Von allen Orten, an denen ich gelebt habe, ist mir Wien besonders gut im Gedächtnis geblieben. Vielleicht liegt das auch daran, dass der Weltuntergang nirgendwo sonst so lustig besungen wird.
 
„Es is kein' Ordnung mehr jetzt in die Stern', 
D' Kometen müßten sonst verboten wer'n; 
Ein Komet reist ohne Unterlaß
Um am Firmament und hat kein' Paß;
Und jetzt richt't a so a Vagabund
Uns die Welt bei Butz und Stingel z'grund; “
 
So lässt Johann Nestroy im Lumpazivagabundus den Knieriem sein wohl berühmtestes Couplet anstimmen. 
 
Man sollte den kulturellen Kraftakt, der hinter dieser Umwandlung von Furcht in Satire steckt, nicht geringschätzen. Die Urangst, dass das Ende der Welt unmittelbar bevorsteht, reicht bis weit in vorchristliche Zeiten zurück. Noch 1910 löste das Erscheinen des Halleyschen Kometen Panikkäufe von Gasmasken aus. Und als ob es gestern gewesen wäre, erinnere ich mich an das ausgeplünderte Toilettenpapierregal, vor dem ich kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie in einem Supermarkt im Speckgürtel von Graz stand.
 
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mich haben im Zeichen des drohenden Weltenendes stehende Massenhysterien immer fasziniert. Nicht, dass tief in mir verborgen ein Apokalyptiker schlummern würde. Mich interessieren mehr die Umstände, unter denen solche Ängste entstehen und eine meist unwiderstehliche Sogwirkung entwickeln. 
 
In vielen Fällen sind es Krisenzeiten, die sie begünstigen. Da passt, denke ich, die Lust am Untergang, die da und dort in der Klimadebatte durchschimmert, ganz gut ins Bild.
 
Das Tröstliche an all den düsteren Prophezeiungen ist, dass sich keine einzige bisher erfüllt hat. Die Erde steht noch immer. So erfreulich das für die Menschheit insgesamt ist, als so peinlich erweist es sich für jene, die das nahende Ende predigen. Bösen Zungen zufolge soll Papst Silvester II., als der von ihm für den 31. Dezember 999 zu Mitternacht vorausgesagte Weltuntergang nicht eintrat, sich mit der Behauptung aus der Verlegenheit gestohlen haben, seine Gebete hätten die Apokalypse abgewendet.
 
Das Vertrauen der NASA in die himmlischen Mächte ist da weniger stark ausgeprägt. Um zu testen, ob im Ernstfall die Flugbahn eines auf die Erde zurasenden Himmelskörpers geändert werden könnte, hat die US-Raumfahrtbehörde jetzt zum ersten Mal eine Sonde gezielt mit einem Asteroiden kollidieren lassen.
 
Dem spektakulären Experiment und der nicht unwesentlichen Frage, wie wahrscheinlich der Aufschlag eines todbringenden Kometen auf der Erde überhaupt ist, hat sich mein Kollege David Knes im heutigen Tagesthema gewidmet, dessen Lektüre ich Ihnen mit herzlichen Grüßen empfehle.

Ihr