Noch bevor die Sonne über Lignano aufgeht, sind bereits die Reinigungstrupps ausgerückt. Dennoch zeugen übergehende Mülleimer und Plastikbecher, die vereinzelt auf der Straße und am Strand liegen, von der ausgelassenen Feier, die in der Nacht auf Samstag in Lignano über die Bühne gegangen ist.

Der Großteil der Jugendlichen – sie kommen primär aus Österreich – feiert am verlängerten Pfingstwochenende ausgelassen, aber friedlich. Doch wenn mehrere Tausend Menschen in Partylaune aufeinander treffen, sind auch Konflikte vorprogrammiert. "Es war viel los", resümiert der Kärntner Polizist Martin Macor gegen Ende seiner Schicht kurz vor 4 Uhr früh. Zusammen mit einer Kollegin unterstützt er die italienischen Carabinieri, indem er Sprachbarrieren beseitigt. "Es hat etliche Anzeigen wegen Ordnungsstörung gegeben", sagt Macor. Laut ersten Informationen ist es auch zu einer Festnahme wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt gekommen. Die Person wurde anschließend aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Italienische Medien berichten von 26 Anzeigen wegen Fehlverhaltens in Zusammenhang mit Alkohol. 

Scheibe eingeschlagen

Nicht nur die Reinigungstrupps, sondern auch Lokalbetreiber sind am Samstagmorgen damit beschäftigt, die Spuren der Partynacht zu beseitigen. Mit Hochdruckreiniger spritzt ein Mann den Grund vor seinem Betrieb ab. Ein anderer blickt fassungslos auf die Auslage des gegenüberliegenden Geschäftes. "Sie haben mit einer Flasche gegen das Glas gehauen", sagt er und schüttelt den Kopf. "Die Situation ist gleich wie vor Corona. Aber heute wird es sicher noch schlimmer." Damit rechnet auch Macor. Viele Gäste sind erst am Freitagabend angereist: "Am Samstag machen viele schon ab Mittag Party."

Immerhin: Von Schlägereien oder ähnlichen Ausschreitungen war am Samstagmorgen zunächst nichts bekannt. Und auch 30.000 Euro Strafe musste wohl noch niemand zahlen. Wie Macor berichtet, wurden die Geldstrafen massivst erhöht. Dafür soll es heuer entgegen erster Meldungen keine Ausweisungen mehr geben. Wer in der Öffentlichkeit uriniert, muss mit Strafen von bis zu 10.000 Euro rechnen. Bei Geschlechtsverkehr in der Öffentlichkeit kann die Strafe dreimal so hoch ausfallen.

Bilanz zur zweiten Partynacht

Die Nacht von Samstag auf Sonntag fiel wie erwartet noch ein Stück ausgelassener aus. "Es gab einige Anzeigen wegen Alkoholkonsums", berichtet Polizist Martin Macor. "Was da Getrunken worden ist, das war ein Wahnsinn." Am späten Abend waren Hotspots wie die Piazza Fontana voll mit Menschenströmen. Schon in der Vergangenheit war Macor zu Pfingsten in Lignano in Einsatz: "Aber das war definitiv eine der Nächte, an denen am meisten los war." 

Was positiv auffällt: Trotz der Menschenmassen war die Stimmung vergleichsweise entspannt. Körperverletzungen, Schlägereien und ähnliche Delikte bildeten die Ausnahme. Macor: "Die italienischen Kollegen gehen bei den Einsätzen mit großer Geduld vor. Dialog ist die höchste Priorität." 

Wie die Touristinnen und Touristen gefeiert haben, wird auch auf sozialen Netzwerken ersichtlich. Auf Snapchat, zum Beispiel, wurde auch die eine oder andere waghalsige Aktion festgehalten - darunter ein Rückwärtssalto eines augenscheinlich angetrunkenen Mannes am Strand und ein weiterer, der auf die Spitze einer Straßenlaterne klettert.

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