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Killer beauftragtMordkomplott: "Wäre er kriminell gewesen, hätte ich es mir überlegt"

Ein in seiner Ehre gekränkter Immobilienhändler wollte offenbar seinen Ex-Schwiegersohn töten lassen. Der angeheuerte Killer aus Serbien überlegte es sich jedoch anders.

© (c) APA/Patrick Seeger
 

Im Wiener Prozess wegen eines Mordkomplotts gegen den Ex-Schwiegersohn eines Immobilienunternehmers hat am Mittwoch der mit Spannung erwartete Kronzeuge ausgesagt. Der Mann, der sich im Zeugenschutzprogramm befindet, wurde schwer bewacht in den Verhandlungssaal geführt. Detailreich schilderte er dem Gericht, wie er in Serbien als Killer angeheuert wurde.

Angeklagt ist der 54-jährige Immobilienunternehmer, der aus gekränkter Ehre den Mord an seinem ehemaligen Schwiegersohn in Auftrag gegeben haben soll. Dieser hatte nämlich ein außereheliches Verhältnis ausgerechnet mit seiner Schwägerin, mit der er auch noch ein Kind zeugte. Auf der Anklagebank nahmen auch zwei mutmaßliche Komplizen Platz, die mit der Vermittlung eines Killers beauftragt wurden.

Im Frühjahr 2018 bot ihm eine Bekannte einen lukrativen Job an. "Ich bin ja nicht dumm, wenn jemand 15.000 Euro bietet, war mir klar, worum es ging", sagte der 44-Jährige, der früher nach eigenen Angaben bei der serbischen Staatssicherheit gearbeitet hat. "Wer zahlt 15.000 Euro, damit man jemanden eine Ohrfeige verpasst?" Die Bekannte namens Aleksandra, die bis heute für die Polizei nicht greifbar ist, arrangierte ein Treffen in einer eigens dafür angemieteten Wohnung in Novi Sad.

"Ohne Leiche keine Straftat"

Dort tauchte dann ein Mann namens Mladen auf. Auf die Frage, ob sich dieser Mladen im Gerichtssaal befindet, deutete der 44-Jährige eindeutig auf den Zweitangeklagten. Dieser Mladen berichtete über einen Geschäftsfreund türkischer Abstammung, der Probleme mit einem Bekannten habe. "Was wurde da genau besprochen?", fragte Schwurgerichtsvorsitzender Ulrich Nachtlberger. "Dass der Herr liquidiert wird", antwortete der Serbe prompt. "Es war klar, dass er verschwinden soll." Dazu sollte der Mann auf der Straße geschnappt und irgendwo vergraben werden, sodass er nicht mehr auffindbar sei. "Es war ganz wichtig, dass es keine Spuren gibt, denn ein Mord auf der Straße würde sofort auf seinen Partner zurückfallen." Und: "Ohne Leiche keine Straftat."

2.500 Euro bekam der Serbe als Anzahlung, dazu den Namen und die Adresse, später wurde auch noch ein Foto der Zielperson. Im Gespräch machte man sich das Wort "kalken" als Synonym für töten aus, wenn Mladen mit dem Serben mittels SMS in Kontakt trat. "Man kann ja nicht umbringen schreiben", sagte der Serbe lachend. Während dieses Treffens wurdeder Zweitangeklagte mittels Videotelefonat von dem eigentlichen Auftraggeber kontaktiert. Der 44-Jährige glaubt, dabei den erstangeklagten Immobilienunternehmer erkannt zu haben.

Allerdings wollte der Serbe den Auftrag gar nicht ausführen. "Wenn die Zielperson ein Krimineller gewesen wäre, dann hätte ich es mir vielleicht überlegt", sagte er. Doch er habe Erkundigungen eingeholt und sei draufgekommen, dass es sich bei dem Mann um einen harmlosen Lkw-Fahrer handelte. Sein Plan war, die Anzahlung zu kassieren und dann unterzutauchen.

Prozess wird vertagt

Allerdings erhöhten scheinbar die Auftraggeber den Druck auf die Vermittlerin Aleksandra, die meinte, wenn der Mord nicht bis Jahresende erledigt sei, "dann werden sie uns auch übernehmen". Somit fuhr er am 11. Dezember 2018 nach Wien, um den Auftraggeber zu suchen und auch um Aleksandra zu beruhigen. Zwei Tage später stellte er sich der Polizei und befindet sich seitdem im Zeugenschutzprogramm. Seit diesem Zeitpunkt ist auch Aleksandra nicht mehr auffindbar.

Dass am 20. November der Ex-Schwiegersohn tatsächlich attackiert worden ist und lebensgefährlich verletzt wurde, davon wusste der Serbe nichts. Er habe im August bereits in Belgrad die Polizei kontaktiert, meinte er vor Gericht. Es wurde damals ein Protokoll angefertigt, doch sei nichts weiter geschehen. Der Ex-Schwiegersohn, der sich dem Verfahren mit seinem Verteidiger Philipp Winkler als Privatbeteiligter anschloss, erlitt Körperverletzungen mit schweren Dauerfolgen und kann bis heute kaum sprechen.

Da die Angeklagten im Prozess wegen Anstiftung zum versuchten Mord weiter bei ihren Aussagen blieben, wonach die Anschuldigungen eine Verschwörung gegen sie wären - u.a. durch die Aussage des engagierten Killers aus Serbien -, müssen weitere Zeugen befragt werden. Der Prozess wird vertagt.

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