt und ruhig, wie du schreibst aber die anderen (und die gibt es leider auch) haben im straßenverkehr absolut nichts mehr verloren. ich glaub auch nicht, dass diese "unfähigen" eine fahrtauglichkeitsprüfung machen und dadurch von der statistik nicht erfasst werden...

Hausverstand100
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Völlig unverständlich

Warum die Politik nicht endlich durchgreift und ab einem gewissen Alter verpflichtende Überprüfungen der Fahrtauglichkeit einführt.
Kenne selbst zwei Fälle, denen ich das fahren schon abgeraten habe 89/84, ein Hinweis an die Behörde blieb ergebnislos.....
Die fadenscheinigen Argumente der Seniorenvertreter "die jungen sind viel risikobereiter und unerfahrener" wiegen das Risiko im Alter nicht auf.
Bin selbst ende 50 und beruflich ca. 70.000km im Jahr unterwegs und sehe oft genug, wie fahruntauglich viele sind!

erstdenkendannsprechen
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meine erfahrungen (fahre ebenfalls viel, beruflich und privat) decken sich mit ihren,

aber meine schlechten erlebnisse beschränken sich nicht auf alte menschen, die gefährlichsten situationen sind bei mir leider durch männer mittleren alters verursacht, die schnell fahren und ihr gefährt nicht im griff haben, dann hineindrängeln usw.
wahrscheinlich deswegen, weil die sehr alten menschen, die besser nicht mehr fahren sollten, weniger auf autobahnen usw. unterwegs sind, sondern eher die kurzen strecken fahren.
eine fahrtauglichkeitsprüfung ab einem gewissen alter sollte erschwinglich sein.
leider ist es am land auch so, dass man älteren menschen, denen man die mobilität nimmt, einen gewissen grad an selbständigkeit und gesellschaftlicher teilhabe nimmt. hier wären die kommunen gefordert - taxidienste zu günstigen preisen gibt es ja da und dort schon.

petera
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Ein befristeter Führerschein sollte

auch in Österreich standard werden.

limbo17
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Und das nächste traurige Kapitel

der Österreichischen Justiz!

hbratschi
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abgesehen das die strafe lächerlich ist,...

...kommen die angehörigen des fahrers (die von seiner unfähigkeit ein kfz zu bedienen wussten) offensichtlich ungeschoren davon? haben sie sich durch ihr verhalten nicht mitschuldig gemacht? hoffentlich drückt sie wenigstens ihr gewissen, was das kleine mädchen aber auch nicht mehr lebendig macht...