Wie äußert sich Spielsucht? Vielleicht so: Man bringt ein Geschenk um 150 Euro zu einer Geburtstagsparty und verspielt zwischendurch am Klo 5000 Euro am Handy. Daniel M., ein Österreicher, gesteht unter Pseudonym dem „Standard“ seine Spielsucht und ist einer von vielen Leidtragenden der wuchernden Online-Glücksspielindustrie. Nun offenbaren die „Casinopapers“ die Praktiken des illegalen Milliardengeschäftes mit Onlinekasinos. Die niederländische Investigativplattform „Follow the Money“ bekam die Daten zugespielt und teilte diese mit weiteren Journalisten.

Das Datenleck zeigt: Es ist eine undurchsichtige Branche, deren Geschäfte auch in Österreich gut laufen. Globale Onlinekasinos schalten Werbung in heimischen Medien, obwohl eigentlich nur ein Anbieter in Österreich eine Zulassung besitzt. Für den Staat ist es ein Geschäft, der Finanzminister verdient jährlich Millionen mit Abgaben aus Online-Glücksspiel.

Verzockt

Daniel M. verzockte seine Eigentumswohnung auf Plattformen wie 18bet.com, dream.bet, oder casinowinbig.com. Sie alle sind Teil eines Puzzles aus Briefkastenfirmen, die auf Malta, der Karibikinsel Curacao oder auch im bulgarischen Sofia sitzen.

2023 betrug das Marktvolumen von Online-Glücksspiel weltweit rund 290 Milliarden US-Dollar, um 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Jeder, der ein Handy besitzt, hat rund um die Uhr Tag Zugang zu einem Casino in seiner Hosentasche.

Sicherer Hafen Malta

Warum wird man illegaler Anbieter rechtlich nicht habhaft? EU-Behörden verhängen Strafen gegen dubiose Unternehmen, allein bezahlt wird nicht. Die rechtliche Situation ist grotesk. Malta etwa verteidigt seine Glücksspielindustrie sogar mit einem eigenen Gesetzesartikel. 2023 beschloss das maltesische Parlament „Bill 55“, welche Anbietern mit Sitz in Malta erlaubt, rechtskräftige Urteile anderer EU-Staaten zu ignorieren.