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Renoir-Diebstahl Mildes Urteil für angeklagten Ukrainer

Ein 59-Jähriger aus der Ukraine soll im November des Vorjahres mit zwei Komplizen den spektakulären Diebstahl im Wiener Dorotheum verübt haben. Er wurde zu 24 Monaten Haft verurteilt.

© (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
 

Mit mehr als eineinhalb Stunden Verspätung - eine Schöffin war nicht erschienen - hat am Donnerstag der Prozess gegen einen mittlerweile 60-Jährigen begonnen, der im November 2018 mit zwei Komplizen im Wiener Dorotheum ein Renoir-Gemälde gestohlen haben soll. Der Mann bestritt vehement die Vorwürfe und tat sie als "Fantasie des Anklägers" ab. Er sei nach Wien gekommen, um Frauen kennenzulernen.

Am 23. November 2018 reiste der Ukrainer mit dem Flugzeug aus Moskau nach Wien. Laut Staatsanwaltschaft soll der auf Kunst-Diebstähle spezialisierte Profi den Coup in Wien mit zwei Landsmännern organisiert haben. Einen Tag später trafen seine Komplizen ein. Am 26. November gingen die drei um 17.15 Uhr ins Dorotheum, um sich das Gemälde anzusehen. "Sie tun so, als würden sie sich nicht kennen", beschrieb der Staatsanwalt die Auswertung der Videoüberwachung.

Bild in Einkaufstasche gesteckt

Zielgerichtet gingen sie zu dem im zweiten Stock ausgestellten Werk von Pierre August Renoir, das zwei Tage später bei einer Auktion für Klassische Moderne unter den Hammer hätte kommen sollen. Während der 60-Jährige von einem Nebensaal aus den Raum im Blick behielt, nahmen die beiden anderen das Werk aus dem Rahmen und steckten es in eine Einkaufstasche. Mit einer Handbewegung deutete der nun Angeklagte seinen Komplizen die Flucht an. Die drei verließen mit dem wertvollen Bild unbehelligt das Gebäude in der Dorotheergasse.

Bilder aus der Überwachungskamera, Rufdatenauswertungen sowie die Daten über die Ausreise des Trios wurden genau registriert. Der 60-Jährige, der auf der Flucht stets in Kontakt mit seinen Landsmännern blieb, wurde deshalb bald identifiziert und am 8. Dezember 2018 in den Niederlanden geschnappt. Auch während der Verhaftung schrieb der Ukrainer einem seiner Helfer eine Whatsapp-Nachricht: "Ich wurde in Amsterdam abgeholt." Dem 60-Jährigen, dem schwerer Diebstahl im Rahmen einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen wird, drohen bis zu fünf Jahren Haft.

Wegen Mordes in Haft

Einer seiner beiden Komplizen wurde im Frühjahr in der Ukraine festgenommen. Er befindet sich dort wegen Mordes in Haft. Der dritte Mann - ebenfalls ein gebürtiger Ukrainer - und das abhandengekommene Gemälde sind vorerst weiter verschwunden. Das 1895 entstandene, 27 mal 40 Zentimeter große Landschaftsgemälde "Bretonische Küstenlandschaft" wurde auf einen Wert zwischen 120.000 und 160.000 Euro geschätzt. Die Bande wurde wegen ähnlicher Delikte in anderen Ländern, etwa in ihrer Heimat sowie in Deutschland und in Frankreich, verdächtigt.

Wortreich bestritt der 60-Jährige, etwas mit dem Coup in Wien zu tun zu haben. "Sie erzählen mir immer etwas Anderes, als ich gefragt habe", versuchte der Schöffensenatsvorsitzende Mario Bandarra den Angeklagten zum Punkt zu bringen. Der Ukrainer meinte, er wollte eigentlich nach Europa auswandern und deshalb in Wien "Frauen kennenlernen". Er beschuldigte die beiden anderen Männer, ihn in Sache hineingezogen zu haben.

Mildes Urteil gefallen

Der 60-Jährige wurde am Donnerstagnachmittag zu 24 Monaten, davon acht Monate unbedingter Haft wegen schweren Diebstahls im Rahmen einer kriminellen Vereinigung verurteilt worden. Da der 60-Jährige seit Anfang Dezember in U-Haft sitzt, wurde er sofort auf freien Fuß gesetzt.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Während der Beschuldigte die Strafe annahm, kündigte die Staatsanwaltschaft Berufung an. Der Ukrainer muss zudem an eine Versicherung 120.000 Euro zahlen, um den Schaden wieder gut zu machen. Das Gemälde ist bis heute verschwunden.

Zwar ist der Mann bereits in seiner Heimat wegen eines ähnlichen Deliktes 2005 vor Gericht gestanden. Da dies nach österreichischem Recht bereits verjährt ist, galt der Ukrainer als unbescholten, was bei dem Urteil mildernd gewertet wurde. Erschwerend war der Diebstahl eines besonderen Kulturgutes und dass der Schaden mehr als 5.000 Euro ausmacht.

 

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