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Fünffachmord in Kitzbühel Laut Polizei kaum Kampfspuren gefunden

Tat muss sehr schnell und für die Opfer überraschend passiert sein. Obduktionsergebnis wird aus Rücksicht auf die Angehörigen nicht bekannt gegeben.

In Kitzbühel herrschen nach dem Fünffachmord Wut und Trauer © APA/EXPA/ JOHANN GRODER
 

Nach dem Fünffachmord Sonntagfrüh in Kitzbühel hat auch am Montagnachmittag die Tatortarbeit noch nicht abgeschlossen werden können. Die Tat dürfte aber sehr schnell und überraschend passiert sein, schilderte LKA-Leiter Walter Pupp im Gespräch mit der APA. In dem Haus seien kaum Kampfspuren gefunden worden, weshalb es keinen größeren Widerstand der Opfer gegeben haben dürfte.

Auch die Obduktionen der Leichen waren am Montagnachmittag noch nicht abgeschlossen. Nähere Details der Obduktionsergebnisse sollen aus Rücksicht auf die Angehörigen aber nicht bekannt gegeben werden, meinte Pupp. Bereits am Sonntag konnte die Pistole, die der 25-jährige Verdächtige bei sich hatte, als er sich stellte, als Tatwaffe identifiziert werden.

Der Beschuldigte schilderte laut Pupp bei seiner Einvernahme die Ereignisse klar und strukturiert. Ein Alkoholtest nach der Tat am Sonntag sei negativ ausgefallen. Über ihn wurde die Untersuchungshaft verhängt.

Indes konnte am Montag der ebenfalls getötete neue Freund der 19-Jährigen als 24-jähriger Oberösterreicher identifiziert werden. Er war zuletzt beim Kitzbüheler Eishockeyklub "Die Adler" unter Vertrag. Davor spielte er unter anderem für die "Liwest Blackwings Linz". Beide Vereine drückten ihr Beileid und ihr tiefes Bedauern aus.

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Bruder in Fernost

Der Bruder des Verdächtigen, dem die Tatwaffe gehörte, konnte vorerst nicht erreicht werden. Er befand sich laut Pupp in Fernost. Warum der 25-jährige Verdächtige seine Aggression gegen die gesamte Familie richtete, war weiterhin unklar. "Diese Frage beantwortet er nicht, weshalb das so schnell nicht zu klären sein wird", meinte der Chef-Ermittler.

25-Jähriger war FPÖ Mitglied: ausgeschlossen

Der 25-jährige Verdächtige ist Mitglied der FPÖ gewesen. Dies teilten die Freiheitlichen am Montag in einer Aussendung mit. Nach Bekanntwerden der Tat sei er noch am Sonntag wegen "Gefahr in Verzug" aus der Partei ausgeschlossen worden, hieß es.

Der 25-Jährige war im Jahr 2014 für zwei Monate als Jugendreferent Mitglied der Stadtparteileitung der FPÖ Kitzbühel. Nach seinem Ausscheiden war er bis Sonntag einfaches Parteimitglied, ohne Funktion oder Mandat. FPÖ-Landesparteigeneralsekretär Patrick Haslwanter versicherte im Namen der Freiheitlichen Partei den Angehörigen der Opfer seine "aufrichtigste Anteilnahme".

Gedenkminute

Die Tiroler Landesregierung hat im Rahmen der Regierungssitzung am Montag eine Gedenkminute abgehalten. Die Regierungsmitglieder zeigten sich angesichts der Tat schwer erschüttert.

"Uns fehlen angesichts dieser unfassbaren Tragödie nach wie vor die Worte. Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen und Freunden der Opfer", sagte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP).

Mit Pistole zurückgekehrt

Der 25-Jährige hatte laut Polizei am Sonntag gegen 4.00 Uhr am Haus seiner 19-jährigen Ex-Freundin, in dem ihre gesamte Familie wohnte, geläutet. Nachdem der Vater den 25-Jährigen abgewiesen hatte, ging der junge Mann wieder nach Hause und holte sich die Pistole seines Bruders, die dieser in einem Tresor aufbewahrte. Gegen 5.30 Uhr kam der 25-Jährige erneut zum Wohnhaus der Familie und erschoss dort zunächst den Vater (59) der 19-Jährigen, dann ihre Mutter (51) und ihren Bruder (25), bevor er seine Ex-Freundin und ihren neuen Freund tötete.

Anschließend stellte sich der 25-Jährige bei der Polizeiinspektion Kitzbühel selbst. Das Motiv dürfte Eifersucht bzw. Zurückweisung gewesen sein, denn die 19-Jährige hatte vor zwei Monaten ihre Beziehung zu dem 25-Jährigen beendet.

Der von dem 25-jährigen Verdächtigen getötete neue Freund der 19-Jährigen war indes als 24-jähriger Eishockeyspieler aus Oberösterreich identifiziert worden. Der junge Mann war bei der Kitzbüheler Eishockeymannschaft unter Vertrag, sagte Pupp zur APA.

"Man of the Match"

Der Kitzbüheler Eishockeyklub "Die Adler" drückte auf seiner Homepage seine Anteilnahme aus. Der 24-Jährige sei erst heuer zu den Adlern gestoßen und habe sich mit seiner ruhigen und besonnenen Art bestens im Team integriert und war allseits geschätzt und beliebt, schrieb der Verein auf seiner Homepage. Nach einem Heimspiel am Vorabend der Tat sei der Oberösterreicher zum "Man of the Match" gewählt worden. Auch der Eishockeyverein "Liwest Blackwings Linz", bei dem der Getötete zuvor gespielt hatte, postete auf Facebook: "An einem Tag wie heute fehlen uns allen einfach nur die Worte. Nichts was wir jetzt schreiben oder sagen, kann unseren Schmerz ausdrücken."

Für Kriseninterventionsteam "Riesen-Herausforderung"

Für das örtliche Kriseninterventionsteam (KIT) stellen die Morde eine "riesen Herausforderung" dar. Dies sagte der Leiter des KIT in Kitzbühel, Gerhard Müller, am Montag. Noch nie habe es in dem bekannten Tiroler Wintersportort einen derart großen Einsatz gegeben, fügte er hinzu.

Am Sonntag seien 22 Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams im Einsatz gewesen. Um alles abdecken zu können, habe man sich auch Unterstützung aus dem Nachbarbezirk Kufstein und aus dem Salzburger Pinzgau geholt, berichtete Müller. Auch am Montag waren noch mehrere Teams des KIT mit rund 14 Mitarbeitern im Einsatz.

Noch am Sonntag seien viele Anfragen beim Kriseninterventionsteam eingegangen. Diese müssen nun nach der Reihe abgearbeitete werden, so Müller. Sowohl die Opferfamilie, als auch die Familie des Verdächtigen seien im Ort sehr gut integriert gewesen, sie waren auch Mitglieder bei mehreren Vereinen, weshalb nun neben den Angehörigen auch ein großer Kreis an Bekannten und Freunden schwer von der Tragödie getroffen sei.

Beim KIT rechnete man damit "sicher noch die ganze Woche" im Einsatz zu sein. Wichtig für das Kriseninterventionsteam sei es auch individuell und bedürfnisorientiert zu arbeiten. "Es gibt oft Leute, die zunächst glauben, sie schaffen es alleine, dann merken sie aber, dass es doch nicht geht", erklärte Müller. Auch in diesen Fälle müsse das KIT oft Tage später noch ausrücken.

 

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