Blitz und Donner lassen den Festsaal erzittern, auf der Leinwand furchteinflößende Szenen zu dramatischer Musik: gigantische Eisbrocken stürzen in das Meer, dazwischen rudern die Sängerknaben mit ernsten Mienen. Während der Vorstellung marschiert ebendieser Chor singend in den Saal. Die Kinder bauen das Logo des R20 Austrian World Summit auf, der Saal wird heller. So dramatisch ernst die Eröffnung begann, so hoffnungsvoll endet sie um die Reden einzuleiten.

ABD0013_20180515 - WIEN - ÖSTERREICH: (v.l.), Bundeskanzler Sebastian Kurz, Vorsitzender R20 Arnold Schwarzenegger im Rahmen der
© APA/HANS PUNZ

Laut den Veranstaltern geht es bei dem Gipfel darum, Regionen, Städte und Initiativen im Kampf gegen den Klimawandel zu vernetzen und Projekte und Best-Practice-Beispiele einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. "Zusammen können wir unseren Planeten wieder großartig machen," bringt Moderatorin Melinda Crane das Publikum in Stimmung.

Als Kanzler Sebastian Kurz zum Mikrofon greift, kommt es gleich zu dem Moment, der den ganzen Tag noch für Gesprächsstoff sorgen wird. Aktivisten rollen ein Plakat vor der Bühne auf, eine junge Frau ergreift das Wort. Knappe drei Minuten wird die Klimapolitik der Bundesregierung heftig kritisiert. "Systemwandel statt Klimawandel" so die Forderung. Der Kanzler wartet geduldig, bis die Rednerin nach Ende der Einlage unter Applaus abtritt. In seiner Rede gibt sich Kurz dann überzeugt, dass es starkes Wirtschaftswachstum brauche, dieses aber nicht auf Kosten von Umwelt und Klima gehen dürfe. "Das muss kein Widerspruch sein", so der Kanzler. 

Die Protestaktion
Die Protestaktion © APA/HANS PUNZ

Protestaktion als Gesprächsthema

Beim Mittagessen war die Protestaktion natürlich Gesprächsthema. "Wenn die Aktivisten sagen, grenzenloses Wachstum und Nachhaltigkeit wären nicht möglich, haben sie recht. Unsere Ressourcen sind begrenzt," meinte etwa ein französischer Unternehmer. 

Klare Worte kommen von UNO-Generalsekretär Antonio Guterres: "Wir brauchen eine Energierevolution." Man dürfe nicht darauf warten, bis fossile Energiequellen versiegen, es geht um nichts weniger, als zu verhindern, dass der Klimawandel völlig unkontrollierbare Prozesse entfaltet.

Arnold Schwarzenegger, Initiator des Gipfels, mahnt in seiner Rede davor, immer die Opfer zu spielen: "Wir müssen die Sieger sein," versprüht er Optimismus und spart auch nicht mit Seitenhieben auf US-Präsident Donald Trump ("Seien Sie ein Sieger, folgen Sie uns."). Ebenso prangert er die gesundheitlichen Schäden der  Luftverschmutzung an und zitiert die WHO, wonach mehr als sieben Millionen Menschen jährlich daran sterben. Bundespräsident Alexander Van der Bellen warnt vor den Konsequenzen des Nichtstuns: "Die billigste Variante des Klimaschutzes ist es, jetzt zu handeln."

In den anschließenden Panels kommen nationale wie internationale Akteure zu Wort. Unter Ihnen die Anthropologin Jane Goodall und der Schweizer Abenteurer, Weltumrunder mit Elektroantrieb, Bertrand Piccard.Erna Solberg und Lars Løkke Rasmussen, Premiers von Norwegen und Dänemark, sprechen über ihre Erfahrungen mit der Energiewende. Nicht ganz ohne Stolz, die Länder gelten hier als Vorreiter, was sie aber nicht abhält, weiter ambitionierte Ziele zu stecken. Dänemark etwa will bis 2050 komplett unabhängig von fossilen Brennstoffen sein. 

1000 Lösungen für Umwelt

Immer wieder angesprochen wird, dass es zu vielen Menschen an Bewusstsein für den Ernst der Lage fehlt. Bertrand Piccard formuliert es am spitzesten: Die Mehrheit der Leute "pfeift" (milde übersetzt) auf den Klimawandel. Daher müsse man eine andere Sprache sprechen: Arbeitsplätze, Profite und wiedergewählt werden, all das wäre auch mit grünen Technologien möglich, "die Lösungen dafür sind bereits da." In einem neuen Projekt will er 1000 Lösungen präsentieren, die die Umwelt schützen und zugleich profitabel sind.

Ein Lösungsansatz, der fast mantraartig wiederholt wird, ist die (stärkere) Bepreisung von CO2. „Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um einen europaweit einheitlichen Mindestpreis für CO2 einzuführen“, so Ministerin Elisabeth Köstinger bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der französischen Staatssekretärin Brune Poirson. Beim Preis will sie nicht konkret werden, Proison spricht jedoch von 25 bis 30 Euro pro Tonne. Das sei nötig, um Investitionen weg von fossilen und hin zu erneuerbaren Energien zu bringen.

 (v.l.), Bundeskanzler Sebastian Kurz, Schwarzenegger Freundin Heather Milligan Vorsitzender R20 Arnold Schwarzenegger, Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Doris Schmidauer, UN-Generalsekretär Antonio Guterres, Direktor R20 Austria Monika Langthaler-Rosenberg
(v.l.), Bundeskanzler Sebastian Kurz, Schwarzenegger Freundin Heather Milligan Vorsitzender R20 Arnold Schwarzenegger, Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Doris Schmidauer, UN-Generalsekretär Antonio Guterres, Direktor R20 Austria Monika Langthaler-Rosenberg © APA/HANS PUNZ

Bei insgesamt acht Expertenrunden werden dann konkrete Themenfelder behandelt. Ein Beispiel: nachhaltige Mobilität. Hier steht die Elektrifizierung im Vordergrund. Es müsste in bessere Batterien und besseres Recycling investiert werden, zugleich wird aber gemahnt, dass der öffentliche Verkehr in vielen Regionen noch großen Nachholbedarf hätte.

Anreize schaffen

Und auch hier kommt es auf den Tisch: Man muss andere Anreize schaffen, um nachhaltiges Verhalten zu fördern. Mit dem Finger auf die Leute zu zeigen, funktioniert nicht", so Christina Bu, Generalsekretärin der Norwegischen Elektroauto-Vereinigung.

Bei der von R20-Direktorin Monika Langthaler moderierten Abschlusszeremonie gibt es noch einmal Applaus für den inzwischen nicht mehr anwesenden Arnie, er musste sich wegen seiner kürzlich überstandenen  Herzoperation schonen. "Für uns ist es ein kleines Wunder, dass er heute trotzdem gekommen ist", so Langthaler.

Zuletzt kommt noch einmal Alexander Van der Bellen zu Wort. Einen Zwischenapplaus gibt es für die Aussage, dass es bei Firmen und Organisationen schon ein gutes Bewusstsein für Klimaschutz gäbe, während das auf nationaler Ebene oft noch verbesserungsfähig sei.