Die fünf Seiten starke Präsentation der österreichischen Gesundheitskasse trägt den sperrigen Titel „Report SV-Umsetzungsmanagement Influenzaimpfung“, und ist mit 15. Jänner datiert. Bestelldaten wurden bis 14. 1., Auslieferdaten bis 10. Jänner, und Impfdaten bis 14. Jänner berücksichtigt, die Zahlen sind brandaktuell – und brisant. Denn es wiederholt sich eine Datenlücke, die wir bereits im Herbst 2024 aufdeckten – ein erheblicher Teil der Grippeimpfungen ist wieder einmal nicht auffindbar.

Mit den Zahlen aus der Präsentation wird öffentlich, dass 337.000 Impfungen in der Statistik mit Stand 15. Jänner nicht erfasst sind. Die nackten Zahlen aus dem Influenza-Report der ÖGK (Stand 15. 1.): 1.221.000 Impfungen wurden an die Bundesländer ausgeliefert. Dokumentiert in den Impfpässen wurden lediglich 884.000 Impfungen. Daraus resultiert, dass 337.000 Impfungen nicht dokumentiert wurden oder nicht zu orten sind.

Neuerliche Daten-Lücke bei Grippeimpfungen?

Die Datenlücke wiegt umso schwerer, weil seit September letzten Jahres bei ähnlichen Zahlen fieberhaft nach den Ursachen gesucht wurde – und es bis heute keine neuen Erkenntnisse an die Öffentlichkeit gelangt sind. Auch im Jänner 2025 erhält man die gleiche Antwort: „Wie bereits bei Ihrer Anfrage im September festgehalten, sind die Hauptursache für die darüber hinausgehende Differenz fehlende Eintragungen in den eImpfpass.“ Und: „Wenn Impfungen nicht im eImpfpass eingetragen werden, handelt es sich nicht um Schwund. Fehlende Eintragungen sind zwar ärgerlich und erschweren eine verlässliche Planung, die Impfdosen wurden aber zum weitaus größten Teil für die Menschen in Österreich eingesetzt . . . Es gibt keine nicht-aufgefundenen Impfungen und deshalb auch keinen finanziellen Schaden. In der Influenza-Saison 2024/25 sind mit Stand 20. Jänner 917.617 Impfungen eingetragen. Es werden nach wie vor Menschen in Österreich gegen Influenza geimpft, weil die Grippewelle in Österreich gerade erst beginnt. “

Keine konkreten Antworten zu Grippeimpfungen

Konkrete Antworten, warum Hunderttausende Impfungen bisher nicht erfasst wurden, bleiben jedoch aus. Das Ministerium kann nicht digital herausfiltern, was mit Impfungen aktuell geschehen ist, oder, wo sie sich befinden. Nachfragen der Kleinen Zeitung nach Fakten, auf denen die Annahmen des Ministeriums basieren, wurden mehrfach so beantwortet: „Wir gehen davon aus, dass geimpft, aber nicht eingetragen wurde.“ Das Gesundheitsministerium weiter: „Die eindeutige Zuordnung der ausgelieferten Dosen zur impfenden Stelle ist in der aktuellen Influenza-Impfsaison 2024/25 durch die Bestellung über den BBG e-Impfshop gewährleistet.“ Und: „Die Eintragung in den eImpfpass wurde durch die Möglichkeit vereinfacht, auch im ÖIP Influenza die Impfstoffverpackungen einzuscannen. Mit dem neuen System ist am Ende der Saison nachzuvollziehen, wie viele Packungen bezogen wurden und wie viele Eintragungen in den eImpfpass erfolgt sind.“

Grippeimpfungen: Ohne Eintragung kein Honorar

Die Theorie der Nicht-Eintragung durch Ärzte in den eImpfpass hat aber einen Haken. Das Ärzte-Honorar ist mit der Eintragung in den eImpfpass verknüpft (laut Ärztekammer-Vertreter). Das würde bedeuten, dass Ärzte freiwillig auf ihr Honorar verzichtet hätten. Pro Impfung erhält ein Arzt laut Ärztekammer 15 Euro. Rechnet man das hoch, hätten österreichische Impfärzte über fünf Millionen Euro nicht an Honoraren eingefordert. Schwer vorzustellen, dass so viele Ärzte auf ihr Honorar verzichten. Selbst, wenn man die Zahlen des Ministeriums/Stand 20. Jänner nimmt (917.617 Impfungen wurden laut Ministerium in den Impfpass eingetragen, damit fehlen 303.383 Impfungen in der Statistik) wären das immer noch 4,5 Millionen Euro.

„Das ist eine Unterstellung der Sonderklasse“

Dietmar Bayer, stv. Bundeskurienobmann niedergelassene Ärzte in der Ärztekammer sagt: „Jeder Arzt müsste ein Kopfschüssler sein, wenn er impft, aber nicht einträgt – er müsste ja dumm sein, wenn er sich das Honorar nicht abholt. Das ist eine Unterstellung der Sonderklasse.“ Bayer kann sich zumindest einen Teil der nicht erfassten Impfungen erklären: „Ein Teil des Schwunds ist wohl auf Amtsärzte und Betriebsärzte, Gesundheitsämter und Schulärzte zurückzuführen, die nicht auf einen e-Impfpass zugreifen.“ Sensibel ist das Thema natürlich auch aufgrund der Finanzierung der Gratis-Grippeimpfung durch den Steuerzahler: „Im Einkauf kostet diese Impfung 15 Euro, im Verkauf 30 Euro“, so Bayer.