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Prozess16-Jähriger attackierte 15-Jährigen mit Messer

Wegen versuchten Mordes ist ein 16-Jähriger am Freitag in Korneuburg vor einem Schwurgericht gestanden.

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Der Jugendliche soll einen 15-Jährigen im Mai 2018 vor einer Schule in Wien-Währing mit einem Küchenmesser attackiert haben. Die Verteidigerin des Älteren sprach davon, dass dieser niemanden töten und sich vielmehr schützen wollte. Das Opfer musste sich wegen schwerer Erpressung verantworten.

Laut Anklage hatte der 16-jährige Kroate die Schwester des 15-Jährigen vor anderen Jugendlichen unter anderem als "gut aussehend" bezeichnet, aber auch abfällige Bemerkungen über sie gemacht. Die Schwester des Zweitangeklagten kam in die Wiener Schule, nachdem ihr Bruder wenige Tage zuvor suspendiert worden war.

Daraufhin soll das spätere Opfer, ein Wiener mit arabischen Wurzeln, vom Älteren zwei Mal Geld gefordert haben. Auch, nachdem der 16-Jährige tatsächlich 200 Euro übergeben hatte, gab sich der Jüngere nicht damit zufrieden. Er soll vom Erstangeklagten weitere 1.700 Euro verlangt und ihm mit dem Tod gedroht haben, sollte er nicht zahlen.

Messerattacke auf Jugendlichen: 16-Jähriger in Korneuburg vor Gericht

Auseinandersetzung vor der Schule

Am 2. Mai 2018 trafen die beiden einander in der Früh vor der Schule in Wien-Währing. Im Verlauf einer Auseinandersetzung soll der Erstangeklagte zum Messer mit einer Klinge von etwa 20 Zentimetern gegriffen und dem 15-Jährigen einen wuchtigen Stoß in die Bauchgegend versetzt haben. Danach zog der 16-Jährige laut Anklage das Messer heraus und setzte eine zweite Stichbewegung "von oben nach unten", wie der Staatsanwalt in seinem Eröffnungsvortrag sagte. Das Opfer drehte sich in der Folge zur Seite und wehrte mit der Hand ab. Es wurde in das nahegelegene AKH gebracht und dort operiert.

Ein Einstich sei unbestritten, sagte Davorka Situm-Ceovic, die Verteidigerin des Erstangeklagten. "Er hat ihm den Stich versetzt, weil er um sein Leben Angst gehabt hat." Der 16-Jährige habe nur zu seinem Schutz gehandelt und wollte den Jüngeren "gewiss nicht töten", sagte die Rechtsanwältin. "Wenn man jemanden töten will, sticht man woanders zu, vielleicht im Bereich des Herzens oder am Hals." Situm-Ceovic forderte einen Schuldspruch wegen schwerer Körperverletzung.

"Grün und blau" geschlagen

Über die Schwester des späteren Opfers habe ihr Mandant zuvor lediglich gesagt, "dass sie hübsch sei", daraufhin sei der 16-Jährige erpresst worden. "Er hat ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit angerufen, um Geld zu verlangen." Der einschlägig vorbestrafte 15-Jährige habe Lehrer tätlich angegriffen und sei deshalb suspendiert worden, sagte Situm-Ceovic. Bereits im April 2018 sei es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Burschen gekommen, bei der der 16-Jährige "grün und blau" geschlagen worden sei.

"Was es wiegt, das hat es", sagte Manfred Ainedter, der Anwalt des 15-Jährigen. Er wolle die Taten seines Mandanten "nicht schönreden". Die Schwester des 15-Jährigen habe der Ältere nicht als "hübsch" bezeichnet, sondern sich "weit deftiger" ausgedrückt - das sei "schon ein großer Unterschied". Ihr Bruder sei daraufhin verärgert gewesen und habe den 16-Jährigen erpresst, räumte Ainedter ein. Mit dem Umbringen habe sein Mandant "nie und nimmer gedroht", schwere Erpressung liege also nicht vor.

Einem Antrag der beiden Verteidiger des 16-Jährigen, Situm-Ceovic und Anton Neulinger, auf Ausschluss der Öffentlichkeit wurde nur für die Erörterung des psychologischen Gutachtens stattgegeben. Weil dieser im Sprengel des Landesgerichts Korneuburg wohnt, findet der Prozess in Niederösterreich statt. Die örtliche Zuständigkeit richtet sich laut Jugendgerichtsgesetz nach dem gewöhnlichen Aufenthalt.

Beschuldigter: "Kopf war wie leer"

Im Prozess wegen versuchten Mordes gegen einen 16-Jährigen sind am Freitagvormittag der Beschuldigte und das 15-jährige Opfer befragt worden. Der Ältere erklärte, dass er nicht wisse, warum er das Messer gezogen habe, sein Kopf sei in diesem Moment "wie leer" gewesen. Unterschiedliche Angaben machten die beiden zur Anzahl der verübten Stiche.

Der 16-jährige kroatische Staatsbürger beschrieb, dass er vor anderen Jugendlichen über die Schwester des 15-Jährigen gesagt habe, dass diese hübsch sei. Der Jüngere habe ihn später angerufen und gesagt, dass es Klärungsbedarf gebe. Bei einem vereinbarten Treffen in der Nähe der Schule habe er ein Butterfly-Messer mitgehabt, "weil ich gefürchtet habe, dass er mit jemandem kommt". Der 15-Jährige habe danach auf ihn eingeschlagen, er habe blaue Flecken davongetragen.

Einige Tage darauf habe das spätere Opfer zwei Mal telefonisch 200 Euro verlangt. "Ich habe mir gedacht, besser ich gebe ihm das Geld, bevor etwas Schlimmeres passiert. Ich hatte Angst, dass er mich wieder verprügelt", sagte der Kroate. Ende April wollte der Jüngere weitere 1.700 Euro - Geld, das der 16-Jährige nicht hatte. Am 2. Mai habe er das Küchenmesser in der Früh zur Schule mitgenommen, wo es zu einem Treffen mit dem 15-Jährigen kommen sollte. "Ich habe mir vorgestellt, dass er auf mich losgehen wird, wenn ich sage, dass ich das Geld nicht habe."

Auf dem Weg zum vereinbarten Treffpunkt "war mein Kopf einfach wie leer", gab der 16-Jährige zu Protokoll. Das Küchenmesser habe er in seinem Pullover versteckt gehabt. "Ich weiß auch nicht, warum ich das Messer sofort rausgezogen habe", dies sei "automatisch" passiert. Es sei kein Wort gesprochen worden, er habe dem Opfer einmal in den Bauch gestochen. An einen zweiten Stich könne er sich nicht erinnern. Danach habe ein älterer Mann gerufen: "Leg das Messer weg!" Das habe er dann auch getan. Mit dem Messer habe er seinen Kontrahenten nur einschüchtern und leicht verletzen wollen, damit dieser die Erpressungen bleiben lässt.

Der 15-Jährige, der zuerst einvernommen worden war, sagte, er habe seinem ehemaligen Mitschüler beim Treffen vor der Schule die Hand zur Begrüßung geben wollen. "Dann habe ich plötzlich gesehen, dass ich ein Messer im Bauch hatte", sagte der Jüngere, der von zwei Stichen sprach. Auch ein Zeuge, der die Attacke aus nächster Nähe gesehen hatte, sagte im Rahmen der Befragung, dass der Kroate zweimal zustach.

Der 16-Jährige habe in der Schule sehr deftige Worte über seine Schwester geäußert und diese auch bei dem späteren Treffen wiederholt, sagte das Opfer. Daraufhin sei es zu einer Schlägerei gekommen. "Für mich ist meine Schwester einfach wichtig und ich mag nicht, wenn jemand sowas äußert vor einem anderen." Bedroht habe er den 16-Jährigen "erst bei den 1.700 Euro", sagte der Jüngere. Er habe am Telefon gesagt: "Wenn du das Geld nicht bringst, werde ich dich schlagen." Zwei Mal habe ihm der Kroate davor ohne Drohungen 200 Euro übergeben.

 

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