Nach dem Song Contest ist vor dem Song Contest. Das gilt mehr denn je für Österreich, das nach dem Sieg von JJ im nächsten Jahr den Bewerb ausrichten wird. Mehrere Städte haben ihr Interesse bekundet, neben Wien auch Innsbruck, Graz, Linz, St. Pölten oder Wels.
Nun startet der Bewerberprozess für die Host City für den kommenden Song Contest diese Woche. Die European Broadcasting Union (EBU) hält die Rechte an dem Großevent, der ORF hat die Ausschreibungsunterlagen.
Neunseitiges Formular zur Bewerbung
„Der ORF führt ein transparentes, zügiges und faires Auswahlverfahren mit rechtsanwaltlicher Begleitung durch“, wird in der neunseitigen Interessensbekundung versprochen, die unter https://der.orf.at/ESC2026 heruntergeladen werden kann. Wenn das ausgefüllte Formular eingereicht wird (generaldirektion@orf.at), erhalten interessierte Austragungsstätten die detaillierten Ausschreibungsunterlagen, wobei auf höchste Geheimhaltung Wert gelegt wird - sowohl vonseiten der Interessenten als auch vonseiten des ORF.
Potenzielle ESC-Hostcitys 2026 müssen dann jedenfalls bis spätestens 4. Juli ihre detaillierten Unterlagen einreichen, wollen sie die Ehre haben, Österreich kommendes Jahr auf der internationalen Medienbühne zu repräsentieren. Dabei ist mittlerweile laut Interessensbekundung klar, wann das Finale des größten Musikbewerbs stattfinden wird - entweder am 16. oder 23. Mai 2026.
Song Contest wird 40 Millionen Euro kosten
Was schon abzusehen ist: Es wird teuer. Kolportiert werden etwa 40 Millionen Euro, die der ORF und die Host City für die Austragung aufbringen müssen - ein heißes Thema in den Gemeinderäten der Bewerberstädte, die sich die Frage stellen müssen, ob sie sich den Song Contest leisten können und wollen. In Innsbruck ist Stadtchef Johannes Anzengruber (Liste Ja) ist ebenso für eine Ausrichtung wie SPÖ und Grüne, das Land Tirol hat einer finanziellen Beteiligung eine Absage erteilt.
Ein Nein gab es von KPÖ und FPÖ, wobei die Blauen die LGBTQ-Community attackierte. Für Gemeinderat Fabian Walch sei der Song Contest „ein Vehikel für eine besonders laute und schrille Community, die anderen Leuten ihre Ideologie aufzwingen will.“ Für einen Sieg beim Song Contest müsse man „auf jeden Fall auf Kriegsfuß mit der Biologie stehen, ansonsten hat man da keine Chance.“ Die Grünen orteten einen „widerwärtigen Angriff auf die LGBTQ-Community“.
Graz bleibt zurückhaltend
In Graz wäre man offen für eine Austragung, ist aber zurückhaltend bezüglich der Kosten. Bei einem Runden Tisch mit KPÖ-Bürgermeisterin Elke Kahr, Dieter Hardt-Stremayr (Graz-Tourismus) und dem neuen Messe-Chef Martin Ullrich wurde ein gemeinsames Interesse formuliert. Mit der Stadthalle (Kapazität für bis zu 11.000 Besucher), Gastronomie und Hotellerie würde man die Kriterien, die damals nach Conchitas Sieg galten, wieder erfüllen können.
Die Anforderungen sollen laut ORF-General Roland Weißmann mit 2015 vergleichbar sein. Damals gehörte zu den wichtigsten Kriterien, dass die Veranstaltungsstätte überdacht, schall-, lichtgedämmt sowie klimatisiert ist und eine Mindestraumhöhe von rund 15 Metern aufweist. Außerdem musste ein „Green Room“ für ca. 300 Personen (Künstler und Delegationen) entweder in der Halle oder in ihrer unmittelbaren Nähe untergebracht werden können. Überdies waren Zusatzflächen in der Größe von etwa 6000 Quadratmetern für den Backstagebereich (Catering, Garderoben, Schminkräume, Viewing Room, Kommentatorenkabinen) gefragt, rund 4000 Quadratmeter für das Pressezentrum für die über 1000 erwarteten Journalisten, sowie in ausreichender Größe Platz für ein Akkreditierungszentrum.