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SuchtmittelKhat, die unbekannte Pflanze am Stockerl der Statistiken

Seit Jahren findet sich unter den am meisten sichergestellten Drogen eine Pflanze, die in der öffentlichen Debatte nicht vorkommt: Khat. Auch auf der Straße oder in der Suchthilfe ist es ein großes Thema. Woher kommt diese Diskrepanz?

© KLZ
 

Erst Gras, dann lange nichts, und vor den üblichen Verdächtigen in Pulverform noch eine Unbekannte. Innenminister Karl Nehammer hat kürzlich in einer Serie von parlamentarischen Anfragebeantwortungen die im Vorjahr sichergestellten Mengen an Suchtmittel detailliert aufgeschlüsselt. Einsamer Spitzenreiter in ganz Österreich ist wenig überraschend Marihuana. Dahinter kommt aber ein ungewöhnlicher Name. Noch vor Kokain, Heroin oder Haschisch liegt Khat in an zweiter Stelle. Gleichzeitig ist die Pflanze ein regionales Phänomen. Rund 90 Prozent der österreichweiten Gesamtmenge hat die Polizei in Wien und Niederösterreich konfisziert, während in vier Bundesländern, Steiermark, Kärnten, Salzburg und Burgenland, 2019 kein einziges Gramm sichergestellt wurde.

Foto © Peter Schöggl

Um dieser ungewöhnlichen Verteilungen auf den Grund zu gehen, muss erst verstanden werden, was Khat eigentlich ist. Unter dem Begriff werden gemeinhin die Blätter des Kathstrauches verstanden. Gekaut entfalten sie ähnliche Wirkungen wie Amphetamin. Der Lagebericht zur Suchtmittelkriminalität des Bundeskriminalamtes spricht von "einem Zustand der Euphorie und Hochstimmung mit dem Gefühl von gesteigerter Aufmerksamkeit und Wachheit". Der Strauch wird in Ostafrika und im Südwesten der Arabischen Halbinsel angebaut, im Jemen gilt Khat als Volksdroge.

Eine Wirkung erzielen aber nur die frischen Blätter, was das große Gewicht der sichergestellten Mengen zum Teil erklärt. Im Vergleich mit getrockneten Cannabispflanzen oder verschiedenen Pulvern sind die Blätter freilich schwerer. Die Abhängigkeit von Khat ist eine rein psychische, ähnlich wie bei Marihuana, erklärt Bettina Hölblinger, die bei der Suchthilfe Wien in der Suchtprävention tätig ist: "Wenn ich das nehme, um etwa meine Arbeit besser meistern zu können, werde ich das auch weiter nehmen."

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Im Suchtmittelbericht des Kriminalamtes ist Khat erst seit vier Jahren vermerkt: "Wir haben 2016 verstärkt den Drogenhandel am Flughafen beobachtet und da bemerkt, dass Khat im Umlauf ist", erzählt Daniel Lichtenegger, Leiter des Büros im Bundeskriminalamt zur Bekämpfung der Suchtmittelkriminalität, "es hat sicher davor auch schon Khat in Wien gegeben, erst da ist es aber im großen Stil aufgekommen." Khat wird nach wie vor zumeist in Paketen sichergestellt, vor allem eben am Flughafen und in Postverteilerzentren. Daher auch der regionale Fokus auf Wien und Niederösterreich.

Warum aber hört man davon so wenig? "Wir haben noch niemanden kennen gelernt, der Khat konsumiert, nicht bei der Suchthilfe und auch nicht bei Checkit", so Bettina Hölblinger. Auch im klassischen Straßenhandel ist Khat kein Thema, wie Daniel Lichtenegger sagt. Das liegt an der Herkunft der Pflanze: „Grundsätztlich kommt Khat ja aus Ostafrika. Wenn es nach Österreich kommt, bleibt es meist in diesen Communities“, sagt Lichtenegger. Dass es aus diesen Communities rauskommt, habe das Kriminalamt noch nicht bemerkt. Eine Trendumkehr scheint aber auch nicht in Sicht. Auch heuer hat die Polizei schon einige Großmengen sichergestellt.

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